 Arbeit ist mehr als ”Lebenskraft gegen Geld“.
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Am vergangenen Montag verzeichnete die Arbeitslosenstatistik einen Negativrekord: Mit 220.464 Jobsuchenden wurde der höchste September-Wert seit zwanzig Jahren registriert.
Gleichzeitig ist die Angst um den Arbeitsplatz unter den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Sorge Nummer 1, wie eine soeben von der Beratergruppe Neuwaldegg veröffentlichte Studie ergab.
Gewinn-Maximierung
In einer solchen Situation ist es fatal, wenn Arbeitskräfte sehen, dass Kündigungen und der Abbau freiwilliger betrieblicher Sozialleistungen bis hin zu Lohnkürzungen oft nicht der Rettung existenzgefährdeter Unternehmen dienen, sondern nur der kurzfristigen Gewinnmaximierung.
”Meldungen über die Entlassung von Arbeitskräften haben bei den Aktien börsennotierter Unternehmen fast automatisch Kursanstiege zur Folge; Kündigungsmeldungen werden zu Erfolgsmeldungen“, kritisiert Diakon Franz Eckert, Integrationsbeauftragter im Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz. Die Folge sei ein ”zunehmender Auslaugungsprozess“, durch den die Familie und alle sozialen Bindungen zerstört würden, stellt Eckert fest.
Themenführerschaft
Dieser Auslaugungsprozess widerspricht der Katholischen Soziallehre: ”Arbeit vor Kapital“ lautete die Grundaussage in der Enzyklika über die menschliche Arbeit, die Papst Johannes Paul II. veröffentlichte. Auch die noch nicht gültige Europäische Verfassung verlangt im Artikel II./91 das Recht jeder Arbeitnehmerin und jedes Arbeitnehmers auf ”gesunde, sichere, und würdige Arbeitsbedingungen“.
”Soll das europäische Sozialmodell mit dem Herzstück gerechter Arbeitsverträge als Vorbild für die Welt erhalten bleiben, bedarf es nicht nur einer intensiven sozialethischen Diskussion. Als Kirche müssen wir hier die Themenführerschaft übernehmen“, fordert Eckert und liefert dazu einen Lösungsansatz.
Sein Konzept für einen ”Arbeitsvertrag“ ersetzt das Tauschgeschäft ”Lebenskraft gegen Geld“ durch ein ”familienähnliches Rechtsverhältnis“. In seiner Expertise setzt Eckert ein Familienbild voraus, ”in dem die Partner Souveräne sind, ein Familienbild, das keine Unterdrückung kennt“, präzisiert er im Gespräch mit dem ”Sonntag“. Orientieren sich die Parteien des Arbeitsvertrages nach diesem Familienbild, sind sie ”von gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Wertschätzung geprägt“. Dadurch entstünde ein ”Bollwerk gegen Misstrauen, Frustration und Entmenschlichung“.
ISO-Norm
Der Vorschlag der Gestaltung des Arbeitsvertrages als ”familienähnliches Rechtsverhältnis“ fand bereits international Anerkennung. Als ”zentrales Anliegen katholischer Sozialethik“ bezeichnete ihn Bischof Josef Homeyer, der Vorsitzende der Europäischen Kommission der Bischofskonferenzen der EU-Länder.
Den ganzen Artikel von Gabriele Neuwirth lesen Sie auf Seite 3 der aktuellen Ausgabe des „Sonntag" Nr. 41 vom 9. Oktober.
Das gesamt 32-seitige Dokument von Diakon Dr. Franz Eckert, dem Integrationsbeauftragten im Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz, finden Sie unter dem Link: Arbeitsvertrag_Vorlage.pdf
07.10.2005 |