 Beichte als Erfahrung neuer Freiheit.
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Braucht es die Beichte heute überhaupt noch? Oft hört man: Wer geht denn
heute noch beichten? Man stellt sich einen verstaubten, kalten, dunklen, mit
anderen Worten ausgedrückt, unsympathischen Ort vor, an dem man irgendeinem
unbekannten Priester von irgendwelchen Fehlern in seinem Leben erzählt. Und
das soll gut sein? Soll helfen? Wozu?
Diese Fragen sind berechtigt, denn in unserer heutigen Zeit wollen die
Menschen verstehen, warum sie etwas tun. Ein ”Weil man das halt macht“, oder
”so bin ich eben groß geworden“ reicht schon lange nicht mehr aus, um
heranwachsende Generationen für etwas zu begeistern. Sie müssen es
verstehen, um sich dann selbst entscheiden zu können. Das ist gut so, denn
es eröffnet neue Wege und Möglichkeiten über Dinge zu reden und den Glauben
auf neue Art und Weise zur Sprache zu bringen.
Sich einlassen auf den, der Leben schenkt
Beichten bedeutet in erster Linie los- und sich einlassen. Loslassen von
eigenen verkrampften Versuchen, sein Leben in den Griff zu bekommen, und
sich einlassen auf den, der Leben schenkt in Fülle. Der Dreieinige Gott ist
ein liebender Gott, der will, dass wir einander wohlwollend begegnen und
respektieren. Die Sünde, die den Menschen mit Gott und Mitmenschen entzweit,
ihn schwer (er)tragen lässt, er selbst zu sein, und als Folge ihn dazu
drängt, sein eigenes Leben egoistisch zu gestalten, wird in der Beichte
durch die Liebe Gottes aufgelöst.
Durch diese Liebe wird der Mensch erst wirklich Mensch – so wie er von Gott
geschaffen wurde: Ein großartiges und perfektes Werk seiner Liebe. Blaise
Pascal sagte dazu: ”Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Scherben
unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen!“
Der Neuanfang ist ein Prozess
Die Beichte ist eine Einladung Gottes an uns, ihm diese Scherben gänzlich
zu übergeben, ganz neu anzufangen. Doch Beichte ist nicht nur ein
punktueller, einmaliger Moment der Umkehr und der Versöhnung mit Gott sowie
ein Moment des Neuanfangs, sie stellt einen Prozess dar. Beichte ist Umkehr
und Neubeginn – immer wieder. Doch wer sich auf diesen Weg einlässt und den
eigenen losgelassen hat, wird es sicher nicht bereuen. Es ist ein Weg des
Heils mit dem Ziel, ganz der Mensch zu werden, der man in Gottes Augen
ist.
Einladung Gottes
Es ist sicher nicht leicht, sich auf diesen Weg einzulassen und den ersten
Schritt zu wagen. Schlechte Erinnerungen, negative Erzählungen von anderen,
ein oftmals negatives Bild der Medien, eine Distanz zur Kirche, machen es
oft schwer, dem Ganzen noch eine Chance zu geben. Wir können die Fehler in
der Vergangenheit und schlechte Erfahrungen nicht ändern, wir können auch
das Geheimnis dieses Sakramentes nie gänzlich erklären, aber wir können
versuchen, eine Einladung anzunehmen, die auf unserer persönlichen
(positiven) Erfahrung beruht. Jeder, jede hat einmal angefangen und sich auf
den Weg begeben.
Justyna Okolowicz
Theologiestudierende schreiben für Leserinnen und Leser des Sonntag“: Die
Serie über das Sakrament der Umkehr und Versöhnung entsteht in
Zusammenarbeit mit dem Institut für Moraltheologie an der
Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.
»www.univie.ac.at/ktf«
Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 9 der aktuellen Ausgabe von "Der
Sonntag" Nr. 14 vom 5. 4. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).
03.04.2009 |