 Versöhnung funktioniert nicht, wenn nicht wahrgenommen wird, was sich verändern soll. Gott versöhnt, indem er die Wahrheit zumutet.
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Im Sakrament der Beichte schenkt Gott uns Versöhnung. Diese Versöhnung
umfasst nicht nur eine Versöhnung mit Gott, sondern auch mit Anderen, an
denen wir schuldig geworden sind, und mit uns selbst (mit der eigenen
Geschichte).
Dabei dürfen diese Aspekte nicht von einander getrennt werden, sie bilden
letztlich eine Einheit. Die Grunderfahrung der Menschen in der Bibel kommt
dadurch zum Ausdruck, dass Gott trotz Zweifel und Untreue seiner Geschöpfe
immer wieder zur Versöhnung bereit ist.
Aber nicht nur das: Gott, den wir Vater nur insofern nennen können, als wir
ihn als unser aller Vater anerkennen, fordert von uns die gegenseitige
zwischenmenschliche Versöhnung, die er sogar als Voraussetzung für jegliche
Versöhnung mit ihm fordert: Man kann sich nicht einfach bloß in einem
inneren religiösen Akt mit Gott versöhnen, ohne dass man sich nicht auch mit
jenen versöhnt, mit denen man im Streit liegt oder bei denen man in Schuld
steht.
Es geht um eine neueGrundeinstellung
Die radikale Forderung Jesu: ”Geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem
Bruder oder deiner Schwester. Dann komm zurück und bring deine Opfergabe
dar“ (vgl. Mt 5, 24), zielt auf eine neue Grundeinstellung zum Mitmenschen,
weil sie mehr will als eine wörtliche Erfüllung. Wenn wir an einen Galiläer
denken, der mit seiner Opfergabe in den Tempel nach Jerusalem mehrere Tage
unterwegs ist und dann dort die Aufforderung hört, sich zuerst mit dem
Bruder zu versöhnen, wird klar, dass diese Versöhnung für ihn mit einer
mehrtägigen Rückreise verbunden ist. In Galiläa wohnt sein Bruder, und es
geht nicht nur um bloße Wiedergutmachung, sondern um sehr viel mehr: Die
Beziehung soll wieder aufgenommen werden. Erst nach der Versöhnung mit dem
Bruder, kann er sich wieder auf den Weg in den Tempel (zur Versöhnung mit
Gott) begeben.
Die Rückreise nach Galiläa ist mehr als ein unbequemer Weg nach Hause, sie
ist ein Zeichen für die persönliche Umkehr. Nur so kann die existentielle
Spannung zwischen dem, was man ist und was man sein sollte, gemildert
werden.
Doch was geschieht, wenn mein Bruder nicht mehr da ist, oder wenn er mir die
Tür verschließt? Wenn meine Bemühungen ins Leere laufen? Wenn mein Weg
umsonst war? Doch war er wirklich umsonst? Nein, indem ich mich ehrlich
bemühe, gestaltet sich für mich der Weg der Versöhnung, in dem Gott mich
stützt.
Auch Menschen, die von Anderen verletzt und gedemütigt wurden und Groll,
Hass und Schmerz empfinden, suchen nach einem seelsorgerlichen Gespräch.
Diese Gefühle zu überwinden und in Liebe zu verwandeln, ist oft ein langer
Weg, auf dem es viel Unterstützung bedarf und der erst im Gebet gelingen
kann. Wenn ich mein Unvermögen spüre, auf dem Weg der Versöhnung
weiterzugehen, kann Gottes Zusage mir helfen, das nötige Selbstwertgefühl
zurückzuerlangen, das eine Versöhnung mit dem eigenen Schicksal und
vielleicht auch mit den Menschen, die mir tiefe Wunden zugefügt haben,
möglich macht.
Verzeihung erbitten und selbst verzeihen
Sich mit Gott zu versöhnen gelingt dem Menschen dann, wenn er selber ein
Mensch der Versöhnung sein will, wenn er bereit ist, den Nächsten um
Vergebung zu bitten (was heutzutage immer schwerer fällt) und denen zu
verzeihen, die ihm Unrecht getan haben. Das Bewusstsein, dass der Mensch
selber immer wieder Fehler begeht und insofern trotz aller Selbstbemühung
auf Vergebung angewiesen ist, soll ihm helfen, die ersten Schritte zu
machen. Die ersten Schritte nach Galiläa, um sich mit dem Mitmenschen zu
versöhnen.
Yohanes Monteiro
Theresia Kinast
Studierende schreiben für den ”Sonntag“
Theologiestudierende schreiben für Leserinnen und Leser des ”Sonntag“: Die
Serie über das Sakrament der Umkehr und Versöhnung entsteht in
Zusammenarbeit mit dem Institut für Moraltheologie an der
Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.
»www.univie.ac.at/ktf«
Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 7 der aktuellen Ausgabe von "Der
Sonntag" Nr. 12 vom 22. 3. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).
20.03.2009 |