Gottes Liebe ist größer als die Sünde © bbox, rg

Über den Unterschied von Schuld und Sünde, über Selbstreflexion, die Macht des Bösen und falsche Schuldkomplexe – und über das Vertrauen auf die Liebe Gottes.

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Realistisch auf den ”Kern“ der eigenen Verfehlungen blicken zu können, macht Platz für Reue, Wiedergutmachung und An-nahme der Vergebung durch Gott.

Wenn wir im Alltag behaupten, jemand sei schuldig, dann meinen wir, dass er unverantwortlich gehandelt hat: Er hat seine Verantwortung in einer bestimmten Situation nicht wahrgenommen. Dabei setzen wir eine gewisse Einsicht in Gut und Böse, Recht und Unrecht und einen freien Entschluss voraus. Deshalb können Kinder nur teilweise für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Begriff Sünde unterscheidet sich insofern von Schuld, als er einen wichtigen Aspekt noch hinzufügt: die religiös-personale Dimension. Alles, was wir denken und tun, hat auch Auswirkungen auf unser Verhältnis zu Gott. Im Kern jedes Handelns drückt sich aus, ob wir Gottes Liebe annehmen und ihn, uns selbst und die anderen Menschen lieben.

Schuldgefühle:
Wie damit umgehen?
Meist beschäftigen uns aber nicht theoretische Überlegungen zu Schuld und Sünde, sondern die eigenen Schuldgefühle. Da ist es erst einmal wichtig zu erkennen, was denn überhaupt falsch gelaufen ist. Hierzu dient vor allem Selbstreflexion, aber auch das Gespräch mit Freunden oder einem Seelsorger. Es ist nach dem Kern des Fehlverhaltens zu suchen, damit es nicht bei diffusen Schuldgefühlen bleibt oder gar oft falsche Schuldkomplexe erzeugt werden. So muss z.B. ein viel beschäftigter Elternteil erst einmal erkennen, dass die Gereiztheit und Ungeduld im alltäglichen Familienleben nur die ”Spitze eines Eisberges“ darstellt. Was verbirgt sich in Wirklichkeit darunter? Sehr oft die Tatsache, dass man die eigene Karriere über alles stellt und damit das Liebesgebot der Familie gegenüber vernachlässigt. Das reflektierte Schuldbewusstsein mündet in einen realistischen Blick auf den Kern der eigenen Verfehlungen und macht Platz für Reue, Wiedergutmachung und Annahme der Vergebung durch Gott.

Vergebliches Mühen?
Doch ist nicht alles Mühen vergeblich, weil wir nie perfekt sein können? Die menschliche Erfahrung zeigt uns, dass wir eine gewisse Neigung zum Bösen haben. Auch wenn wir  wissen, was gut ist, wählen wir trotzdem oft das Gegenteil. Die persönliche Wahl wird zusätzlich durch die gesellschaftlichen Umstände erschwert, weil wir um Gutes zu bewirken oft auch das Böse in Kauf nehmen müssen.

So ist es die Erfahrung vieler in Wirtschaft und Politik, die sich um Gerechtigkeit bemühen, dass sie sich scheinbar nur dann durchsetzen können, wenn sie selber ”hart“ vorgehen. Seinen Weg zu gehen und dennoch auch im Sinne einer christlichen Nächstenliebe seinen Konkurrenten gegenüber zu handeln, ist eine enorme Herausforderung, die wohl nie perfekt zu bewältigen ist. Und doch liegt es in der eigenen Verantwortung, dies immer wieder (neu) zu versuchen. Die seelsorgliche Begleitung, die Feier der Liturgie, der Bußgottesdienst und vor allem das Beichtgespräch können dabei wesentliche Hilfe sein.

Ratzinger und Paulus
”Niemand hat die Möglichkeit, an einem perfekten ,Punkt Null‘ anzufangen und sein Gutes in völliger Freiheit zu entwickeln“ (Ratzinger, Einführung in das Christentum). Wir dürfen aber darauf vertrauen, dass die Liebe Gottes größer als unsere Sünde ist, wie der Apostel Paulus verkündet: ”Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“ (Röm 5,8).
     Marco Klein

Studierende schreiben für den ”Sonntag“

Theologiestudierende schreiben für Leserinnen und Leser des ”Sonntag“: Die Serie über das Sakrament der Umkehr und Versöhnung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Institut für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.
»www.univie.ac.at/ktf«





Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 7 der aktuellen Ausgabe von "Der Sonntag" Nr. 11 vom 15. 3. 2009 (erhältlich in Ihrer Kirche).

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