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Selma ist 13, Corbinian fast 16. Da ist man als Vater in der Öffentlichkeit
oft nur peinlich. Aber man wird gebraucht als Taxifahrer zu
Basketballmatches oder als Abholer, wenn die letzte U-Bahn weg ist, oder es
zu kalt ist für die Öffis.
Gemeinsames wird seltener und dadurch wertvoller. Wie der gemeinsame
Sonntag mit Messe, Kochen und Essen. Da ist die ganze Familie beteiligt und
verbringt eine gute Zeit. Im Vaterherzen gespeichert für dürre Zeiten
bleiben Highligts des Vaterseins.
Das ist zum Beispiel eine gemeinsame Reise nach Lourdes mit Selma, wenn sie
an meiner Seite stehend nach den Gottesdiensten Fragen zu den vielen
Menschen stellt, oder wir uns über die Wirksamkeit von Lourdeswasser
unterhalten. Da entstehen dann tiefe religiöse Gespräche. Auch beim Shoppen
in den Souvenierläden bieten die vielen Sachen Gelegenheiten für Gespräche
über Anbetung, Rosenkranzgebet und Volksfrömmigkeit.
Anders bei Corbinian. Da wurde vor kurzem der Einkauf des ersten Ballhemdes
und die Übergabe des mir zu eng gewordenen Smokings zum Vater-Sohn-Erlebnis.
Ein besonderes Ereignis ist dieser erste Ball dann auch für mich als Vater,
wenn das Jungherren- und Jungdamenkommitee zur ”Einführung in die Wiener
Gesellschaft“ einzeln namentlich vorgestellt wird. Diese Erlebnisse
gestalten die Beziehung tragfähig für die anderen Zeiten, in denen ich als
”Nachhilfelehrer“ die Mühen des Vokabel- und Grammatiklernens mit Corbinian
teile oder mich mit Selma mit den Gesetzen der Physik aus der 4. Klasse AHS
auseinandersetzen darf.
Mein Vatersein ist eine leichte Aufgabe, denn ich bin nicht allein.
Ehrlicherweise sei gesagt, dass Sabine, meine Ehefrau, für die beiden die
erste Ansprechperson im Alltag und in der Schule ist, weil sie früher von
der Arbeit nach Hause kommt. Unsere Beziehung muss belastbar sein und Sorgen
und Freuden müssen geteilt werden. Dank Handy ist dieses Teilen rasch
möglich. Wir können gegenüber den Jugendlichen mit einer Stimme sprechen und
nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Die Kraft zu meinem Vatersein kommt aus der Liebe zwischen meiner Frau und
mir. Unsere Stimmungen sowie die Gestaltung der Beziehung, wie wir mit
Schwierigkeiten umgehen, und wie wir uns freuen können an kleinen Erfolgen,
merken die Kinder. Da sind wir ihnen ein prägendes Vorbild. In allem unserem
Tun und Sein wissen wir uns getragen und behütet von einem liebenden und
barmherzigen Gott. Und aus diesen beiden Grundhaltungen mögen sie auch ihren
Umgang mit uns und mit ihren Freunden immer gestalten.
Martin Wiesauer
Der Ball war für mich ein großes Ereignis – zusammen mit 150 anderen Paaren
vorgestellt zu werden mit dem neuen Hemd und Smoking vom Vater.
Sehr schön finde ich auch, dass wir vor 4 Jahren zusammen den ”Open Water
Diver“-Kurs gemacht haben. Mit dem Tauchkurs verbinde ich viele schöne
Erinnerungen und Erfahrungen, die mich sehr geprägt haben und von denen ich
auch heute noch profitiere.
Ich hoffe, es geht sich diesen Sommer wieder aus, mit meinem Vater Tauchen
zu gehen.
Mag. Martin Wiesauer ist Geschäftsführer der ”Kategorialen Seelsorge“
der Erzdiözese Wien.
Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 15 der aktuellen Ausgabe von "Der
Sonntag" Nr. 07 vom 15. 2. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).