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”Natürlich sind irgendwann, wenn man es noch nicht wahrhaben will, auch die
kleinen und bisher selbstverständlichen Zärtlichkeiten zu seinem Kind nicht
mehr so gefragt und in der Öffentlichkeit sowieso strikt verboten.
Schließlich werden diese Zeichen der Liebe schon längst ganz anders, nämlich
entmündigend und unzeitgemäß, empfunden.
Wenn die Aufenthalte im Badezimmer immer länger werden, das Kämmen der Haare
auch vor dem Schlafengehen ausführlich gepflogen wird, na ja, soll sein,
aber wenn dann auch die Badezimmertüre grundsätzlich zugesperrt wird,
spätestens dann merkt man, dass das Kind erwachsen wird. Das muss man als
Vater erst einmal akzeptieren – und, wenn’s geht, sogar auch
verstehen.
Dafür ist es dann umso schöner, wenn sich die pubertierende Tochter doch
noch mit dem irgendwie peinlichen Vater vor ihren Freundinnen zeigt und
diesem dabei vielleicht sogar eine Geste der kindlichen Zuneigung schenkt
(”das ist ja fast so wie früher!“). Als altes Gewohnheitstier hat man viel
zu lernen, seine heranwachsenden Kinder auch einmal aus deren Sicht zu
verstehen, ohne sich billig und pseudojugendlich anzubiedern. Aber man wird
dabei durchaus entschädigt: etwa wenn man mit seinem Kind ernsthaft und vor
allem neugierig über die Eigenartigkeiten der Schule oder die Dummheiten der
Politik reden kann.“ Andreas Kresbach
”Wenn Erwachsene von ,erwachsen werden‘ sprechen, fassen sie diesen Begriff
viel zu weit. Wenn man älter wird, werden nur neue Interessen entwickelt und
neue Sachen entdeckt.
Natürlich mag ich es nicht so gerne, wenn z. B. meine Eltern meinen
Spitznamen in aller Öffentlichkeit nennen oder vor allen Leuten eine
lächerliche oder unpassende Antwort auf eine Frage geben. Was ich auch noch
nervig finde, wenn sie genau so ein Thema ansprechen.
Sie tun oft so, als wäre unser Verhalten so anders als vor einigen Jahren.
Viel hat sich jedoch nicht geändert, wir geben vielleicht andere Antworten
als früher, sehen die Sachen auch anders als früher und in unserem Zeitplan
steht nicht mehr ,Spielen im Park‘. Trotzdem meine ich, dass die Gedanken
meiner und aller Eltern über das angeblich schnelle Erwachsenwerden ihrer
Kinder schneller sind, als sie sich daran gewöhnen können.
Chiara Kresbach, 13,
3. Klasse Gymnasium
Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 15 der aktuellen Ausgabe von "Der
Sonntag" Nr. Nr. 49 vom 7. 12. 2008 (erhältlich in Ihrer
Kirche).