 Loisi, Rosi und Maria Jägerstätter mit den Osterkörbchen, April 1943
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“Herzallerliebste Gattin“, schreibt Franz Jägerstätter am 23. Juni 1940 an
seine Frau Franziska: “Also nur wieder Mut, liebe Fani, und vertiefe dich
nicht zu sehr in die Arbeit und weltliche Sorgen, lasst nur stehen, was
nicht leicht geht, denn deine erste Sorge muss unsern Kindern gelten, und
beides, die Kinder und die Wirtschaft, könntest du ja doch nicht für die
Dauer bewältigen. Darum bevorzuge die Kinder, denn sie müssen dir und mir
mehr gelten als die Wirtschaft.
Es grüßt und küsst dich und die Kleinen herzlich dein um dich besorgter
Gatte Franz.“
Mitte Oktober schreibt Franziska: “Vielgeliebter Mann! ... Dienstag ist der
Tag der Schutzengel, den soll man besonders ehren.
Werde recht innig auch für dich beten und auch für die Kinder, denn die
werden immer schlimmer; besonders beim Essen geht es manchmal hübsch lustig
zu. Die Dirn muss dann die ganze Zeit lachen.“ Und knapp vor dem
Todesurteil: “Auch viele Grüße von deinen Kindern und sehr viele Busserl
hätten sie schon beisammen, die schicken sie dir in diesem Brieflein.“
Am 9. August 1943, an seinem Todestag, schrieb Franz Jägerstätter: “Grüßet
mir auch noch herzlich meine lieben Kinder, ich werde den lieben Gott schon
bitten, wenn ich bald in den Himmel kommen darf, auch für euch alle ein
Plätzchen anzuschaffen.“
Jägerstätters älteste Tochter Hildegard über ihren VaterFranz Jägerstätter hatte eine voreheliche Tochter, die 1933 geboren wurde.
Erna Putz fragte sie zur Seligsprechung.
“Die Seligsprechung ist vielleicht ein Abschluss, dass er dann Ruhe findet.
Wenn ich an die Vergangenheit denke, erinnere ich mich daran, wie er mich
vom Kindergarten abgeholt hat. Oder wie ich beim Kirtag bei ihnen draußen in
St. Radegund war, das ist eine schöne Erinnerung: Mein Vater ist mit mir
durch den Obstgarten gegangen, sie haben so schöne
rote Äpfel gehabt, von denen hat er mir immer welche geschickt. Er hat mir
auch den Wald gezeigt, wo es gerade Probleme gab. Ich weiß noch gut, wie er
das letzte Mal hier herinnen in Bürmoos war, er kam mit dem Fahrrad. Meine
Mutter hat mich gerufen, ich hab ihr nicht geglaubt, dass der Vater da sei,
weil ich kein Motorrad gesehen hab. Da hat er schon vorgehabt, dass er nicht
mehr einrückt; er hat mich ermahnt, brav zu sein.
An dem Tag, an dem er hingerichtet wurde, war ich bei meiner Tante in Wien
und habe das im Radio gehört; ich konnte nichts mehr essen und habe mich
eingesperrt und geweint.“
BUCHTIPP
Putz Erna:
Franz Jägerstätter – Sein Briefwechsel mit Gattin
Franziska
Aufzeichnungen aus dem Gefängnis,
ISBN: 978-3-222-13232-2,
Hardcover, Schutzumschlag,
280 Seiten, viele SW-Fotos,
Euro 24,90.
Quergedacht
Erschrocken
“Papst Benedikt hat das Dekret über die Seligsprechung Franz Jägerstätters
unterzeichnet“. Nicht Freude, sondern Erschrecken war meine erste
Reaktion.
Der Innviertler Bauer und Mesner sah es als persönliche Schuld und Sünde
an, zu kämpfen, damit Hitler die ganze Welt beherrschen könne. Die
Verantwortung für sein Tun konnte er nicht ab- oder hinaufschieben. Sein von
der Bibel geprägter Glaube war ihm gleichermaßen Orientierungshilfe und
Kraftquelle.
Wegen Wehrkraftzersetzung wurde Franz Jägerstätter zum Tod verurteilt und
am 9. August1943 in Brandenburg enthauptet. Auf drakonische Weise unterband
das Dritte Reich, dass sich Bedenken hinsichtlich der Gerechtigkeit des
Krieges oder auch Gedanken, die die Bibelfrömmigkeit und das Soldatsein in
der Deutschen Wehrmacht gegenüberstellten, ausbreiten konnten.
Die kirchliche Seligsprechung am 26. Oktober im Linzer Dom ist die
Anerkennung einer Person als Vorbild christlichen Lebens: Der Weg, den der
Kandidat gewählt hat, führt in die Vollendung bei Gott.
Ein “seliger“ Franz lässt mich allerdings erschrecken.
Einsatz für Gerechtigkeit ist nicht eine Zusatzleistung für mich als
Christin. Das kirchlich bestätigte Vorbild Franz Jägerstätter sagt vielmehr,
dass großem Unrecht nur mit entsprechend großem Einsatz für Gerechtigkeit
begegnet werden kann. Zu Jesus in seiner Herrlichkeit kommt der, der auch im
angeblichen Feind den Bruder sieht und der, der den Becher Wasser, das Stück
Brot und den zweiten Mantel gegeben hat.
Mag. Theol., Dr. phil. Erna Putz schrieb nicht nur die Biographie
über Franz Jägerstätter, der von herausgegebene Briefwechsel Jägerstätters
mit seiner Frau Franziska kam diese Woche heraus (siehe Buchtipp
oben).
Diesen Bericht von Gabriele Neuwirth lesen Sie in der Sonderbeilage der
aktuellen Ausgabe des „Sonntag" Nr. 43 vom 28. Oktober (erhältlich u.a. in ihrer Pfarre).
25.10.2007 |