Jedes Jahr winke ich vom Auto aus zu meinen Eltern zurück, bevor ich die 600 Kilometer lange Reise nach Hause ins Stubaital antrete – Abschied für ein Jahr. Abschied schmerzt, aber könnte ich Verluste nicht wahrnehmen, so könnte ich auch nie erkennen, was für mich von Bedeutung war und ist.
![]()
|
Früher verließ ich das Haus, schaute zum Küchenfenster hinauf und wurde von meinen Eltern winkend in den Schultag verabschiedet. Nun stehen mein Mann und ich täglich vor der Haustüre, nachdem sich unsere Kinder mit Kreuzerl und Küssen von uns verabschiedet haben und wünschen ihnen einen gelungenen Tag. Und – wie könnte es auch anders sein – winken wir noch einmal nach – zur Sicherheit.
Berufsleben und viele freiwillige Ämter in Gemeinde und Pfarre forderten von meinem Vater viel Energie und leider auch viel Zeit. Trotzdem blieb immer Raum für eine kleine Verschnaufpause in Form eines Spielchens. Bei den seltenen Zusammenkünften mit meinen Eltern ist eine Runde Bauernschnapsen ein Muss. Bei meinen eigenen Kindern ist es mir deshalb auch besonders wichtig, eine Kultur des Spielens zu pflegen.
Der Sonntag war wirklich ein „Tag der Familie“! Nach dem gemeinsamen Mit-Feiern der hl. Messe gab es ein verspätetes Mittagessen, bei dem wir auch unseren Hunger nach Meinungsaustausch sättigten – bis in den Nachmittag hinein. Im anschließenden Spaziergang fanden manch hitzige Gemüter Abkühlung. Da meine ganze Familie sportlich sehr aktiv ist, sind unsere gemeinsamen Unternehmungen vielschichtig und nicht auf den sonntäglichen Spaziergang beschränkt. Dies wirkt sich positiv auf unser Familienleben aus.
Gewisse Rituale aus meiner Kindheit helfen mir, im Heute meinem Leben, besonders auch im religiösen Bereich, Gestalt zu geben.
Zudem ertappe ich mich immer wieder dabei, in einigen meiner Verhaltensmuster meinen Vater wieder zu erkennen. Mein Vater lebt – bewusst oder unbewusst – in meinem Alltag mit und weiter.
Monika Schlaucher, Tochter
Bei der Markustag-Bittprozession zum Retzer Setzberg-Kreuz bezeichnete unser Stadtpfarrer kürzlich Markus als Wegbegleiter von Petrus. Als Wegbegleiter sehe ich mich auch bei meinen erwachsenen Kindern und deren Familien. Früher war ich (mit meiner Frau) als Wegbereiter unserer Kinder bemüht, diesen in allen Lebensbereichen, auch im Religiösen, Wege vorzuzeigen und (mehr oder weniger erfolgreich) auch vorzuleben.
Schön und erfüllend für uns „alte Eltern“ ist, dass manche der vorgezeigten Wege auch begangen werden, dass alle Kinder gerne „heim“ kommen und dass die Wegbegleitung positiv gesehen und angenommen wird.
Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 15 der aktuellen Ausgabe von „Der
Sonntag“ Nr. 25 vom 21. 5. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).
(red)