 Letztes Abendmahl, Glasfenster im Kölner Dom.
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Die Erneuerung des Lebens der Kirche aus der Kraft der Eucharistie war der
große Schwerpunkt der Endphase des Pontifikates Johannes Pauls II.
Unvergessen bleiben das weltweite ”Jahr der Eucharistie“, das (noch von ihm
festgelegte) Eucharistie-Thema der letzten Bischofssynode, der
Gründonnerstagsbrief an die Priester von 2005, vor allem aber seine letzte
Enzyklika ”Ecclesia de Eucharistia“ vom 17. April 2003.
Sie wirkt wie das große Vermächtnis des Papstes an die Kirche – als würde er
ihr mit dem Herrn und in seinem Namen nochmals sagen: ”Tut dies zu meinem
Gedächtnis!“ Damit stellt er der Kirche ihre bleibende Mitte vor Augen:
Leben und Verkünden der Gegenwart des erhöhten Herrn als ihr Urgeheimnis,
das in der Eucharistie sichtbar Gestalt annimmt. Sie ist, wie das Konzil
sagt, wirklich der Höhepunkt und die Quelle (”culmen et fons“), aus der die
Kirche all ihre Kraft bezieht (vgl. SC 10) und deren Wirksamkeit ”kein
anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht“ (SC 7).
Staunen über die Eucharistie
Dieses Vermächtnis des Herrn war betreffend Gehalt und Gestalt seiner Feier
auch das Thema dieser Serie. Mit (nur einigen) Aspekten der Enzyklika
”Ecclesia de Eucharistia“ (=E) soll die Serie nun abgerundet werden. Die
Enzyklika will das Leben des einzelnen und der Gemeinden ja nachhaltig
befruchten. Darum spricht der Papst davon, dass er das ”Staunen“ (E6) über
die Eucharistie in der Kirche neu wecken möchte, da sie das ”wertvollste Gut
[ist], das die Kirche auf ihrem Weg durch die Geschichte haben kann und in
diesem Sakrament das ganze Mysterium unseres Heils zusammenfasst“ (E 9). Im
Folgenden sagt er warum, auch wenn er dabei keine vollständige
Eucharistielehre vorlegt. Das Hauptanliegen ist ihm die ”eucharistische
Ekklesiologie“, die die Wechselwirkung zwischen Eucharistie und Kirche
aufzeigen kann. Für unser abendländisch-westliches Verständnis ist dies
realtiv neu, der christliche Osten hatte das Kirchenverständnis immer schon
in der Eucharistie grundgelegt: die Kirche verdankt sich der Eucharistie und
lebt aus ihr.
Aufbau der Kirche in Opfer und Mahl
Gegen die Tendenz, dass das eucharistische Mysterium ”seines Opfercharakters
beraubt und in einer Weise vollzogen [wird], als ob es den Sinn und den Wert
einer brüderlichen Mahlgemeinschaft nicht übersteigen würde“ (E 10), wird
der Opfercharakter der Eucharistie betont. Ökumenisch klug stellt der Papst
gleich klar: ”Die Messe macht das Opfer des Kreuzes gegenwärtig, sie fügt
ihm [aber] nichts hinzu und vervielfältigt es auch nicht. Was sich
wiederholt, ist die Gedächtnisfeier, seine gedenkende Darstellung […]. Der
Opfercharakter des eucharistischen Mysteriums kann deshalb nicht als etwas
in sich Stehendes verstanden werden“ (E 12). Zu beachten ist, dass die Rede
vom Opfer immer das ganze Leben des Herrn mit Auferstehung und Erhöhung
mitmeint. Opfercharakter bezieht die Messe auch aus dem Akt der
Lebenshingabe der Christen, indem sie in Christi Opfer bewusst eintreten und
im Kreuz des eigenen Lebens ihm nachfolgen.
Die Messe ist aber zugleich ”Mahl der Kommunion mit dem Leib und dem Blut
des Herrn“ (E 12). Opfer und Mahl sind verschränkt: die Feier der
Eucharistie ist ja ganz auf die Kommunion mit Christus ausgerichtet. Dieses
Mahl hat Jesus nicht in der Tischgemeinschaft mit Zöllnern und Sündern
gefeiert, sondern mit den Zwölfen als Repräsentanten des neuen
Gottesvolkes (E 21). So dient das Mahl dem Aufbau der Kirche. Dadurch bleibt
sie mit ihrem Ursprung in Keuz und Auferstehung Christi verbunden, sodass er
sie zur Gemeinschaft seines Leibes aufbauen und in der Einheit halten kann,
denn: ”Mit der eucharistischen Kommunion wird die Kirche zugleich in ihrer
Einheit als Leib Christi gefestigt“ (E 23).
Der Autor
Dr. Andreas Redtenbacher CanReg,
Augustiner Chorherr in Klosterneuburg, ist Liturgiewissenschafter.
Diesen Bericht von lesen Sie auf Seite 10 der aktuellen Ausgabe von "Der
Sonntag" Nr. 24, vom 15. 6. 2008 (erhältlich in Ihrer Kirche).
13.06.2008 |