Als Vater gefordert: Nicht nur peinlich © kathbild.at_rupprecht

In unserer Väter-Serie: Mag. Martin Wiesauer, Vater von zwei größeren Kindern.

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Corbinian, Martin und Selma Wiesauer.

Selma ist 13, Corbinian fast 16. Da ist man als Vater in der Öffentlichkeit oft nur peinlich. Aber man wird gebraucht als Taxifahrer zu Basketballmatches oder als Abholer, wenn die letzte U-Bahn weg ist, oder es zu kalt ist für die Öffis. 

Gemeinsames wird seltener und dadurch wertvoller. Wie der gemeinsame Sonntag mit Messe, Kochen und Essen. Da ist die ganze Familie beteiligt und verbringt eine gute Zeit. Im Vaterherzen gespeichert für dürre Zeiten bleiben Highligts  des Vaterseins.

Das ist zum Beispiel eine gemeinsame Reise nach Lourdes mit Selma, wenn sie an meiner Seite stehend nach den Gottesdiensten Fragen zu den vielen Menschen stellt, oder wir uns über die Wirksamkeit von Lourdeswasser unterhalten. Da entstehen dann tiefe religiöse Gespräche. Auch beim Shoppen in den Souvenierläden bieten die vielen Sachen Gelegenheiten für Gespräche über Anbetung, Rosenkranzgebet und Volksfrömmigkeit.

Anders bei Corbinian. Da wurde vor kurzem der Einkauf des ersten Ballhemdes und die Übergabe des mir zu eng gewordenen Smokings zum Vater-Sohn-Erlebnis. Ein besonderes Ereignis ist dieser erste Ball dann auch für mich als Vater, wenn das Jungherren- und Jungdamenkommitee zur ”Einführung in die Wiener Gesellschaft“ einzeln namentlich vorgestellt wird. Diese Erlebnisse gestalten die Beziehung tragfähig für die anderen Zeiten, in denen ich als ”Nachhilfelehrer“ die Mühen des Vokabel- und Grammatiklernens mit Corbinian teile oder mich mit Selma mit den Gesetzen der Physik aus der 4. Klasse AHS auseinandersetzen darf.

Mein Vatersein ist eine leichte Aufgabe, denn ich bin nicht allein. Ehrlicherweise sei gesagt, dass Sabine, meine Ehefrau, für die beiden die erste Ansprechperson im Alltag und in der Schule ist, weil sie früher von der Arbeit nach Hause kommt. Unsere Beziehung muss belastbar sein und Sorgen und Freuden müssen geteilt werden. Dank Handy ist dieses Teilen rasch möglich. Wir können gegenüber den Jugendlichen mit einer Stimme sprechen und nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Die Kraft zu meinem Vatersein kommt aus der Liebe zwischen meiner Frau und mir. Unsere Stimmungen sowie die Gestaltung der Beziehung, wie wir mit Schwierigkeiten umgehen, und wie wir uns freuen können an kleinen Erfolgen, merken die Kinder. Da sind wir ihnen ein prägendes Vorbild. In allem unserem Tun und Sein wissen wir uns getragen und behütet von einem liebenden und barmherzigen Gott. Und aus diesen beiden Grundhaltungen mögen sie auch ihren Umgang mit uns und mit ihren Freunden immer gestalten.
    Martin Wiesauer

Was Corbinian sagt

Der Ball war für mich ein großes Ereignis – zusammen mit 150 anderen Paaren vorgestellt zu werden mit dem neuen Hemd und Smoking vom Vater.

Sehr schön finde ich auch, dass wir vor 4 Jahren zusammen den ”Open Water Diver“-Kurs gemacht haben. Mit dem Tauchkurs verbinde ich viele schöne Erinnerungen und Erfahrungen, die mich sehr geprägt haben und von denen ich auch heute noch profitiere.

Ich hoffe, es geht sich diesen Sommer wieder aus, mit meinem Vater Tauchen zu gehen.





Mag. Martin Wiesauer ist Geschäftsführer der ”Kategorialen Seelsorge“ der Erzdiözese Wien.







Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 15 der aktuellen Ausgabe von "Der Sonntag" Nr. 07 vom 15. 2. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).

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