Ausgabe Nr. 37 - 12.09.2010
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Enzyklika SPE SALVI (über die christliche Hoffnung)
”Spe salvi“: In seiner neuen Enzyklika entfaltet der Papst die weite Perspektive christlicher Hoffnung und stellt sie innerweltlichen Zukunftsverheißungen gegenüber.

© kna
”Spe salvi“ (Auf Hoffnung hin sind wir gerettet) lautet der Titel der neuen Enzyklika: Der Papst setzt seine Unterschrift unter das Rundschreiben.

Dass seine Enzyklika das Leben ganz konkret betrifft, zeigte Benedikt XVI. zwei Tage nach Veröffentlichung seines Rundschreibens gleich selbst: Er besuchte Kranke im römischen Malteser-Spital San Giovanni Battista – und gab ihnen adventliche Hoffnung: Durch die Ankunft des Erlösers könne auch das Leid, ”ohne aufzuhören, Leid zu sein, dennoch zu Lobgesang“ werden, zitierte der Papst aus seiner Enzyklika.


Eine Zusammenschau

”Wer Gott nicht kennt“ – und zwar als ”unbedingte Liebe“, die den Menschen erlöst – , der kann zwar ”vielerlei Hoffnung“ haben, ”ist aber im letzten [...] ohne die große, das ganze Leben tragende Hoffnung.“ Das ist eine der Grundaussagen der Enzyklika ”Spe salvi“ von Benedikt XVI. In einer großen Zusammenschau der theologischen, philosophischen und politischen Entwicklung stellt der Papst die christliche Hoffnung den innerweltlichen Zukunftsverheißungen gegenüber. Dabei geht Benedikt XVI. von einer biblischen Grundlegung und einer Betrachtung der frühkirchlichen Verkündigung aus, in der er die enge Verknüpfung von Hoffnung und Glaube hervorhebt.

Gegen Missverständnisse präzisiert der Papst, dass christliche Hoffnung auf Vollendung im ”ewigen Leben“ nicht ”endloses Fortdauern“ meint, sondern ”etwas wie der erfüllte Augenblick“ ist, ”in dem uns das Ganze umfängt und wir das Ganze umfangen“; dass Hoffnung nicht individualistischen, sondern notwendig Gemeinschaftscharakter hat; und schließlich, dass der christlichen Hoffnung – gegen jede Vertröstungsideologie – die Kraft zur Weltgestaltung in Liebe und Gerechtigkeit innewohnt.


Nicht Wissenschaft erlöst, sondern Liebe

Mit dem Beginn der Neuzeit sieht der Papst einen folgenschweren geschichtlichen Einschnitt: Durch den Fortschritt der Technik habe sich die Hoffnung auf die rein innerweltliche ”Wiederherstellung des Paradieses“ konzentriert – wodurch der Glaube auf die Ebene des ”bloß Privaten und Jenseitigen“ verlagert worden sei. Beispielhaft zeigt der Papst an der Französischen Revolution und an den Ideen von Karl Marx, wohin dieser Weg führte: Die Hoffnung auf Erlösung durch den ökonomischen Fortschritt blende die Freiheit des Menschen aus, die immer auch eine ”Freiheit zum Bösen“ bleibe. Günstige ökonomische Bedingungen könnten ”von außen her“ den Menschen nicht heilen. Es bleibe eine ”Zwei-
gesichtigkeit“ des Fortschritts, der ”unzweifelhaft neue Möglichkeiten zum Guten“ biete, aber auch ”abgründige Möglichkeiten des Bösen“ öffne. Daher bleibe der ”Fortschritt in der moralischen Bildung“, das ”Wachstum des inneren Menschen“, eine jeder Generation neu anvertraute Aufgabe. ”Nicht Wissenschaft erlöst den Menschen. Erlöst wird der Mensch durch die Liebe.“

”Wir brauchen die kleineren oder größeren Hoffnungen, die uns Tag um Tag auf dem Weg halten“, schreibt der Papst: ”Aber sie reichen nicht aus ohne die große Hoffnung, die alles andere überschreiten muss. Diese große Hoffnung kann nur Gott sein.“

Als ”Lern- und Übungsorte der Hoffnung“ entfaltet Benedikt XVI. Gedanken über das Gebet, das Tun und Leiden sowie das Jüngste Gericht: Dieses sei zuallererst kein Schreckbild, sondern ein Bild der Hoffung und der Verantwortung: ”Nur Gott kann Gerechtigkeit schaffen. Und der Glaube gibt uns Gewissheit: Er tut es.“


Positive Reaktionen

Sehr positiv fielen die ersten Reaktionen aus: Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari würdigte die Enzyklika als Text ”jenseits vordergründiger und sich rasch ändernder Aktualität“ über ”die göttliche und menschliche Tugend der Hoffnung“. Liebe und Hoffnung seien ”Quellgrund für die Kraft zu jeder wirklich echten Reform und daher durch keine Modernität überholbar“.

P. Markus Solo SVD vom Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog zum ”Sonntag“: ”Der Papst will  die akute Gefahr der Privatisierung von Glauben und Hoffnung der Menschen herausheben und gleichzeitig den gemeinschaftlichen Charakter der hoffenden Kirche als Grundzug akzentuieren.“

Auch von evangelischer Seite gibt es viel Zustimmung. Der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber betonte: ”Was die römisch-katholische Kirche von der Hoffnung lehrt, gehört zweifellos zu den Dingen, die unsere Kirchen verbinden, nicht zu denen, die uns trennen.“   







Diesen Bericht von Helmut Tatzreiter lesen Sie auf Seite 9 der aktuellen Ausgabe des "Sonntag" Nr. 49, vom 9. 12. 2007 (erhältlich in ihrer Kirche).

INFO

Den gesamten Text der Enzyklika ”SPE SALVI“ (Auf Hoffnung hin sind wir gerettet) von Papst Benedikt XVI. finden sie auf der Vatican Homepage unter diesem Link.

01.02.2008

Kurz notiert

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