Ein rappender Franziskaner erzählt

Hinter meiner Musik steckt eine Botschaft
Ausgabe Nr. 29
  • Kunst und Kultur
Autor:
Rappender Franziskaner Manuel Sandesh betrachtet ein Schild
Rappender Franziskaner Manuel Sandesh betrachtet ein Schild ©Sandra Lobnig
Portrait von Franziskaner Manuel Sandesh
Portrait von Franziskaner Manuel Sandesh ©Sandra Lobnig

Rap, Volkstümliches, Klassisches: Der Franziskanermönch Pater Sandesh Manuel macht unkonventionelle Musikvideos und sieht sich als Youtuber mit besonderer Botschaft.

Er kann die lauten und die leisen Töne, ist cool und andächtig, lustig und tiefsinnig. Singt das ‚Ave Maria‘ von Bach/Gounod, rappt über Einsamkeit und Selbstbewusstsein und interpretiert ‚Wenn wir erklimmen‘, eines seiner Lieblingsvolksmusiklieder aus Österreich. Ein Blick in den Youtubekanal von Pater Sandesh Manuel zeigt, wie vielfältig und unkonventionell der Franziskanermönch ist. Seit einigen Jahren ist der gebürtige Inder auf den Socialmediakanälen im Internet mit seinen Liedern präsent und hat eine große Vision: „Ich möchte die frohe Botschaft mit den Leuten teilen, die nichts mit der Kirche zu tun haben.“ Vor allem junge Menschen will Pater Sandesh Manuel erreichen, denn „die sprechen oft eine ganz andere Sprache als wir in der Kirche.“

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„Ich bin zuerst einmal Franziskaner“, sagt der rappende Ordensmann und ergänzt: „Nein, eigentlich bin ich davor ein Mensch. Kein Engel, sondern ein Mensch mit beiden Beinen auf dem Boden.“

Pater Manuel Sandesh OFM

 

Im Video mit Franziskanerhabit

„Viele junge Leute schreiben mir und finden das, was ich mache, cool. Für manche, die als Kinder noch in die Kirche gegangen sind und später nicht mehr, bin ich wieder ein Kontakt zur Kirche, wenn sie meine Lieder zufällig auf YouTube finden. Das ermutigt mich sehr“, sagt der Franziskaner, der in seinen Videos im braunen Franziskanerhabit auftritt. Ganz bewusst, wie er betont: „Ist das nicht heiß und unangenehm im Habit, werde ich oft gefragt. Ja, das ist es, gerade im Sommer. Aber der Habit gehört zu meiner Identität. Damit möchte ich zeigen, dass ich meine Berufung liebe!“ Mitunter bekommt Pater Sandesh Manuel auch negative Rückmeldungen – hauptsächlich von anderen Gläubigen. „Du bist ja verrückt! Das passt überhaupt nicht! sagen mir manche Leute.“ Entmutigen will er sich davon aber nicht lassen. „Hinter meiner Musik steckt eine Botschaft. Ich will dran bleiben und weitermachen, weil ich denke, dass das für die Kirche heutzutage wichtig ist. Außerdem steht mein Orden hinter mir.“

Mit siebzehn in den Orden eingetreten

Bereits als Siebzehnjähriger ist Pater Sandesh Manuel in den Franziskanerorden eingetreten. Für Indien ist dieses junge Alter beim Ordenseintritt nicht außer­gewöhnlich. „Ich hatte nach der Matura viele Fragen, habe mir ein Jahr Auszeit genommen und bin zu den Franziskanern. Dort hat es mir so gut gefallen, dass ich geblieben bin.“ Seit elf Jahren ist er Priester, seit sechs Jahren lebt er im Franziskaner­kloster in der Wiener Innenstadt. Das Gemeinschaftsleben mit seinen Mitbrüdern ist ihm sehr wichtig. „Ich bin zuerst einmal Franziskaner“, sagt er und ergänzt: „Nein, eigentlich bin ich davor ein Mensch. Kein Engel, sondern ein Mensch mit beiden Beinen auf dem Boden.“

Dialektlied über Kärnten

Als Ausgleich zu seinen Aufgaben als Seelsorger, zu seinem Studium der klassischen Gitarre, zu seinen Konzerten und Videos zieht er sich oft in die Stille zurück. „Ich liebe die Stille, um runter zu kommen. Da kommen viele Fragen auf. Nicht immer bekomme ich eine Antwort, aber die Stille ist mir sehr wichtig.“ Derzeit ist Pater Sandesh Manuel für sein nächstes Projekt unterwegs, der SONNTAG erreicht ihn in Kärnten. „Ich war vor Kurzem in Kärnten auf Urlaub und es hat mir so gut gefallen, dass ich hier einen Film drehen wollte. Ich mache also gerade ein Lied über Kärnten im Dialekt und habe das dann für jedes Bundesland in Österreich vor“, erzählt er. Wer neugierig ist, schaut auf seinem YouTube-Kanal vorbei.

„Ich möchte die frohe Botschaft mit den jungen Leuten teilen, die nichts mit der Kirche zu tun haben. Denn die sprechen oft eine ganz andere Sprache.“

P. Manuel Sandesh

Autor:
  • Sandra Lobnig
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