 Gelingende Kommunikation in der Partnerschaft ist wichtiger als körperliche Attraktivität, Herkunft, Bildung oder Status.
|
|
Im Gespräch: Männerforscher, Psychotherapeut und Theologe Erich Lehner über das Gelingen von Partnerschaft und typische „Beziehungskiller”.
Was trägt zum Gelingen einer (Paar-)Beziehung bei? Wie können Beziehungen vertieft werden?
Lehner: Das Wichtigste ist die Kommunikation. Diese Fähigkeit hat sich in vielen Forschungen als viel wichtiger erwiesen als beispielsweise körperliche Attraktivität, Herkunft, Bildung, Status oder das Ausmaß der Liebe am Anfang der Beziehung.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Fähigkeit, die Kommunikation auch in Stresszeiten nicht abbrechen zu lassen. Hier geht es zunächst um die Kompetenz, mit Stress umzugehen. Vor allem geht es darum, wie PartnerInnen sich in der Wahrnehmung von Stress und der Belastung gegenseitig stützen können.
Darüberhinaus geht es um die Kompetenz, Probleme des Alltags in gegenseitiger Hilfestellung effektiv gemeinsam zu lösen.
Was sind die typischen „Beziehungs-Killer”?
Lehner: Die Abwärtsspirale einer Beziehung kann ebenso an kommunikativen Prozessen in einer Beziehung festgemacht werden. Die PartnerInnen begegnen einander mit destruktiver Kritik, gepaart mit abwertenden, verächtlich machenden Bemerkungen.
Es dominieren defensive Reaktionsmuster, wie Sich-Verteidigen mit gleichzeitigen Gegenangriffen und Rechtfertigungen. Schließlich kommt es immer mehr zum Rückzug aus der Beziehung und zur Gesprächsverweigerung.
Allerdings darf nicht übersehen werden, dass diese individuellen Fähigkeiten nicht allein dafür verantwortlich sind, dass Beziehungen scheitern. Es gibt Strukturen, die auch Paare mit besten Kompetenzen in die Abwärtsspirale einer Beziehung bringen, weil schlichtweg die Belastungen von außen so groß sind, dass sie auch die ausgeprägteste Kommunikationsfähigkeit nicht bewältigen kann.
Insofern ist einer der größten Beziehungs-Killer der Gegenwart das Geschlechterverhältnis, in dem die Frau für die Familie und Erziehung der Kinder zuständig ist und der Mann für die Versorgung der Familie. Viele Paare scheitern deshalb, weil partnerschaftliche Lebensentwürfe mit den Strukturen der Arbeitswelt, der Kinderbetreuungsinstitutionen und der Bildungsinstitutionen nicht zusammengehen.
 Dr. Erich Lehner ist Theologe, Männerforscher und Psychoanalytiker.
|
|
Oft übernehmen Frauen die Verantwortung für das Gelingen einer Beziehung. Wie können Männer beziehungsfitter werden?
Lehner: Es wäre ein Trugschluss zu meinen, man könnte Männer auf der individuellen Ebene beziehungsfitter machen. Österreich ist nach wie vor dominiert von eher traditionell ausgerichteten Frauen- und Männerbildern, die nicht nur Orientierungsmuster für die individuelle Entwicklung von Frauen und Männern in diesem Land sind.
Entscheidender ist, dass sie fest eingeschrieben sind in die gesellschaftlichen Strukturen wie der Arbeitswelt, den Bildungsinstitutionen, etc. Diese Bilder verorten Frauen im beziehungsintensiven Bereich der Familie und Männer in der Welt der Berufstätigkeit.
Um Männer beziehungsfitter zu machen, reichen Partnerschafts- oder Kommunikationsseminare nicht aus. Es braucht eine radikale Veränderung der männlichen Lebenswelt. Männer müssen beispielsweise durch Väterkarenz, durch Teilzeit, etc. präsenter in der Familie werden können.
Dies erfordert eine Veränderung der Arbeitswelt, aber auch der Familienstrukturen, die es auch gleichzeitig Frauen ermöglichen, stärker (nicht nur als „Dazuverdienerin”) im Berufsleben Fuß zu fassen. Skandinavische Forschungen zeigen, dass erst in der Familie präsente Männer Männlichkeitsmuster entwickeln, die stärker beziehungs- und kommunikationsorientiert sind.
Welche Rolle kann die Religion in einer Beziehung spielen?
Lehner: Alle Umfragen sagen, dass es bei den Menschen eine große Sehnsucht nach Partnerschaft und Beziehung gibt. Allerdings gibt es Strukturen, die das Gelingen einer solchen erschweren. Kirche könnte nun einen nichtwertenden Raum der Auseinandersetzung anbieten.
Menschen brauchen nicht Belehrung, wie Partnerschaft gelingen kann. Sie profitieren eher von Begleitung, wenn sie ihre gelingenden, aber vor allem auch nicht gelingenden Beziehungserfahrungen austauschen und reflektieren können und so lernend die Höhen und Tiefen einer Beziehung durchleben.
(red)
07.01.2010 |