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”Wir haben der Liebe geglaubt [vgl. 1 Joh 4,16]: So kann der Christ den Grundentscheid seines Lebens ausdrücken.“ Es sei dies ”sozusagen eine Forme der christlichen Existenz“. So schreibt Benedikt XVI. in der Einführung zu seiner ersten Enzyklika. Im ersten Teil des Rundschreibens, das in deutscher Sprache 80 Seiten umfasst, reflektiert der Papst über verschiedene Dimensionen der Liebe. Im zweiten Teil, geht Benedikt XVI. konkret auf das ”Liebestun der Kirche“ ein. Frei von jedem moralisierenden Ton ist die Enzyklika eine tiefe philosophisch-theologische Reflexion über die Liebe – verfasst in verständlicher, klarer Sprache.
Bedeutung der Liebe gegen Hasspredigten
Noch in der Einleitung schreibt der Papst, die Liebe sei nicht nur ein ”Gebot“, sondern ”Antwort auf das Geschenk des Geliebtseins, mit dem Gott uns entgegen geht“. Daran erinnert Benedikt XVI. mit besonderem Hinweis auf den Missbrauch von Religion: ”In einer Welt, in der mit dem Namen Gottes bisweilen die Rache oder gar die Pflicht zu Hass und Gewalt verbunden sind, ist dies eine Botschaft von hoher Aktualität und von ganz praktischer Bedeutung.“
Der Papst hebt im ersten Teil vor allem den Unterschied und die Einheit von ”Eros“ und ”Agape“ hervor. ”Eros“, die ek-statische, begehrende Liebe habe man in der Geschichte als zum Göttlichen ”aufsteigende“ Liebe gesehen. Der Mensch werde ganz er selbst, wenn Leib und Seele zu ihrer innerer Einheit fänden: ”Die Herausforderung durch den Eros ist dann bestanden, wenn diese Einung gelungen ist.“
”Heute wird dem Christentum der Vergangenheit vielfach Leibfeindlichkeit vorgeworfen, und Tendenzen in diese Richtung hat es auch immer gegeben“, schreibt der Papst: ”Aber die Verherrlichung des Leibes, die wir heute erleben, ist trügerisch.“ Der zum ”Sex“ degradierte Eros werde zur Ware, zur bloßen ”Sache“.
Liebe als ”Ekstase“
Der Eros bedürfe auch der Reinigung: ”Ja, Liebe ist ,Ekstase‘, aber Ekstase nicht im Sinn des rauschhaften Augenblicks, sondern Ekstase als ständiger Weg aus dem in sich verschlossenen Ich zur Freigabe des Ich, zur Hingabe und so gerade zur Selbstfindung, ja, zur Findung Gottes.“
”Agape“ beschreibe die ”absteigende, schenkende Liebe“. Beide, Eros und Agape, begehrende und schenkende Liebe gehörten zusammen, und es entstehe eine Karikatur, eine ”Kümmergestalt von Liebe“, wo beide Seiten auseinander fielen.
Das Neue der biblischen Botschaft sei der Glaube an den einen, liebenden Gott, in dem Eros und Agape ”verschmelzen“. Christus habe – besonders in seiner Lebenshingabe am Kreuz – dieser Liebe Gottes einen ”unerhörten Realismus“ gegeben.
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Karitative Hilfe stützt ungerechte Strukturen?
Die karitative Tätigkeit der Kirche ”ist nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte“, schreibt der Papst im zweiten Teil der Enzyklika. Der Liebesdienst der Kirche ”ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst“. Benedikt XVI. weist den Vorwurf zurück, karitatives Engagement wirke an der Aufrechterhaltung ungerechter Strukturen mit: An diesem Argument sei zwar ”einiges richtig“, aber auch ”vieles falsch“. Der Papst räumt ein, dass die Vertreter der Kirche im 19. Jh. ”erst allmählich wahrgenommen haben, dass sich die Frage nach der gerechten Struktur der Gesellschaft in neuer Weise stellte“.
Was ist eine Enzyklika?
”Enzyklika“ kommt aus dem Griechischen (”kyklos“, Kreis) und bezeichnet päpstliche Rundschreiben. Die Bezeichnung ist bereits im 4. Jh. für kirchliche Rundschreiben belegt, im 7. Jh. erstmals für päpstliche Dokumente.
Geläufig wurde der Name ”Enzyklika“ aber erst ab Papst Benedikt XIV. (1740-1758).
Enzykliken werden nach den Anfangsworten zitiert (z.B. ”Deus caritas est“ – Gott ist Liebe) und sind meist in lateinischer Sprache verfasst. Eine Ausnahme ist die Enzyklika ”Mit brennender Sorge“ von 1937 über die Situation der Katholischen Kirche in den ersten Jahren des Nationalsozialismus. Sie wurde im Original in deutscher Sprache verfasst.
Päpstliche Rundschreiben sind Ausdruck oberster Lehrgewalt des Papstes, aber keine ”unfehlbare“ Lehräußerung. Sie behandeln Fragen des Glaubens und/oder soziale Themen, etwa zur Welt der Arbeit oder zum Frieden.
Den gesamten insgesamt 50 Seiten umfassenden Text der Enzyklika ”Deus caritas est“ (Gott ist Liebe) von Papst Benedikt XVI. finden sie auf der Vatican Homepage unter diesem
Link.
Einen gesamten, ausführlichen Überblick über den Inhalt der ersten Enzyklika von Papst Benedikt XVI., zusammengestellt von Helmut Tatzreiter, lesen Sie auf den Seiten 6 und 7 der aktuellen Ausgabe des "Sonntag" Nr. 4 vom 29. Jänner.