Ausgabe Nr. 06 - 12.02.2012
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Wer sich versöhnen will, muss verzeihen können
Versöhnung mit Gott verlangt Versöhnung mit den Mitmenschen. Gottes Versöhnungswerk gelingt nicht, wo Versöhnungsbedürftiges verdrängt wird.

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Versöhnung funktioniert nicht, wenn nicht wahrgenommen wird, was sich verändern soll. Gott versöhnt, indem er die Wahrheit zumutet.

Im Sakrament der Beichte schenkt Gott uns Versöhnung. Diese Versöhnung umfasst nicht nur eine Versöhnung mit Gott, sondern auch mit Anderen, an denen wir schuldig geworden sind, und mit uns selbst (mit der eigenen Geschichte).

Dabei dürfen diese Aspekte nicht von einander getrennt werden, sie bilden letztlich eine Einheit. Die Grunderfahrung der Menschen in der Bibel kommt dadurch zum Ausdruck, dass Gott trotz Zweifel und Untreue seiner Geschöpfe immer wieder zur Versöhnung bereit ist.

Aber nicht nur das: Gott, den wir Vater nur insofern nennen können, als wir ihn als unser aller Vater anerkennen, fordert von uns die gegenseitige zwischenmenschliche Versöhnung, die er sogar als Voraussetzung für jegliche Versöhnung mit ihm fordert: Man kann sich nicht einfach bloß in einem inneren religiösen Akt mit Gott versöhnen, ohne dass man sich nicht auch mit jenen versöhnt, mit denen man im Streit liegt oder bei denen man in Schuld steht.

Es geht um eine neueGrundeinstellung

Die radikale Forderung Jesu: ”Geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder oder deiner Schwester. Dann komm zurück und bring deine Opfergabe dar“ (vgl. Mt 5, 24), zielt auf eine neue Grundeinstellung zum Mitmenschen, weil sie mehr will als eine wörtliche Erfüllung. Wenn wir an einen Galiläer denken, der mit seiner Opfergabe in den Tempel nach Jerusalem mehrere Tage unterwegs ist und dann dort die Aufforderung hört, sich zuerst mit dem Bruder zu versöhnen, wird klar, dass diese Versöhnung für ihn mit einer mehrtägigen Rückreise verbunden ist. In Galiläa wohnt sein Bruder, und es geht nicht nur um bloße Wiedergutmachung, sondern um sehr viel mehr: Die Beziehung soll wieder aufgenommen werden. Erst nach der Versöhnung mit dem Bruder, kann er sich wieder auf den Weg in den Tempel (zur Versöhnung mit Gott) begeben.

Die Rückreise nach Galiläa ist mehr als ein unbequemer Weg nach Hause, sie ist ein Zeichen für die persönliche Umkehr. Nur so kann die existentielle Spannung zwischen dem, was man ist und was man sein sollte, gemildert werden.

Doch was geschieht, wenn mein Bruder nicht mehr da ist, oder wenn er mir die Tür verschließt? Wenn meine Bemühungen ins Leere laufen? Wenn mein Weg umsonst war? Doch war er wirklich umsonst? Nein, indem ich mich ehrlich bemühe, gestaltet sich für mich der Weg der Versöhnung, in dem Gott mich stützt.

Auch Menschen, die von Anderen verletzt und gedemütigt wurden und Groll, Hass und Schmerz empfinden, suchen nach einem seelsorgerlichen Gespräch. Diese Gefühle zu überwinden und in Liebe zu verwandeln, ist oft ein langer Weg, auf dem es viel Unterstützung bedarf und der erst im Gebet gelingen kann. Wenn ich mein Unvermögen spüre, auf dem Weg der Versöhnung weiterzugehen, kann Gottes Zusage mir helfen, das nötige Selbstwertgefühl zurückzuerlangen, das eine Versöhnung mit dem eigenen Schicksal und vielleicht auch mit den Menschen, die mir tiefe Wunden zugefügt haben, möglich macht.

Verzeihung erbitten und selbst verzeihen
Sich mit Gott zu versöhnen gelingt dem Menschen dann, wenn er selber ein Mensch der Versöhnung sein will, wenn er bereit ist, den Nächsten um Vergebung zu bitten (was heutzutage immer schwerer fällt) und denen zu verzeihen, die ihm Unrecht getan haben. Das Bewusstsein, dass der Mensch selber immer wieder Fehler begeht und insofern trotz aller Selbstbemühung auf Vergebung angewiesen ist, soll ihm helfen, die ersten Schritte zu machen. Die ersten Schritte nach Galiläa, um sich mit dem Mitmenschen zu versöhnen.    

Yohanes Monteiro
Theresia Kinast

Studierende schreiben für den ”Sonntag“

Theologiestudierende schreiben für Leserinnen und Leser des ”Sonntag“: Die Serie über das Sakrament der Umkehr und Versöhnung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Institut für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.
»www.univie.ac.at/ktf«





Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 7 der aktuellen Ausgabe von "Der Sonntag" Nr. 12 vom 22. 3. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).

20.03.2009

Kurz notiert

„Stolz, Christ zu sein”

Für Popsänger Justin Bieber wäre die Welt ohne Jesus Christus „ein verlorener Ort”: „Ich bin stolz, Christ zu sein”, sagte der 17-Jährige der deutschen Zeitung „Bild am Sonntag”.

Er bete jeden Tag, so der Sänger, der neuerdings eine Tätowierung mit dem Antlitz Jesu nach einem Rubens-Gemälde auf der linken Wade trägt. Auch vor jedem seiner Auftritte spreche er Gebete auf Englisch und Hebräisch.

Das gebe ihm „die Kraft, die ich brauche, um jeden Tag alles geben zu können”. Zu Hause in Kanada gehe er, meist mit seinem Vater, regelmäßig in den Gottesdienst.