Ausgabe Nr. 20 - 20.05.2012
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angefragt: Immer nur dienen?
Wie ist das mit dem Christsein und dem Herrschen?

Frage: In der Kirche ist sehr viel vom Dienen die Rede, auch wenn offen oder verdeckt geherrscht wird. Wie ist das mit dem Christsein und dem Herrschen?

Antwort:
Der Umgang mit Macht ist eine große Herausforderung für jede Gesellschaft. Macht verführt zu Machtmissbrauch. Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut, sagte Lord Acton.

Vor diesem Hintergrund zeigt Jesus eine christliche Alternative auf: ”Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.

Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll eurer Sklave sein“ (Mt 20,25). Und gleich darauf: ”Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen“ (Mt 20,28). Eine Welt ohne Machtmissbrauch ist so eine der großen Visionen des Christentums.

Das aber ist etwas ganz anderes, als wenn im kirchlichen Jargon Christen recht unterschiedslos zum Dienen ermahnt werden, dieses also zu einem Zentralwert geworden ist. Dienen kann in einer Ego-Gesellschaft ein durchaus großartiges Gegenprogramm sein. Doch wenn sich die Ermahnung zum Dienst an die Schwächeren (besonders auch die Frauen) und nicht an jene richtet, die Macht haben, wird sie selbst zum Herrschaftsinstrument, zu einer manipulativen Formel, die gesundes Selbstbewusstsein verhindert und zu einer recht unangenehmen Duckmäuserei führen kann. Es geht nicht mehr um eine Umkehr der Werte, wie im Evangelium, sondern um die Stabilisierung von Macht.

Es braucht Unterscheidung: Folge ich in Freiheit dem Vorbild Jesu – oder lasse ich mich von anderen in eine falsche Haltung der Unterwerfung hineinmanipulieren, die mich unfrei und frustriert macht?

Und als Gegenprobe: Kann ich, wenn es notwendig ist, am rechten Ort und zur rechten Zeit auch Kritik anbringen?

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Univ.-Prof. Mag. Dr. Ingeborg Gabriel

ist Vorstand des Institutes für Sozialethik, Theol. Fakultät, Uni Wien.










Diesen Bericht lesen Sie auf Seite 18 der aktuellen Ausgabe von "Der Sonntag" Nr. 41 vom 12. 10. 2008 (erhältlich in Ihrer Kirche).

10.10.2008