Ein Leben voll Vertrauen

Mit Gott verbunden
Ausgabe Nr. 6
  • Meinung
Autor:
Die Sehnsucht, mit Gott verbunden zu sein, begleitet Marlies Erhart jeden Tag mit ihrer Familie. ©Michael Urbanek

Marlies Erhart ist es wichtig, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen. Ihre Erfahrung: Kinder sind wunderbare Lehrer.

Marlies Erhart aus Pressbaum ist in einer Familie aufgewachsen, die sonntags den Gottesdienst besuchte. Als Jugendliche wandte sie sich von der Kirche ab. Wie ging es in ihrem Glaubensleben weiter?

Während des Studiums hattest du ein Erlebnis, das dein Leben verändert hat. Erzähle uns davon!

Eine Freundin hat mich immer und immer wieder zu christlichen Events eingeladen. Ich wollte damals nichts davon wissen. Schließlich bin ich ihr zuliebe doch einmal mitgekommen. Von da an hat sich alles geändert. Mitten im Lobpreis erfüllte mich plötzlich eine unglaubliche Freude, ein richtiger Glücksrausch, ein Zustand, den ich so nie zuvor erlebt hatte, ich war überwältigt von so einem unbeschreiblich intensiven Gefühl von Liebe und Dankbarkeit. Von dem Tag an konnte ich nicht mehr so tun, als gäbe es keinen Gott. Diese Sehnsucht, mit ihm verbunden zu sein und ihm zu dienen, begleitet mich seit jenem Tag.

Du bist Mutter von Sara (6) und Henric (3) und arbeitest als Ergotherapeutin mit Kindern. Dabei legst du viel Wert auf eine Begegnung auf Augenhöhe.

Ja, natürlich, alles andere macht für mich keinen Sinn. Die meisten Kinder, die zu mir kommen, haben in einem oder mehreren Bereichen Entwicklungsverzögerungen, egal ob motorisch, sozial, emotional oder intellektuell. Sehr oft sind auch Wahrnehmungsauffälligkeiten eine Ursache, weshalb sie mit sich selbst oder mit anderen nicht gut im Alltag zurechtkommen und Verhaltensauffälligkeiten wie Unselbstständigkeit, Ungeschicktheit, Rückzug oder hyperaktives Verhalten entwickeln, was den Alltag erheblich belastet. Es ist so wichtig, dass wir den Kindern helfen, positive Erfahrungen in den Bereichen zu machen, die ihnen schwerfallen, damit sie sich selbst als kompetent und selbstwirksam erleben und die Entwicklungsschere zu Gleichaltrigen nicht zu weit auseinanderklafft. Durch die Erfolgserlebnisse kommt ihre Entwicklung wieder in Schwung und sie lernen Neues mit Freude und Begeisterung - wie es von der Natur eigentlich vorgesehen ist.

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Man sagt, dass Kinder Erwachsene innerlich wachsen lassen. Ist das deine Erfahrung?

Kinder sind wunderbare Lehrer – wenn wir es zulassen, von ihnen in die Schule genommen zu werden. Viel leichter ist es, im Kind das Problem zu sehen. Kinder sind aber immer nur die Bühne, auf denen die Probleme sichtbar werden. Wie ein Spiegel zeigen sie uns, wo wir selbst noch verletzt, noch nicht heil sind. Sie drücken auf wunde Punkte in uns und laden uns so unermüdlich ein, Wachstum zuzulassen. Wenn man mit seinen Kindern ansteht, ist es so gut und hilfreich, sich Unterstützung zu suchen! Mit den richtigen Informationen zur Entwicklungsunterstützung kann man zu besseren Eltern werden und zusammen mit seinen eigenen Kindern wachsen. Der Alltag wird so schöner und leichter.

Beeinflusst dein Glaube deinen Blick auf Kinder?

Mein Glaube ist nichts außerhalb von mir. Dieser Liebes- und Lebensstrom ist in mir, in jedem Menschen, in der ganzen Schöpfung, so natürlich auch in den Kindern und Familien, die zu mir kommen. Bevor ich die Türe im Therapieraum aufmache und die nächste Familie hereinbitte, mach ich ein Kreuzzeichen und spreche ein kurzes Gebet, wie: „Jesus, ich vertraue auf dich, sorge du.“ Das schenkt mir Ruhe und innere Freiheit und Freude. Die große Versuchung für Menschen in „helfenden Berufen“, sich für alles verantwortlich zu fühlen, tritt in den Hintergrund. Ich weiß, es hängt nicht alleine von mir ab, Gott sorgt durch mich für diese Familie, dieses Kind.

Wie gibst du den Glauben an deine Kinder weiter?

Durch Vorleben und Gespräche über Gott, wenn sie danach fragen. Sie sehen uns in Gebetskreise und zur Beichte gehen, sehen, wie wir das genießen und es uns wichtig ist. Wir sind in eine lebendige Pfarre eingebettet und der Sonntagsgottesdienst mit Pfarrkaffee ist ein Fixpunkt der Woche, auf den wir uns freuen. Die Jungfamiliennachmittage in Mödling und die Jungfamilienwoche in Pöllau sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken und absolute Gnadenorte für uns. Abends beten wir zum Schlafengehen den ganzen oder zumindest Teile vom Rosenkranz, die Kinder liegen dabei schon in ihren Betten und schlafen währenddessen ein.

Autor:
  • Sandra Lobnig
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