Ausgabe Nr. 20 - 20.05.2012
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Dem Islam begegnen Folge 13 (Ende): Dialog – ein Traumgebilde?
Über Ideal und Wirklichkeit, Hemmnisse und Chancen des Dialogs zwischen Christen und Muslimen: Pfarrer Rupprecht zum Abschluss der Islam-Serie.

Die Serie „Dem Islam begegnen“ hat zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Gott sei Dank, möchte ich sagen; es geht schließlich um die Begegnung mit einer Religion, der ein Großteil unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund angehört. Nachdem zwei Drittel der Muslime in Österreich türkischer Abstammung sind, habe ich vor allem diese Muslime angesprochen, den Islam so darzustellen, wie sie ihn selbst verstehen und wie sie ihn leben möchten. Bei der Vorbereitung der Serie lief im Hintergrund ein reges Dialoggeschehen, das die einzelnen Folgen nur indirekt widerspiegelten: Mit jeder Autorin, jedem Autor setzte ich mich über das Verhältnis von Ideal und Wirklichkeit auseinander, wir diskutierten über die Ursachen dieses Missverhältnisses, wir besprachen die gegenseitigen Vorwürfe von Christen und Muslimen.

Den anderen ernstnehmen

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Der Dialog ist – um ein Bild zu gebrauchen – das Gefäß, in dem die Begegnung zwischen Menschen und Ideen stattfindet. Das Vertrauen und das Ernstnehmen für die Begegnung ist wie das Wasser, das in diesem Gefäß enthalten ist und ohne das es kein Wachstum geben kann.
All jene, die sich seriös um diesen Dialog mühen, kennen mehr als andere das Für und Wider, die Hemmnisse, das Scheitern, die Enttäuschung, auch die Wunden der Verfolgung. Aus Sorge um den Frieden und aus der Überzeugung des Wirkens Gottes auch durch andere Religionen wagen sie diese schwere Arbeit. Ihnen vorzuwerfen, dass sie naiv sind oder nur Halbwahrheiten um des Friedens willen verbreiten wollen, hieße, aus sicherer Position den Wagemutigen den Rücken zuzuwenden.
Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar von Arabien mit Sitz in Abu Dhabi, weiß wie kaum ein anderer, was Dialog bedeutet: „Es ist oftmals fast unmöglich zu verstehen, was der andere denn nun genau meint“, so der Kapuziner aus der Schweiz: „Und das ist der Grund, warum wir den Dialog pflegen müssen. Es gibt keine Alternative. Die Alternative wäre, dass wir auf Distanz gehen, oder aber die Gewalt.“ Der ausgewiesene Kenner der arabischen Welt ist überzeugt: „Es gibt keinen anderen Weg, so mühsam es auch sein mag, als den Weg des Gesprächs und auch des Ertastens, was nun der andere oder die andere eigentlich meint.“

Die Basis ist Vertrauen

Erst wenn eine gemeinsame Gesprächsbasis aufgebaut ist, kann ernsthaft miteinander gesprochen werden. Wo das gegenseitige Ernstnehmen fehlt, führt die Diskussion immer in Vorwürfe und gegenseitige Anklagen. Ein Traumgebilde? Das messianische Reich, das uns Christen verheißen ist, spricht vom Traum, bei dem „der Wolf beim Lamm ruht, der Panther beim Böcklein, der Löwe Stroh frisst und das Kind am Schlupfloch der Natter spielt“ (Jes 11).
Ob wir ein Stück darauf zugehen, hängt vom friedlichen beispielgebenden Zeugnis von uns Christen ab.

Infos und Kontakt

Kontaktstelle für christlich-islamische Begegnung in der Erzdiözese Wien:

Leitung: Pfr. Martin Rupprecht;
Vogelweidplatz 7,
1150 Wien
Tel: 01/982 22 41;
Fax: 982 22 41-75
E-Mail: mrupprecht@aon.at




Diesen Beitrag von Pfarrer Martin Rupprecht lesen Sie auf Seite 12 der aktuellen Ausgabe des „Sonntag" Nr. 27 vom 8. Juli (erhältlich u.a. in ihrer Pfarre).

06.07.2007