 ”Spe salvi“ (Auf Hoffnung hin sind wir gerettet) lautet der Titel der neuen Enzyklika: Der Papst setzt seine Unterschrift unter das Rundschreiben.
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Dass seine Enzyklika das Leben ganz konkret betrifft, zeigte Benedikt XVI.
zwei Tage nach Veröffentlichung seines Rundschreibens gleich selbst: Er
besuchte Kranke im römischen Malteser-Spital San Giovanni Battista – und gab
ihnen adventliche Hoffnung: Durch die Ankunft des Erlösers könne auch das
Leid, ”ohne aufzuhören, Leid zu sein, dennoch zu Lobgesang“ werden, zitierte
der Papst aus seiner Enzyklika.
Eine Zusammenschau
”Wer Gott nicht kennt“ – und zwar als ”unbedingte Liebe“, die den Menschen
erlöst – , der kann zwar ”vielerlei Hoffnung“ haben, ”ist aber im letzten
[...] ohne die große, das ganze Leben tragende Hoffnung.“ Das ist eine der
Grundaussagen der Enzyklika ”Spe salvi“ von Benedikt XVI. In einer großen
Zusammenschau der theologischen, philosophischen und politischen Entwicklung
stellt der Papst die christliche Hoffnung den innerweltlichen
Zukunftsverheißungen gegenüber. Dabei geht Benedikt XVI. von einer
biblischen Grundlegung und einer Betrachtung der frühkirchlichen
Verkündigung aus, in der er die enge Verknüpfung von Hoffnung und Glaube
hervorhebt.
Gegen Missverständnisse präzisiert der Papst, dass christliche Hoffnung auf
Vollendung im ”ewigen Leben“ nicht ”endloses Fortdauern“ meint, sondern
”etwas wie der erfüllte Augenblick“ ist, ”in dem uns das Ganze umfängt und
wir das Ganze umfangen“; dass Hoffnung nicht individualistischen, sondern
notwendig Gemeinschaftscharakter hat; und schließlich, dass der christlichen
Hoffnung – gegen jede Vertröstungsideologie – die Kraft zur Weltgestaltung
in Liebe und Gerechtigkeit innewohnt.
Nicht Wissenschaft erlöst, sondern Liebe
Mit dem Beginn der Neuzeit sieht der Papst einen folgenschweren
geschichtlichen Einschnitt: Durch den Fortschritt der Technik habe sich die
Hoffnung auf die rein innerweltliche ”Wiederherstellung des Paradieses“
konzentriert – wodurch der Glaube auf die Ebene des ”bloß Privaten und
Jenseitigen“ verlagert worden sei. Beispielhaft zeigt der Papst an der
Französischen Revolution und an den Ideen von Karl Marx, wohin dieser Weg
führte: Die Hoffnung auf Erlösung durch den ökonomischen Fortschritt blende
die Freiheit des Menschen aus, die immer auch eine ”Freiheit zum Bösen“
bleibe. Günstige ökonomische Bedingungen könnten ”von außen her“ den
Menschen nicht heilen. Es bleibe eine ”Zwei-
gesichtigkeit“ des Fortschritts, der ”unzweifelhaft neue Möglichkeiten zum
Guten“ biete, aber auch ”abgründige Möglichkeiten des Bösen“ öffne. Daher
bleibe der ”Fortschritt in der moralischen Bildung“, das ”Wachstum des
inneren Menschen“, eine jeder Generation neu anvertraute Aufgabe. ”Nicht
Wissenschaft erlöst den Menschen. Erlöst wird der Mensch durch die
Liebe.“
”Wir brauchen die kleineren oder größeren Hoffnungen, die uns Tag um Tag auf
dem Weg halten“, schreibt der Papst: ”Aber sie reichen nicht aus ohne die
große Hoffnung, die alles andere überschreiten muss. Diese große Hoffnung
kann nur Gott sein.“
Als ”Lern- und Übungsorte der Hoffnung“ entfaltet Benedikt XVI. Gedanken
über das Gebet, das Tun und Leiden sowie das Jüngste Gericht: Dieses sei
zuallererst kein Schreckbild, sondern ein Bild der Hoffung und der
Verantwortung: ”Nur Gott kann Gerechtigkeit schaffen. Und der Glaube gibt
uns Gewissheit: Er tut es.“
Positive Reaktionen
Sehr positiv fielen die ersten Reaktionen aus: Der Grazer Diözesanbischof
Egon Kapellari würdigte die Enzyklika als Text ”jenseits vordergründiger und
sich rasch ändernder Aktualität“ über ”die göttliche und menschliche Tugend
der Hoffnung“. Liebe und Hoffnung seien ”Quellgrund für die Kraft zu jeder
wirklich echten Reform und daher durch keine Modernität überholbar“.
P. Markus Solo SVD vom Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog zum
”Sonntag“: ”Der Papst will die akute Gefahr der Privatisierung von
Glauben und Hoffnung der Menschen herausheben und gleichzeitig den
gemeinschaftlichen Charakter der hoffenden Kirche als Grundzug
akzentuieren.“
Auch von evangelischer Seite gibt es viel Zustimmung. Der Braunschweiger
Landesbischof Friedrich Weber betonte: ”Was die römisch-katholische Kirche
von der Hoffnung lehrt, gehört zweifellos zu den Dingen, die unsere Kirchen
verbinden, nicht zu denen, die uns trennen.“
Diesen Bericht von Helmut Tatzreiter lesen Sie auf Seite 9 der aktuellen
Ausgabe des "Sonntag" Nr. 49, vom 9. 12. 2007 (erhältlich in ihrer
Kirche).
INFODen gesamten Text der Enzyklika ”SPE SALVI“ (Auf Hoffnung hin sind
wir gerettet) von Papst Benedikt XVI. finden sie auf der Vatican Homepage
unter diesem
Link.
01.02.2008 |