 Nach entsprechender Vorbereitung in der Fastenzeit kann die österliche Tauferneuerung die Wasserscheide einer echten Umkehr bedeuten.
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Vielleicht liegt die letzte Versöhnung im Bußsakrament schon einige Zeit
zurück und wurde sogar als Pflicht, Last oder Demütigung erfahren. Doch Jesu
Ende am Kreuz, das wir in der Zeit vor Ostern betrachten, führt uns in
besonderer Weise vor Augen: Gott wirbt um unseren Neuanfang. Die gelebte
Fastenzeit schafft Freiräume, die den Blick dafür offenhalten.
Die Beichte: Ort für einen Neuanfang
Um sich von der Kraft des Bußsakraments aufrichten zu lassen, ist der
Gläubige nicht allein auf den Ortspfarrer verwiesen. Viele
Bußgottesdienste dieser Tage werden von auswärtigen Beichtvätern
unterstützt. Wer zeitliche Flexibilität und Anonymität schätzt, findet im
Stephansdom und andernorts zu verschiedenen Tagzeiten offene Beichtstühle.
Manche sind als begehbare Räume eingerichtet, in denen sich der Priester auf
Wunsch des Beichtenden mit diesem an einen Tisch setzen kann.
Wie kann ich mich auf das Beichtgespräch vorbereiten?
Dem Beichtentschluss kommt zugute, wenn wir für den zukünftigen Beichtvater
und für eine gute Hilfe durch ihn beten. Im Detail sollte man die Person des
Priesters nicht zu hoch veranschlagen, da das Sündenbekenntnis an Gott
gerichtet ist. Der Priester handelt hier nur stellvertretend in der
Vollmacht Christi.
Bei der Vorbereitung, der Gewissenserforschung, können wir uns von einem
der Beichtspiegel (z.B. aus dem Gotteslob) leiten lassen. Hierbei stellen
wir eine Reihe von Fragen an uns und unser Leben. Unsere Lebensfelder vor
der Güte Gottes zu betrachten und auf seine Barmherzigkeit zu vertrauen,
öffnet uns für die Reue. Die Aufrichtigkeit bei der Reue ist besonders
hervorzuheben, denn in der Liebe zu Gott sollten wir nicht an unserem
Selbstbild halt machen.
Wie kann ein Beichtgespräch ablaufen?
Wir beginnen mit einem Kreuzzeichen. Dann versuchen wir unsere
Lebenssituation zu beschreiben. Im Gespräch bekennen wir, was wir Böses
getan haben, und auch, ob diese Handlungen einmalig waren oder zur
Gewohnheit geworden sind. Aber auch das Gute, das wir unterlassen haben,
wird zur Sprache gebracht. Reue und Umkehrwillen sollen am Ende nochmal
Ausdruck finden, auch, ob wir schon mit dem Bemühen um Besserung begonnen
haben. Der Beichtvater trägt eine Buße auf, um uns bei der Überwindung einer
Fehlhaltung zu helfen. Sie kann verschieden ausfallen, etwa als Gebet, das
uns die Güte Gottes vor Augen hält. Danach spricht er uns los von unseren
Sünden.
In Umkehr und Buße bewusst wieder Christ werden“
Mit dem bevorstehenden Osterfest bereiten wir uns auf den Höhepunkt des
Jahres vor. Das Angebot von Bundesschluss und Gottes Barmherzigkeit wird uns
in den Lesungen der Liturgie immer wieder aufgezeigt. Dann, in der
Osternacht, erfolgt die Tauffeier, in der wir uns an unsere Taufe erinnern:
Wir sind darin unverdient mit dem ewigen Leben beschenkt worden und haben
Teil an der Auferstehung Christi. Im österlichen Credo bekräftigen wir
unsere Taufzustimmung. Nach entsprechender Vorbereitung in der Fastenzeit
kann die österliche Tauferneuerung so die Wasserscheide einer echten Umkehr
bedeuten.
Es ist die Zeit der Gnade, die Zeit, in der jeder Christ bewusst auf dem
Grund seiner Hoffnung steht.
Markus Finke
Studierende schreiben für den "Sonntag“Theologiestudierende schreiben für Leserinnen und Leser des Sonntag“: Die
Serie über das Sakrament der Umkehr und Versöhnung entsteht in
Zusammenarbeit mit dem Institut für Moraltheologie an der
Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.
»www.univie.ac.at/ktf«
Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 7 der aktuellen Ausgabe von "Der
Sonntag" Nr. 13 vom 29. 3. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).
27.03.2009 |