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Was die drei Länder verbindet ist ein relativ früher Kontakt zum Christentum
als auch teils jahrhundertelange blutige Verfolgung. Doch im Gegensatz zu
den ”Märtyrerkirchen“ in China und Japan, in denen die katholische Kirche
auch heute noch eine Minderheit darstellt, zählt Süd-Korea im 21.
Jahrhundert neben den Philippinen zu den christlichsten Ländern Ostasiens.
Ein weiteres verbindendes Element stellt das starke Traditionsbewusstsein
der Menschen aus Ostasien dar. Insbesondere Elemente des Konfuzianismus sind
bis heute im Leben der Christen allgegenwärtig. – Diese historische
Entwicklung spiegelt sich auch in den anderssprachigen Gemeinden in Wien
wider.
Messe in ”Mandarin“
Zu den ältesten anderssprachigen Gemeinden in Wien zählt die
chinesische. Nach den Anfängen in den 1970er Jahren mit P. Anton Löwe SJ
hatte die Gemeinde, deren Mitglieder meist einen beruflichen Bezug zur
Gastronomie haben, ein bewegtes Schicksal: Nach mehrmaligem Ortswechsel
haben sie mit ihrem Seelsorger, dem Vorarlberger P. Andreas Mohr SDS, der 35
Jahre lang Missionar in Taiwan war, seit 2006 in St. Nepomuk eine neue
Heimat gefunden. Hier feiern die etwa 30 chinesischen Katholiken jede Woche
den Gottesdienst in der chinesischen Hochsprache Mandarin. Auch wenn die
Gemeindemitglieder, die etwa je zur Hälfte aus der Volksrepublik und aus
Taiwan stammen, fern der Heimat leben, nehmen sie doch Anteil am Schicksal
ihrer Glaubensbrüder und -schwestern. Das zeigte sich zuletzt etwa bei der
Teilnahme am CSI-Schweigemarsch für verfolgte Christen in Wien, bei dem
Kardinal Joseph Zen aus Hongkong Ehrengast war.
Christliches (Süd)Korea
Durch Kontakte mit China als Laienkirche entstanden, hat die katholische
Kirche auch in Korea eine wechselvolle Geschichte. Denn nach ersten Ansätzen
kam es im 17. und 18. Jht. zu einer völligen Abschottung des Landes und zur
Verfolgung der Christen. Erst im 19. Jahrhundert hat sich Korea wieder
geöffnet und konnte von Europa aus neu missioniert werden. Süd-Korea ist
heute neben den Philippinen das christlichste Land Ostasiens
(33 % Christen, 23% Buddhisten). Allerdings gilt dies nur für den Südteil
des Landes. Im kommunistisch regierten Norden ist eine Seelsorge praktisch
unmöglich und Christen existiert wenn überhaupt nur im Geheimen.
In Wien besteht eine Koreanische Gemeinde, die heute rund 150 bis 200
Mitglieder umfasst, ebenfalls seit Mitte der 1970er Jahre. Ihr gehören
(ebenso wie der japanischen) vorwiegend in Österreich arbeitende Diplomaten,
Geschäftsleute und deren Familien sowie Studenten an. Sie ist seit einem
halben Jahr in Wien Inzersdorf/ Neustift beheimatet und wird von Montanus
Jung betreut. Da zur Gemeinde auch viele Musiker zählen, ist die Gestaltung
der koreanischen Gottesdienste entsprechend eindrucksvoll .
Japaner ohne Priester
Auch Japan kam im 16. Jht., insbesondere durch die Mission der Jesuiten
unter Franz Xaver mit dem Christentum in Berührung. Später folgte auch hier
aus politischen Gründen eine Abschottung nach außen, gefolgt von blutiger
Verfolgung. Erst vor etwa 100 Jahren konnte die katholische Kirche in Japan
wieder neu gegründet werden und muss sich seither so wie andere
Schwesterkirchen im Asiatischen Raum gegen den Einfluss amerikanischer
Freikirchen behaupten.
In Wien zählt die Japanische Gemeinde zu den kleinsten anderssprachigen
Gemeinden. Sie stellt auch insofern einen Sonderfall dar, als sie derzeit
über keinen eigenen Seelsorger verfügt. Alle 2-3 Monate kommt P. Ludwig
Armbruster SJ, ein japanisch sprechender Priester aus Prag, um Gottesdienst
zu feiern und Sakramente zu spenden durchzuführen. Sonst wird diese kleine
aber überaus selbstbewusste Gemeinde von Laien getragen, die Bibelrunden
oder Katechesen anbieten.
Ostasien in WienChinesische Gemeinde
Ort: Pfarrkirche St. Johann
Nepomuk in Wien 2;
Messfeier in ”Mandarin“:
jeden Sonntag um 15.30 Uhr
Seelsorger: P. Andreas Mohr SDS
Koreanische Gemeinde
Ort: Pfarrkirche Inzersdorf Neustift in Wien 23, Don-Bosco-G. 14
Messfeier in ”Koreanisch“: jeden Sonntag um 15 Uhr mit
Seelsorger Montanus Hyun Kee Jung.
Japanische Gemeinde
Ort: Jesuitenkirche in Wien 1, Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 1
Messfeier in ”Japanisch“ nur alle 2-3 Monate am Sonntag um 15 Uhr mit
Gast-Seelsorger P. Ludwig Armbruster SJ aus Prag.
Diesen Bericht von Wolfgang Linhart lesen Sie auf Seite II der aktuellen
Ausgabe von "Der Sonntag" Nr. 18, vom 4. 5. 2008 (erhältlich in Ihrer
Kirche).
02.05.2008 |