
Eine Geste der Brüderlichkeit auf dem Balkon des Phanar, der Residenz des Ökumenischen Patriarchen:
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Es war eine Papstreise ganz anderer Art: keine jubelnden Menschenmassen, keine großen Freiluftmessen, keine Willkommensplakate. Doch die Gesten, die über die Medien in alle Welt verbreitet wurden, sprachen eine deutliche Sprache – vor allem hinsichtlich des ökumenischen Dialogs zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche: Diesem vor allem hatte der Besuch des Papstes in der Türkei gegolten.
Nachdem im September die offizielle katholisch-orthodoxe Kommission für den theologischen Dialog nach sechsjähriger Unterbrechung ihre Arbeit in Belgrad wieder aufgenommen hatte, zeigte die Begegnung zwischen Papst Benedikt XVI. und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. die Herzlichkeit der Beziehungen – trotz der noch bestehenden Hindernisse für die volle Einheit der Kirchen. In einer gemeinsamen Erklärung sagten Papst und Patriarch der Dialogkommission ihre volle Unterstützung zu und bekräftigten: ”Diese Kommission hat im Namen unserer Kirchen das erklärte Ziel, die vollkommene Gemeinschaft wiederherzustellen.“
”Kräfte vereinigen“
Der ökumenischen Zusammenarbeit für christliche Werte, Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung wird in der Erklärung ein hoher Stellenwert eingeräumt: ”In Europa müssen wir, ohne uns gegenüber den anderen Religionen und ihrem kulturellen Beitrag zu verschließen, unsere Kräfte vereinen, um die Wurzeln, Überlieferungen und christlichen Werte zu bewahren, um den Respekt vor der Geschichte zu gewährleisten und zur Kultur des Europa von morgen beizutragen.“
Dialog über den Petrusdienst
Benedikt XVI. lud – wie bereits Johannes Paul II. – die orthodoxe Kirche zum Dialog über eine Neubestimmung des Petrusdienstes ein. Dies ist einer der zentralen Streitpunkte. Jesus habe den Apostelbrüdern Petrus und Andreas (als dessen Nachfolger der Ökumenische Patriarch gilt) die gleiche Aufgabe übertragen. Diese habe aber unterschiedliche Formen angenommen. ”Die Frage des universalen Dienstes von Petrus und seinen Nachfolgern hat leider Meinungsverschiedenheiten entstehen lassen. Wir hoffen sie zu überwinden, auch dank des jüngst wieder aufgenommenen theologischen Dialogs“, sagte der Papst.
Der Papstbesuch galt auch als wichtiges religionspolitisches Zeichen: Die Türkei erkennt den Titel ”Ökumenischer Patriarch“ nicht an und sieht Bartholomaios I. bloß als Oberhaupt der 2.000 Gläubige zählenden griechisch-katholischen Gemeinde in Istanbul. Tatsächlich ist der Patriarch das geistliche Oberhaupt von mehr als 350 Millionen orthodoxen Christen weltweit. Internationale Besuche im Phanar, dem Sitz des Patriarchen in Istanbul, werden daher vom Staat mit größter Skepsis registriert: Der Papstbesuch hat somit die grenzüberschreitende Bedeutung des Ökumenischen Patriarchats unterstrichen.
Christen unter Druck
Seit den ”Lausanner Verträgen“ (1923), in denen orthodoxe Christen – wie
Armenier und Juden – als schutzwürdige Minderheiten in der Türkei anerkannt
wurden, hat das Ökumenische Patriarchat insgesamt 8.000 Immobilien auf
juristischem Wege verloren, weil Religionsgemeinschaften in der Türkei keine
Rechtspersönlichkeit besitzen. Damit werden der Kirche die finanziellen
Mittel entzogen. Nach 1923 wurden rund 1,5 Mio. griechisch-orthodoxe
Christen nach Griechenland ausgesiedelt – ca. 300.000 blieben in der Türkei.
Nach Wellen der Auswanderung leben heute nur noch etwa 2.000 Orthodoxe in
der Türkei, die meisten von ihnen in Istanbul.
Diesen Bericht von Helmut Tatzreiter lesen Sie auf Seite 5 der aktuellen
Ausgabe des „Sonntag" Nr. 49 vom 10. Dezember (erhältlich auch in ihrer Pfarre).
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