Dog Save the King!

Ausgabe Nr. 19
  • Hirtenhund
Autor:
©Der SONNTAG

Zwei historische Ereignisse - eines traurig und eines freudig - berührten den Hirtenhund Anfang Mai: Die Krönung von King Charles III. und der Tod von Weihbischof Helmut Krätzel.

Das Wort „historisch“ wird gern bemüht, um besondere Momente zu kennzeichnen. Natürlich ist alles irgendwie historisch – jeder Tod, jede Geburt, jeder Gassigang ist im Moment seines Vollzugs schon so gut wie vergangen. Aber in diesen Tagen bin ich emotional doch ziemlich gebeutelt von historischen Ereignissen. Das eine ein trauriges – die Beisetzung von Weihbischof Helmut Krätzl, jenes Mannes, der wie eine lebendige Fackel der Kirche den Weg zum Konzil und von dort aus in die Zukunft leuchtete. Ob das Licht weitergegeben wird? Oder ob dem Konzil der Weg alles Irdischen beschieden ist, nämlich als „historisch“ geadelt und damit zugleich in die Schubladen der Historiker geschoben zu werden? Ich werde jedenfalls dabei sein, einschalten, wenn Weihbischof Krätzl am Montag beigesetzt wird.

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Historisch, weil vermutlich einzigartig in der überschaubaren Lebensspanne eines Hundes, empfand ich auch die Krönung von Charles III. Und ich muss gestehen: Es hat mich berührt. Der ganze Hut(blumen)zauber, wer mit wem, ah, Harry, oh, no Meghan – das alles bleibt mir auch weiterhin ein unheiliges Buch mit sieben Siegeln. Und ja, ich halte eine Monarchie weiterhin für eine überholte Staatsform. Aber: Die Krönungszeremonie war so unfassbar unzeitgemäß-liturgisch, dass genau darin ihr innovativer Kern lag, der sogar einer modernen Demokratie noch orientierende Kraft schenken kann.

Ich versuche, mich zu verklären: Demokratien basieren auf der Idee der Souveränität des Volkes, auf der totalen Immanenz, also Weltlichkeit aller Entscheidungen und Werturteile. Denn diese müssen verallgemeinerbar sein und also auch jenen einleuchten, denen ein Gott eben nicht einleuchtet. Aber sie kennen damit auch die Gefahr der totalitären Versuchung, der Aneignung einer vollkommenen Macht, ein Kippen ins Antidemokratische. Die Krönungszeremonie hat nun in einem Moment höchster Machtfülle die Macht des Monarchen zugleich permanent göttlich eingehegt. Er stand mehr als Knecht denn als Kraftprotz da, bittersweet lächelnd, im intimen Moment der Salbung hinter einem Paravent verborgen. Man konnte aus der Symbolik auch den Appell herauslesen: Demokratien, maßt euch nicht an, den leeren Stuhl Gottes zu besetzen, ja, ihn aus dem Raum zu tragen! Bleibt stets im Sprung Richtung Macht gehemmt, um es mit Krätzl zu sagen. Denn Politik lebt davon, dass der Stuhl Gottes leer bleibt. Historisch war es, historisch wird es bleiben. Dog save the King!

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