Ausgabe Nr. 20 - 20.05.2012
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Die "Sonntag"-Familie: ”Keine Zeit mehr“
Die „Sonntag“-Familie und holt Rat bei Fachleuten.
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”Dicke Luft“, knurrte Lena, als sie das Gesicht ihres Vaters sah. Die 15-jährige spürte sofort und instinktiv, dass irgendetwas nicht stimmte. Was war passiert?

Vater Max war wieder einmal frustriert. In solchen Situationen war er anfangs eher wortkarg, bis es dann plötzlich aus ihm herausbrach. ”Ihr habt gar keine Zeit mehr“, klagt er plötzlich vorwurfsvoll. Lena und David sahen einander irritiert an. ”Ja, meine Kritik gilt euch beiden“, sagt Max. ”Entweder seid ihr nicht zu Hause, und wenn ihr dann doch zu Hause seid, seid ihr unauffindbar und unansprechbar. Und das mitten in den Ferien.“ ”Aber wir sind doch da, wenn du etwas von uns willst“, sagte Lena bockig. ”Unser Lukas hat es gut“, sagt sie zu David: ”Der ist jetzt schon in der Wüste Algeriens und muss sich das alles nicht anhören.“

”Nie“ zu Hause

”Max und ich waren es halt gewohnt, dass ihr immer da seid“, mischt sich Mutter Mariann in das Gespräch ein: ”Aber jetzt bist du manchmal abends fort und David wird auch immer wieder von seinen Freunden eingeladen und übernachtet auswärts. Und wenn es etwas zu besprechen gibt, dann fehlt immer irgendwer.“

”Es geht eigentlich um ganz praktische Dinge“, erklärt Max: ”Ihr müsst uns auch verstehen. Wir haben für Mitte August noch ein paar Tage Urlaub geplant, wollten aber nicht ohne euch entscheiden, an welchen See wir fahren. Soll es der Wörthersee sein oder der Ossiacher See oder der Klopeiner See? Gestern abends hätten wir euch beide gerne dazu befragt.“

”So ein Theater“

”Na super – und weil wir in diesem Augenblick gerade nicht da sind, gleich so ein Theater!“, wehrt sich Lena. ”Von Theater ist hier keine Rede, und wenn ihr kein Interesse habt, ist der Urlaub gestrichen“, grollt Max. ”Das ist typisch, nur weil wir gestern nicht zu Hause waren, streichst du einen Urlaub, von dem wir noch gar nichts gewusst haben!“, sagt Lena.

”Tun, was wir wollen“
”Der Kurz-Urlaub ist nur ein Beispiel von vielen“, verteidigt sich Max: ”Ihr seid einfach immer weniger zu Hause. Irgendwie paradox: Ihr habt jetzt Ferien und seid weniger da als sonst. Unglaublich“, ereiferte er sich in der Hitze des Gefechts wieder.

”Eben deshalb haben wir ja Zeit zu tun, was wir wollen“, sagt Lena – Max ist endgültig eingeschnappt.




Wieviel Zeit dürfen Eltern einfordern? Dazu Psychotherapeutin Dr. Brigitte Ettl

Max leidet: Das Familiennest, in das er gemeinsam mit Mariann viele Jahre lang Kraft und vor allem auch Zeit investiert hat, wird leer.

Die Sommerferien machen ihm diese Entwicklung besonders schmerzlich bewusst. Die beiden ”Kleinen“ – so wie er sie in seinem Herzen immer noch sieht – haben jetzt keine schulischen Verpflichtungen, weder Unterricht noch Hausübungen. Trotzdem sind sie nicht da, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt.

Seine Vorfreude auf einen entspannten Abend mit der Familie wird enttäuscht. Und die Organisation gemeinsamer Aktivitäten wird schwieriger. Es ist jetzt an der Zeit, neue Spielregeln aufzustellen. Es geht nicht um Verbote – Mariann und Max sind froh, dass Lena und David sich mit ihren Freunden gut verstehen.

Es geht um eine ausgewogene Balance zwischen zuhause und unterwegs sein, zwischen Familienzeit und FreundInnen-Zeit. Familie gelingt nicht von selbst, neben etlichen anderen ”Zutaten“ braucht es gemeinsame Zeit für Aktivitäten und auch deren Planung.

Sicherlich haben Lena und David nichts gegen solche ”Elternabende“, sie können ja auch mit einem Eis versüßt werden. Doch es ist notwendig, diese Zeiten im Vorhinein gemeinsam festzulegen. So können dann auch Lena und David ihre ”Outdoor-Termine“ planen.

Und Max weiß, wann er sich auf seine Kinder freuen kann – und wann er einen schönen Abend mit Mariann alleine verbringen kann.



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Dr. jur. Brigitte Ettl
hat am Wiener Schwedenplatz eine Praxis für Psychotherapie, Wirtschaftscoaching und Mediation: Tel: 0676/431 40 74, www.brigitte-ettl.at











Diesen Bericht von Stefan Kronthaler lesen Sie auf Seite VIII der aktuellen Ausgabe von "Der Sonntag" Nr. 31 vom 2. 8. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).

31.07.2009