 Die ganze Schöpfung soll von der ”Sklaverei des Vergänglichen“ befreit werden.
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Kann der Glaube überhaupt sinnlos sein? Ja, für den Apostel Paulus schon,
und zwar dann, wenn Christus nicht wirklich von den Toten auferweckt worden
ist (so 1 Kor 15,17). Der Glaube an die Annahme des Lebens und Leidens Jesu
durch Gott, indem dieser ihm ein ewiges Leben in himmlischer Herrlichkeit
schenkt, gehört zu den unaufgebbaren Säulen christlicher Existenz. ”Wenn du
mit deinem Mund bekennst ‚Jesus Christus ist der Herr’ und in deinem Herzen
glaubst ‚Gott hat ihn von den Toten auferweckt’, so wirst du gerettet
werden“, schreibt der Apostel im Römerbrief (10,9).
Die Glaubwürdigkeit der Auferstehung Jesu hängt für Paulus nicht an den
Erzählungen vom leeren Grab (ob Paulus diese überhaupt kannte?), sondern an
den Erscheinungen des Auferstandenen vor zahlreichen glaubwürdigen Zeugen,
zu denen er schließlich auch sich selbst zählt (1 Kor 15,8). Das formelhafte
Glaubenszeugnis von Jesu Tod und Auferstehung übernimmt er bereits von
denen, die sich schon vor ihm zu Christus bekannt haben (1 Kor
15,3-5).
Wie soll der Mensch weiterleben?
Jesu Auferweckung ist auch die Grundlage für unseren Glauben an ein Leben
nach dem Tod (vgl. 1 Kor 15,20-22). Doch in Korinth konnte man sich nicht
vorstellen, wie der Mensch weiterleben solle, wenn sein Körper
offensichtlich im Grab verfault. Mit Vergleichen aus der Natur legt Paulus
dar, dass der von Gott auferweckte Leib eben ein anderer sei als der
irdische. Der erlöste Mensch bleibt zwar als Einheit von Geist und Leib
erhalten, aber es handelt sich um eine verwandelte und verherrlichte
Existenz bei Gott (vgl. 1 Kor 15,35-50).
Unterschiedlich sind die Aussagen des Paulus über den Beginn des neuen
Lebens. Einerseits schreibt er im Philipperbrief: ”Ich sehne mich danach,
aufzubrechen und bei Christus zu sein“ (Phil 1,23). Das klingt so, als würde
er mit seiner Auferstehung in der Stunde seines Todes rechnen. Andererseits
stellt er sich im ersten Brief an die Gemeinde von Thessalonike die
Auferstehung der Toten erst bei der Wiederkunft Christi vor: ”Der Herr
selbst wird vom Himmel herabkommen, … Zuerst werden die in Christus
Verstorbenen auferstehen; dann werden wir, die Lebenden, … zugleich mit
ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt, dem Herrn entgegen“ (1 Thess
4,16f).
Unbeschreibliches in Worten
An einer anderen Stelle des gleichen Schreibens kommen übrigens die
verstorbenen Christen bereits gemeinsam mit dem wiederkehrenden Jesus auf
die Erde (3,13). Die Unterschiedlichkeit in den Aussagen und auch in der
”Beschreibung“ der Wiederkunft Christi zeigt uns, dass es sich hier um
Bilder handelt, die letztlich unbeholfen versuchen, das eigentlich
Unbeschreibliche in Worte zu fassen.
Schließlich ist in einer Zeit wachsenden Umweltbewusstseins ein weiterer
Aspekt der paulinischen Sicht vom ewigen Leben bedeutsam: Nicht nur wir
Menschen sind zur Herrlichkeit bei Gott berufen, sondern die ganze Schöpfung
Gottes soll miterlöst und an der Ewigkeit bei Gott Anteil erhalten: ”Die
Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen,
sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr
Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit (im
griechischen Original wörtlich: ”von der Sklaverei der Vergänglichkeit“)
befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,20f).
Nicht nur der Mensch, sondern die ganze Schöpfung ist es wert, von Gott
verewigt zu werden.
Dr. Roland Schwarz
Dr. Roland Schwarz
ist Leiter des Referates Bibelpastoral in der Erzdiözese Wien.
Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 9 der aktuellen Ausgabe von "Der Sonntag"
Nr. 41 vom 12. 10. 2008 (erhältlich in Ihrer Kirche).
10.10.2008 |