Eine Zeitung, die Gottes Volk versammelt

40 Jahre Kirchenzeitung nach dem Zweiten Weltkrieg
Ausgabe Nr. 45
  • Wien und Niederösterreich
Autor:
Helmut Krätzl mit der Wiener Kirchenzeitung
Helmut Krätzl, seit September 1985 Diözesanadministrator der Erzdiözese Wien, liest die Wiener Kirchenzeitung. ©Wolfgang Linhart

Im November 1985 erinnerte der damalige Diözesanadministrator Helmut Krätzl an die Bedeutung der Kirchenzeitung – 40 Jahre nach der Wiederbelebung von 1945.

Die Kirchenzeitung „bringt Nachrichten, Kommentare und Meinungen über alle Aspekte des heutigen Lebens; sie greift alle Schwierigkeiten und Probleme auf, mit denen der Mensch heute konfrontiert ist; all dies aber im Lichte christlicher Lebensauffassung“. So formulierte Paul VI. im Jahr 1971 in der Pastoralinstruktion „Communio et progressio“ (Gemeinschaft und Fortschritt) – einer Art Magna Charta christlicher Medienarbeit – die Aufgaben einer Kirchenzeitung. Der Papst fügte hinzu: Die Kirchenzeitung „soll zugleich ein Spiegel sein, der die Welt reflektiert, und Licht, das ihr den Weg zeigt. Sie soll Forum für Begegnung und Gedankenaustausch sein ... In Erfüllung dieser Aufgaben versammelt die Kirchenzeitung das Diözesanvolk ‚gleichsam um einen runden Tisch‘".

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Was bedeutet diese Aufgabenstellung heute konkret für uns in der Erzdiözese Wien?

1. Die Kirchenzeitung muß in der pluralistischen Situation in Kirche und Welt, wo eine Vielfalt von Meinungen und Lebensmodellen existiert, Orientierungshilfen geben. Dabei geht es nicht um fertige Rezepte, denn die Zeit der Rezepte ist vorbei. Es geht darum, Meinungen zu präsentieren und sie mit dem unveränderlichen Schatz kirchlicher Lehre aus Offenbarung und Tradition zu konfrontieren.

2. Die Kirchenzeitung muß ihren Lesern helfen, die legitime Weiterentwicklung im theologischen Denken mitzuvollziehen. Die Kirche ist herausgefordert, auf dem Hintergrund der Zeiterfordernisse den Glauben immer wieder neu zu bedenken. Sie ringt um Formulierungen, die den Menschen von heute den Glauben besser erschließen können. Aufgabe der Kirchenzeitung ist es, das ganze Volk Gottes an diesem Prozeß des „Nachdenkens über den Glauben“ Anteil nehmen zu lassen.

3. Die Kirchenzeitung soll auch in der öffentlichen Diskussion, in der politischen Meinungsbildung mitreden. Dabei geht es nicht um oberflächliches Politisieren, sondern eher um Integration, um den „Dienst der Versöhnung" auch in diesem Bereich. Freilich muß die Kirchenzeitung gleichzeitig in aller Deutlichkeit für die menschlichen und die christlichen Werte eintreten. Sie muß die Leser gleichsam rüsten, damit diese als Christen in der politischen Diskussion am Arbeitsplatz, in Schule, Familie und Nachbarschaft bestehen können.

Insgesamt wird man – ausgehend von den Grundlinien der Pastoralinstruktion „Gemeinschaft und Fortschritt" – sagen müssen, daß die Kirchenzeitung nicht das Organ irgendeiner „Richtung“ sein kann. Sie soll eine Plattform der Diskussion im Volk Gottes sein.

Die Kirchenzeitung hat eine schwere, aber auch eine schöne und notwendige Aufgabe zu erfüllen. Für jeden, der „in der Kirche“ lebt, ist die Kirchenzeitung als Informationsquelle und Hilfe zur Gestaltung christlichen Lebens wohl unverzichtbar. Darüber hinaus kann sie auch vielen Menschen, die erst auf die Kirche zugehen, wertvolle Anregungen geben.

So wünsche ich der ganzen Kirchenzeitungs-Familie – Verlag, Redaktion und Leserschaft zum 40-Jahr-Jubiläum alles Gute und Gottes Segen.

Autor:
  • Redaktion
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