Ausgabe Nr. 20 - 20.05.2012
© Privat


|
Christentum und alte Traditionen
Die anderssprachigen Gemeinden aus Ostasien – China, Korea, Japan – bestehen in Wien schon lange, auch wenn sie zu den Kleinsten zählen.

© japan gemeinde

Was die drei Länder verbindet ist ein relativ früher Kontakt zum Christentum als auch teils jahrhundertelange blutige Verfolgung. Doch im Gegensatz zu den ”Märtyrerkirchen“ in China und Japan, in denen die katholische Kirche auch heute noch eine Minderheit darstellt, zählt  Süd-Korea im 21. Jahrhundert neben den Philippinen zu den christlichsten Ländern Ostasiens. Ein weiteres verbindendes Element stellt das starke Traditionsbewusstsein der Menschen aus Ostasien dar. Insbesondere Elemente des Konfuzianismus sind bis heute im Leben der Christen  allgegenwärtig. – Diese historische Entwicklung spiegelt sich auch in den anderssprachigen Gemeinden in Wien wider.


Messe in ”Mandarin“

Zu den ältesten anderssprachigen Gemeinden in Wien zählt  die chinesische. Nach den Anfängen in den 1970er Jahren mit P. Anton Löwe SJ hatte die Gemeinde, deren Mitglieder meist einen beruflichen Bezug zur Gastronomie haben, ein bewegtes Schicksal: Nach mehrmaligem Ortswechsel haben sie mit ihrem Seelsorger, dem Vorarlberger P. Andreas Mohr SDS, der 35 Jahre lang Missionar in Taiwan war,  seit 2006 in St. Nepomuk eine neue Heimat gefunden. Hier feiern die etwa 30 chinesischen Katholiken jede Woche den Gottesdienst in der chinesischen Hochsprache Mandarin. Auch wenn die Gemeindemitglieder, die etwa je zur Hälfte aus der Volksrepublik und aus Taiwan stammen, fern der Heimat leben, nehmen sie doch Anteil am Schicksal ihrer Glaubensbrüder und -schwestern. Das zeigte sich zuletzt etwa bei der Teilnahme am CSI-Schweigemarsch für verfolgte Christen in Wien, bei dem Kardinal Joseph Zen aus Hongkong Ehrengast war.


Christliches (Süd)Korea

Durch Kontakte mit China als Laienkirche entstanden, hat die katholische Kirche auch in Korea eine wechselvolle Geschichte. Denn nach ersten Ansätzen kam es im 17. und 18. Jht. zu einer völligen Abschottung des Landes und zur Verfolgung der Christen. Erst im 19. Jahrhundert hat sich Korea wieder geöffnet und konnte von Europa aus neu missioniert werden. Süd-Korea ist heute neben den Philippinen das christlichste Land Ostasiens
(33 % Christen, 23% Buddhisten). Allerdings gilt dies nur für den Südteil des Landes. Im kommunistisch regierten Norden ist eine Seelsorge praktisch unmöglich und Christen existiert wenn überhaupt nur im Geheimen.

In Wien besteht eine Koreanische Gemeinde, die heute rund 150 bis 200 Mitglieder umfasst, ebenfalls seit Mitte der 1970er Jahre. Ihr gehören (ebenso wie der japanischen) vorwiegend in Österreich arbeitende Diplomaten, Geschäftsleute und deren Familien sowie Studenten an. Sie ist seit einem halben Jahr in Wien Inzersdorf/ Neustift beheimatet und wird von Montanus Jung betreut. Da zur Gemeinde auch viele Musiker zählen, ist die Gestaltung der koreanischen Gottesdienste entsprechend eindrucksvoll .


Japaner ohne Priester

Auch Japan kam im 16. Jht., insbesondere durch die Mission der Jesuiten unter Franz Xaver mit dem Christentum in Berührung. Später folgte auch hier aus politischen Gründen eine Abschottung nach außen, gefolgt von blutiger Verfolgung. Erst vor etwa 100 Jahren konnte die katholische Kirche in Japan wieder neu gegründet werden und muss sich seither so wie andere Schwesterkirchen im Asiatischen Raum gegen den Einfluss amerikanischer Freikirchen behaupten.

In Wien zählt die Japanische Gemeinde zu den kleinsten anderssprachigen Gemeinden. Sie stellt auch insofern einen Sonderfall dar, als sie derzeit über keinen eigenen Seelsorger verfügt. Alle 2-3 Monate kommt P. Ludwig Armbruster SJ, ein japanisch sprechender Priester aus Prag, um Gottesdienst zu feiern und Sakramente zu spenden durchzuführen. Sonst wird diese kleine aber überaus selbstbewusste Gemeinde von Laien getragen, die Bibelrunden oder Katechesen anbieten.   

Ostasien in Wien

Chinesische Gemeinde

Ort: Pfarrkirche St. Johann
Nepomuk in Wien 2;
Messfeier in ”Mandarin“:
jeden Sonntag um 15.30 Uhr
Seelsorger: P. Andreas Mohr SDS


Koreanische Gemeinde

Ort: Pfarrkirche Inzersdorf Neustift in Wien 23,  Don-Bosco-G. 14
Messfeier in ”Koreanisch“: jeden Sonntag um 15 Uhr mit  Seelsorger  Montanus Hyun Kee Jung.


Japanische Gemeinde

Ort: Jesuitenkirche in Wien 1, Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 1
Messfeier in ”Japanisch“ nur alle 2-3 Monate am Sonntag um 15 Uhr mit Gast-Seelsorger P. Ludwig Armbruster SJ aus Prag. 




Diesen Bericht von Wolfgang Linhart lesen Sie auf Seite II der aktuellen Ausgabe von "Der Sonntag" Nr. 18, vom 4. 5. 2008 (erhältlich in Ihrer Kirche).

02.05.2008