Ausgabe Nr. 20 - 20.05.2012
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Der Vater Franz Jägerstätter: „Vielgeliebt“
Franz Jägerstätter war seiner Frau und seinen Kindern innig zugetan. Das bezeugt der Briefwechsel mit Franziska, der diese Woche in Buchform erschien. Der “Sonntag“ zitiert.

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Loisi, Rosi und Maria Jägerstätter mit den Osterkörbchen, April 1943

“Herzallerliebste Gattin“, schreibt Franz Jägerstätter am 23. Juni 1940 an seine Frau Franziska: “Also nur wieder Mut, liebe Fani, und vertiefe dich nicht zu sehr in die Arbeit und weltliche Sorgen, lasst nur stehen, was nicht leicht geht, denn deine erste Sorge muss unsern Kindern gelten, und beides, die Kinder und die Wirtschaft, könntest du ja doch nicht für die Dauer bewältigen. Darum bevorzuge die Kinder, denn sie müssen dir und mir mehr gelten als die Wirtschaft.

Es grüßt und küsst dich und die Kleinen herzlich dein um dich besorgter Gatte Franz.“
Mitte Oktober schreibt Franziska: “Vielgeliebter Mann! ... Dienstag ist der Tag der Schutzengel, den soll man besonders ehren.  

Werde recht innig auch für dich beten und auch für die Kinder, denn die werden immer schlimmer; besonders beim Essen geht es manchmal hübsch lustig zu. Die Dirn muss dann die ganze Zeit lachen.“ Und knapp vor dem Todesurteil: “Auch viele Grüße von deinen Kindern und sehr viele Busserl hätten sie schon beisammen, die schicken sie dir in diesem Brieflein.“

Am 9. August 1943, an seinem Todestag, schrieb Franz Jägerstätter: “Grüßet mir auch noch herzlich meine lieben Kinder, ich werde den lieben Gott schon bitten, wenn ich bald in den Himmel kommen darf, auch für euch alle ein Plätzchen anzuschaffen.“

Jägerstätters älteste Tochter Hildegard über ihren Vater

Franz Jägerstätter hatte eine voreheliche Tochter, die 1933 geboren wurde. Erna Putz fragte sie zur Seligsprechung.
 
“Die Seligsprechung ist vielleicht ein Abschluss, dass er dann Ruhe findet. Wenn ich an die Vergangenheit denke, erinnere ich mich daran, wie er mich vom Kindergarten abgeholt hat. Oder wie ich beim Kirtag bei ihnen draußen in St. Radegund war, das ist eine schöne Erinnerung: Mein Vater ist mit mir durch den Obstgarten gegangen, sie haben so schöne
rote Äpfel gehabt, von denen hat er mir immer welche geschickt. Er hat mir auch den Wald gezeigt, wo es gerade Probleme gab. Ich weiß noch gut, wie er das letzte Mal hier herinnen in Bürmoos war, er kam mit dem Fahrrad. Meine Mutter hat mich gerufen, ich hab ihr nicht geglaubt, dass der Vater da sei, weil ich kein Motorrad gesehen hab. Da hat er schon vorgehabt, dass er nicht mehr einrückt; er hat mich ermahnt, brav zu sein.

An dem Tag, an dem er hingerichtet wurde, war ich bei meiner Tante in Wien und habe das im Radio gehört; ich konnte nichts mehr essen und habe mich eingesperrt und geweint.“


BUCHTIPP

© styria verlag

Putz Erna:
Franz Jägerstätter – Sein Briefwechsel mit Gattin Franziska
Aufzeichnungen aus dem Gefängnis,

ISBN: 978-3-222-13232-2,
Hardcover, Schutzumschlag,
280 Seiten, viele SW-Fotos,
Euro 24,90.

Quergedacht

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Erna Putz

Erschrocken

“Papst Benedikt hat das Dekret über die Seligsprechung Franz Jägerstätters unterzeichnet“. Nicht Freude, sondern Erschrecken war meine erste Reaktion.
Der Innviertler Bauer und Mesner sah es als persönliche Schuld und Sünde an, zu kämpfen, damit Hitler die ganze Welt beherrschen könne. Die Verantwortung für sein Tun konnte er nicht ab- oder hinaufschieben. Sein von der Bibel geprägter Glaube war ihm gleichermaßen Orientierungshilfe und Kraftquelle.
 
Wegen Wehrkraftzersetzung wurde Franz Jägerstätter zum Tod verurteilt und am 9. August1943 in Brandenburg enthauptet. Auf drakonische Weise unterband das Dritte Reich, dass sich Bedenken hinsichtlich der Gerechtigkeit des Krieges oder auch Gedanken, die die Bibelfrömmigkeit und das Soldatsein in der Deutschen Wehrmacht gegenüberstellten, ausbreiten konnten.

Die kirchliche Seligsprechung am 26. Oktober im Linzer Dom ist die Anerkennung einer Person als Vorbild christlichen Lebens: Der Weg, den der Kandidat gewählt hat, führt in die Vollendung bei Gott.
Ein “seliger“ Franz lässt mich allerdings erschrecken.

Einsatz für Gerechtigkeit ist nicht eine Zusatzleistung für mich als Christin. Das kirchlich bestätigte Vorbild Franz Jägerstätter sagt vielmehr, dass großem Unrecht nur mit entsprechend großem Einsatz für Gerechtigkeit begegnet werden kann. Zu Jesus in seiner Herrlichkeit kommt der, der auch im angeblichen Feind den Bruder sieht und der, der den Becher Wasser, das Stück Brot und den zweiten Mantel gegeben hat.


Mag. Theol., Dr. phil. Erna Putz schrieb nicht nur die Biographie über Franz Jägerstätter, der von herausgegebene Briefwechsel Jägerstätters mit seiner Frau Franziska kam diese Woche heraus (siehe Buchtipp oben). 







Diesen Bericht von Gabriele Neuwirth lesen Sie in der Sonderbeilage der aktuellen Ausgabe des „Sonntag" Nr. 43 vom 28. Oktober (erhältlich u.a. in ihrer Pfarre).


25.10.2007