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Nach über 30 Jahren Ehe mit meiner Frau bin ich stolz auf meine Familie und
dankbar für unsere zwei Töchter (27 und 20) und zwei Söhne (29 und
22).
Kinder sind uns nur für eine kurze Zeit anvertraut, und ich danke meiner
Frau, dass sie ihre berufliche Laufbahn für 15 Jahre unterbrochen hat und in
dieser Zeit ganz für unsere Kinder und für die Pfarre (wir lebten in der
Zeit im Pfarrhof einer priesterlosen Pfarrgemeinde) da zu sein bereit
war.
Meine spezielle Aufgabe als Vater sehe ich darin, die Kinder ”welt- und
zukunftsfähig“ zu machen: Sie die Weite und Schönheit der Welt einatmen zu
lassen und sie für die schöpferische Mitgestaltung der Welt zu begeistern.
Sie aus der Geborgenheit der Familie heraus zu begleiten und sie in den
großen Freiraum der weiten Welt eintauchen zu lassen.
Es war und ist mir als Vater wichtig, die Kinder zur aktiven Mitgestaltung
der Gesellschaft und der globalen Welt zu ermutigen und sie bei ihren
eigenen Erfahrungen damit zu unterstützen.
So freute ich mich über den Wunsch unserer ältesten Tochter, nach der Matura
ein Jahr lang in einem Straßenkinderprojekt in Kenia mitzuarbeiten.
Diese Entscheidung konnte ich als Vater nur positiv begrüßen.
Ermutigt durch ihre positiven Erfahrungen und bedingt durch meine berufliche
Tätigkeit für die Weltkirche lud ich im Vorjahr unseren jüngeren Sohn ein,
mit mir einen Monat lang an einem Kirchenbauprojekt in Sambia/Afrika
teilzunehmen.
Dabei konnte er seine vielfältigen Talente im Umgang mit Kindern voll zur
Entfaltung bringen und ich meine handwerklichen Fertigkeiten unter Beweis
stellen. Für einen Monat gemeinsam in einem kleinen Gästezimmer zu wohnen
und die täglich neuen Eindrücke zu besprechen, die das Leben und Arbeiten in
einer fremden Kultur und Lebenswelt bedeuten, war eine Chance für uns beide,
einander noch besser kennen und verstehen zu lernen. Freuden und Ängste
miteinander zu teilen und die Begegnungen mit den bis dahin fremden Menschen
gemeinsam zu reflektieren, war ein Geschenk für uns beide. So konnte ich
meinen Sohn an meiner beruflichen Tätigkeit teilhaben lassen und mich auch
in seine Situation als junger Mensch hineindenken.
Das ”Hineinschmecken“ in die Lebens- und Berufswelt des Vaters ist nicht
durch Bürobesuche abzudecken.
Durch das Studium leben junge Menschen in einer ganz eigenen Welt, die
Erwachsene nicht verstehen.
So wird auch die zukünftige Arbeitswelt ganz anders aussehen als die der
Väter. Es ist wichtig, als junger Mensch jetzt schon eigene Erfahrungen in
anderen Ländern, Kulturen und Religionen zu machen. Es ist im Heranreifen
wichtig, durch die Eltern Sinn und Werte zu erleben, die nicht nur zum
Überleben anleiten, sondern die Kräfte mobilisieren, um die Welt und Zukunft
schöpferisch mitgestalten zu können.
Dankbar für die heutigen Möglichkeiten, die vielfältigen Möglichkeiten des
Mitlebens und Mitgestaltens, kann im Miteinander der Generationen ein
wichtiger Grundstein für Morgen gelegt
werden.
Diakon Franz Ferstl leitet das ”Referat für Mission und Entwicklung“
der Erzdiözese Wien.
Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 15 der aktuellen Ausgabe von "Der
Sonntag" Nr. 19 vom 10. 5. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).