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”Arbeiten, am Computer arbeiten ( = Zuhause), schlafen“ – diese
spontanen Antworten meiner achtjährigen Tochter Tabea auf meine Frage, was
ich gut kann, haben mich einigermaßen irritiert. ”Was, so schlimm ist es?“
Natürlich haben wir dann gemeinsam sehr schnell Fähigkeiten gefunden, die
meiner Tochter mehr entsprechen:
Gute-Nacht-Geschichte-Erzählen, jedes Mal neu erfunden – eine
Geschichte, die nur für Tabea erzählt wird, die man aus keinem Buch
vorgelesen bekommen kann; Toben und Späße machen usw. Tabea sagte dann
sogar: ”Wenn du da bist, bist du der beste Papa der Welt.“ Ich regte dann
eine kleine Einschränkung an: ”... außer, wenn du streng bist.“
Rückblende auf das Jahr 1987: Unser ältester Sohn Benjamin ist ein halbes
Jahr alt. Meine Frau und ich studieren. Ich habe eine
20-Stunden-Assistentenstelle. Außer dem Stillen kümmere ich mich im selben
Umfang wie meine Frau um Haushalt und Kind. Auch als 1 ½ Jahre später unser
zweiter Sohn Elias zur Welt kommt, kann ich es so einrichten, dass meine
Frau ”trotz der zwei Kinder“ ihr Studium abschließen kann.
Berufliche Herausforderungen und Notwendigkeiten haben also massiven
Einfluss auf die Gestaltung der Vaterrolle. Schon die Tatsache, dass ich
bald nach der Geburt von Elias eine volle Beschäftigung angenommen habe, war
ein massiver Einschnitt: viel weniger Alltag mit den Kindern. Die einzige
Chance ist: die wenige gemeinsame Zeit intensiv nützen. Sich herausfordern
lassen und herausfordern. Das Gegenteil von nebeneinanderher.
Ankommen muss: Ich bin zwar nicht immer da, aber im ”Notfall“, wenn du mich
wirklich brauchst, kannst du dich auf mich verlassen.
Ich bin auch der Überzeugung, dass es Kindern gut tut, wenn Eltern sich
nicht ständig einmischen und ihnen Freiraum und Möglichkeit zur Entfaltung
geben. Angesichts meiner beiden erwachsenen Söhne sage ich manchmal
scherzhaft: ”Vielleicht sind sie so ‚wohlgeraten‘, weil ich so wenig da
war.“
Erhard Lesacher
”Mit meinen mittlerweile 21 Jahren habe ich jetzt ausreichend Abstand, um
behaupten zu können, dass meine Erziehung eine sehr positive war.
Meine Eltern haben es geschafft, mich zu einem interessierten und kritischen
Menschen zu erziehen und das, obwohl beide fast immer voll berufstätig
waren. In einer zukünftigen Vaterrolle fände ich es auch für meine
persönliche Entwicklung wichtig, sich die Erziehungsarbeit gerecht
aufzuteilen und dadurch auch ein ausgewogeneres und gerechteres Verhältnis
zwischen den Geschlechtern herzustellen.“
Mag. Erhard Lesacher
ist Leiter der ”Theologischen Kurse“ in Wien.
Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 15 der aktuellen Ausgabe von "Der
Sonntag" Nr. 08 vom 22. 2. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).