Ausgabe Nr. 20 - 20.05.2012
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Reden über Gott am Stadtrand
„Mit wem lerne ich, über meinen Glauben zu reden?”, heißt es im „Hirtenbrief”. Am Stadtrand von Wien gibt es einmal im Monat eine solche Lerngemeinschaft im Glauben.

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Hauskirche: Monatliches Reden über den (eigenen) Glauben.

Ein Juniabend, 18.45 Uhr, in einer Pfarre im 22. Wiener Gemeindebezirk. Noch deutet an diesem Abend nichts darauf hin, dass sich in wenigen Minuten in einem Wohnhaus der Familie Bredl Frauen und Männer einfinden werden, um über ihre Glaubenserfahrungen zu reden.

„Frömmigkeit oder Frömmelei”, so lautet der etwas sperrige Titel für diesen so genannten „Impulsabend”. Langsam treffen die ersten ein und werden von Agnes und Martin Bredl begrüßt. Viele kennen einander.

Im geräumigen Wohnzimmer wird irische Musik gespielt, Kerzen beleuchten das kultiviert aufgebaute Buffet – mit Brötchen, Kuchen, Mehlspeisen. Wenige Minuten vor 19 Uhr trifft P. Thiemo Klein LC ein.

Was heißt „fromm”?

Am Beginn seines Impulsvortrags zitiert P. Thiemo aus einem – wie er sagt – „schlauen Buch” – aus dem „You-Cat”, konkret Nr. 497: „Rund um große Heilige haben sich besondere Schulen der Frömmigkeit herausgebildet, die wie die Farben des Spektrums alle auf das reine Licht Gottes hinweisen. Alle setzen sie bei einem Urelement des Glaubens an, um durch jeweils ein anderes Tor in die Mitte des Glaubens und der Hingabe an Gott zu führen. So setzt die franziskanische Spiritualität bei der Armut im Geist, die benediktinische beim Gotteslob und die ignatianische bei der Entscheidung und der Berufung an.”

„Frömmigkeit hat mit dem Heiligen Geist zu tun. Frömmigkeit gibt dem Geist Raum”, erklärt P. Thiemo: „Wer durchdrungen ist vom Heiligen Geist, der ist auch durchdrungen von der Liebe Gottes.”

Franz von Assisi sei ein gelungenes Beispiel für lebendige Frömmigkeit. „Er war authentisch in seinem Christsein.” Frömmlerisch sei hingegen die  „äußere Nachahmung von frommen Tätigkeiten”. Konkret handle es sich um den Anschein authentischer Spiritualität, ohne eine Christusbeziehung zu leben.

„Frömmigkeit ist doch heute ziemlich uncool”, sagt Martin Bredl. „Dabei müssen wir nur authentisch leben”, erwidert P. Thiemo. Es sei ein unausrottbares und falsches Vorurteil, „dass jene frömmlerisch sind, die in die Kirche gehen”. Denn fromme Menschen gehen mit Klugheit durch das Leben.

„Frauen-Bibelkreis”

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Beichte an einem ungewöhnlichen Ort – im „Büro” von Agnes Bredl.

14 Frauen und Männer sind an diesem Abend anwesend. Manchmal sind es auch 30. Nach dem Impulsvortrag gibt es die Möglichkeit, Fragen zu stellen, während des Buffets die Möglichkeit zum Empfang des Bußsakraments im „Büro” von Agnes Bredl.

„Viele beginnen, wieder zur Beichte zu gehen”, erzählt sie. Das Prinzip der „Impulsabende” ist einfach: Man lädt Freunde ein und spricht mit ihnen über den Glauben. Glaube wird (mit-)geteilt. Die Zusammenkunft ist eine konkrete Antwort auf die Anonymität der Großstadt.

„Christ sein kann man nicht allein”, sagt Agnes Bredl, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Martin die Abende organisiert. Neben den monatlichen „Impulsabenden” – mit wechselnden Themen – gibt es in dieser „Hauskirche” noch einen monatlichen „Vertiefungskreis” („Studienkreis” genannt), der – aufbauend – tiefer in den katholischen Glauben einführt,  sowie einen monatlichen „Frauen-Bibelkreis” und einmal im Monat auch einen „Brunch”, bei dem „über Gott und die Welt gesprochen wird”.

Glauben vertiefen

Einer der Teilnehmer an diesem Abend ist Kurt Oberleuthner. Der Landwirt aus der Pfarre Pottendorf kam extra nach Wien. Bei den Impulsabenden ist er öfter. „Mir geht es darum, im Austausch, im Gespräch, in der Begegnung mit meinen Glaubensgeschwistern meinen Glauben zu vertiefen. Es ist eine gegenseitige Bereicherung und ein Beschenktwerden. Hier schöpfe ich Kraft für meinen Alltag, hier tanke ich spirituell auf.”

Schon einige Male dabei war Birgit Fertl (Wien 22). Sie gehört seit 15 Jahren zur ökumenischen Gemeinschaft „Umkehr zum Herrn”. „Gottes Wort ist der Maßstab für das Handeln”, sagt sie: „In der Heiligen Schrift, in der Bibel, finde ich Antworten für mein Leben.” Sie kommt zu den „Impulsabenden”, weil sie sich „gern mit Gott befasst”.

Gegen 22 Uhr verabschieden sich die ersten. An diesem Abend haben fünf das Bußsakrament empfangen.

(Kron)

07.07.2011