Ausgabe Nr. 06 - 12.02.2012
© Kamillianer


© Privat


|
Als Vater gefordert: Jedem das Seine
Paul Hefelle über die Versuchung, die eigenen Sehnsüchte auf die Kinder zu übertragen.

© hefelle
”Fußball – nein!“ – das zeichnete sich bereits ab, als Constantin drei Jahre alt war (hier mit seinem Vater Paul Hefelle).

”Ballstar wird mein 6-Jähriger Constantin keiner werden. Gestört hätte mich eine derartige Karriere freilich nicht – das musste ich mir selbst mit schlechtem Gewissen eingestehen. Von wegen Väter, die ihre Kindheitsträume nicht ganz verwirklichen können und die eigenen Sehnsüchte auf ihre Kinder übertragen. Jeder kennt das: Der überehrgeizige Vater, der den Sohn mit sanftem Druck zum Ausüben der jeweiligen Sportart  drängt, ganz egal ob dieser Lust und Interesse daran hat. Soweit ist es bei uns Gott Lob nicht gekommen. Obwohl ich das komplette Desinteresse meines Sohnes Constantin an dieser Sportart anfänglich nicht verstehen wollte: Damals, als er drei, vier Jahre alt war.

Fußball! Fußball, Constantin! Die interessanteste Nebensache der Welt – eine Sache, für die sich dein Vater interessiert – seit er denken kann?

Und du findest absolut nichts dran, sondern kletterst lieber auf Bäume und Klettergerüste?
Irgendwann ist die Ver- der Bewunderung gewichen.

Denn der Bub klettert mit seinen sechs Jahren auf Bäume, wie ich es mit acht noch nicht beherrscht habe. Das sorgt für kurzweilige Atemnot bei älteren Beobachtern und Stolz beim Vater. So klettern muss man einmal können, so hoch hinauf muss man sich erst einmal trauen. Dass er dabei bisweilen ein Rapid-Leibchen trägt, gefällt mir zugegebenermaßen – obwohl (oder weil?) ich mir nicht ganz sicher bin, ob der Wunsch nach diesem Kleidungsstück nicht ein bisschen aus dem Bemühen entstand, dem Vater eine Freude zu machen.“   

Paul Hefelle

war Chefredakteur der CV-Zeitschrift Academia und  Pressesprecher bei Nationalratspräsident Andreas Khol und dem 2. Nationalratspräsidenten Michael Spindelegger.

Derzeit steht der zweifache Vater von Constantin, 6, und Victoria, 4, vor beruflichen Veränderungen. Der Politologe ist Absolvent der Katholischen Medien Akademie und Mitglied des Vorstandes der Aktion  Leben Österreich.








Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 15 der aktuellen Ausgabe von "Der Sonntag" Nr. 01 vom 4. 1. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).

01.01.2009

Kurz notiert

Stille statt Internet

Papst Benedikt XVI. hat vor einer Reizüberflutung durch moderne Medien gewarnt und zu einer größeren Wertschätzung der Stille und des Schweigens aufgerufen.

Der Mensch von heute werde insbesondere im Internet von „Antworten auf Fragen bombardiert, die er sich nie gestellt hat, und auf Bedürfnisse, die er nicht empfindet”, heißt es in der am 24. Jänner veröffentlichen päpstlichen Botschaft zum Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel, den die Kirche am 20. Mai feiert.