Ausgabe Nr. 20 - 20.05.2012
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Kindersegen Resumee: Fixe Bilder, viele Schuhe
„Kindersegen in Europa“ hieß die Serie, und nicht „Kindeswohl“.
Auch bei dieser Zusammenschau geht es nur um die Geburtenraten.

Wo die familiäre Aufgabenteilung klar ist, gibt es viele Kinder. Wo sie im Umbruch ist, weniger. Wo sie soeben aufgelöst wird, am wenigsten.

Eingespielt

Eine festgefügtes Vorstellung ist jene der Frau als Hausfrau und Mutter. Wo dies in Europa funktionierte, war die Geburtenrate hoch. Ein anderes Idealbild ist die Gleichstellung von Mann und Frau. Wo sie schon lange in den Köpfen verankert ist, gibt es ebenfalls viele Kinder. Als Beispiel dienen die skandinavischen Länder.
In Frankreich – mit der höchsten europäischen Geburtenrate von 1,94 – existiert ebenfalls ein durch eine lange Tradition gut eingespieltes System: Trotz möglicher Väterkarenz teilen sich Mutter und Staat die Kinderbetreuung. Die Männer werden damit kaum belastet. Ähnlich ist es in Großbritannien. Eltern können auf ein gut ausgebautes und verlässliches Betreuungsangebot zurückgreifen, auch wenn sie mehrere Kinder haben.

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In Europa gibt es zu wenig Mehrkindfamilien.

Werte

Kinderreichtum ist vor allem eine Frage der Werte und Normen einer Gesellschaft. In den deutschsprachigen Ländern besteht ein Grundkonsens darüber, dass die Eltern für das Wohl ihrer Kinder verantwortlich sind. Dass Kinder zumindest bis zum 3. Lebensjahr nicht zur Betreuung außer Haus gegeben werden sollen. „Hier gibt es ein gespaltenes Denken: Das ,Rabenmutterbild‘ und das der berufstätigen Eltern, die gemeinsam ihre Kinder betreuen, existiert in den Köpfen gleichzeitig“, sagt Christiane Rille-Pfeiffer, Soziologin am Österreichischen Institut für Familienforschung: „Leider bleibt das Wort ,Veinbarkeit von Familie und Beruf‘ weitgehend eine leere Worthülse. Wenn alle am ,Modell Familie‘ teilhaben, trauen sich die Frauen zu, ihren Wunsch nach mehr Kindern zu verwirklichen.“
„Jeder muss sein persönliches Lebensmodell wählen und umsetzen können: Beruf und Familie nebeneinander, Beruf und Familie hintereinander oder nur Familie oder nur Beruf“, sagt Johannes Fenz, Präsident des Katholischen Familienverbandes: „Abgesehen von fehlenden Rahmenbedingungen schaffen wir es immer noch nicht, die verschiedenen Lebensmodelle wertfrei nebeneinander stehen zu lassen.“


Diesen Beitrag von G. Neuwirth und J. Belko lesen Sie auf Seite 17 der aktuellen Ausgabe des "Sonntag" Nr. 29 vom 22. Juli (erhältlich u.a. in ihrer Pfarre).

20.07.2007