Als Vater gefordert: Gemeinsam in Afrika © kathbild.at_rupprecht

In unserer Väter-Serie: Vater Franz Ferstl und Sohn Florian.

© privat

Nach über 30 Jahren Ehe mit meiner Frau bin ich stolz auf meine Familie und dankbar für unsere zwei  Töchter (27 und 20) und zwei Söhne (29 und 22).

Kinder sind uns nur für eine kurze Zeit anvertraut, und ich danke meiner Frau, dass sie ihre berufliche Laufbahn für 15 Jahre unterbrochen hat und in dieser Zeit ganz für unsere Kinder und für die Pfarre (wir lebten in der Zeit im Pfarrhof einer priesterlosen Pfarrgemeinde) da zu sein bereit war.

Meine spezielle Aufgabe als Vater sehe ich darin, die Kinder ”welt- und zukunftsfähig“ zu machen: Sie die Weite und Schönheit der Welt einatmen zu lassen und sie für die schöpferische Mitgestaltung der Welt zu begeistern. Sie aus der Geborgenheit der Familie heraus zu begleiten und sie in den großen Freiraum der weiten Welt eintauchen zu lassen.

Es war und ist mir als Vater wichtig, die Kinder zur aktiven Mitgestaltung der Gesellschaft und der globalen Welt zu ermutigen und sie bei ihren eigenen Erfahrungen damit zu unterstützen.

So freute ich mich über den Wunsch unserer ältesten Tochter, nach der Matura ein Jahr lang  in einem Straßenkinderprojekt in Kenia mitzuarbeiten. Diese Entscheidung konnte ich als Vater nur positiv begrüßen.

Ermutigt durch ihre positiven Erfahrungen und bedingt durch meine berufliche Tätigkeit für die Weltkirche lud ich im Vorjahr unseren jüngeren Sohn ein, mit mir einen Monat lang an einem Kirchenbauprojekt in Sambia/Afrika teilzunehmen.

Dabei konnte er seine vielfältigen Talente im Umgang mit Kindern voll zur Entfaltung bringen und ich meine handwerklichen Fertigkeiten unter Beweis stellen. Für einen Monat gemeinsam in einem kleinen Gästezimmer zu wohnen und die täglich neuen Eindrücke zu besprechen, die das Leben und Arbeiten in einer fremden Kultur und Lebenswelt bedeuten, war eine Chance für uns beide, einander noch besser kennen und verstehen zu lernen. Freuden und Ängste miteinander zu teilen und die Begegnungen mit den bis dahin fremden Menschen gemeinsam zu reflektieren, war ein Geschenk für uns beide. So konnte ich meinen Sohn an meiner beruflichen Tätigkeit teilhaben lassen und mich auch in seine Situation als junger Mensch hineindenken.

Was Florian, 22, sagt

Das ”Hineinschmecken“ in die Lebens- und Berufswelt des Vaters ist nicht durch Bürobesuche abzudecken.

Durch das Studium leben junge Menschen in einer ganz eigenen Welt, die Erwachsene nicht verstehen.

So wird auch die zukünftige Arbeitswelt ganz anders aussehen als die der Väter. Es ist wichtig, als junger Mensch jetzt schon eigene Erfahrungen in anderen Ländern, Kulturen und Religionen zu machen. Es ist im Heranreifen wichtig, durch die Eltern Sinn und Werte zu erleben, die nicht nur zum Überleben anleiten, sondern die Kräfte mobilisieren, um die Welt und Zukunft schöpferisch mitgestalten zu können.

Dankbar für die heutigen Möglichkeiten, die vielfältigen Möglichkeiten des Mitlebens und Mitgestaltens, kann im Miteinander der Generationen ein wichtiger Grundstein für Morgen gelegt werden.      




Diakon Franz Ferstl leitet das ”Referat für Mission und Entwicklung“ der Erzdiözese Wien.






Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 15 der aktuellen Ausgabe von "Der Sonntag" Nr. 19 vom 10. 5. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).

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