Ausgabe Nr. 06 - 12.02.2012
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Glauben vertieft, Horizont erweitert
Justyna Okolowicz, Theologie-Studentin, war ein Jahr als „Missionarin auf Zeit” im ostafrikanischen Tansania – und schrieb eine monatliche Kolumne im „Sonntag”. Nach Wien zurückgekehrt, erzählt sie von ihren Erfahrungen.

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Gemeinschaft hat in Tansania einen sehr hohen Stellenwert.

In einem mittelgroßen Rucksack hatte alles Platz: Gewand, Zahnputzzeug, die Bibel. Das Jahr in Tansania war eine Umstellung auf eine sehr einfache Lebensweise – und auf eine ganz andere Lebenskultur. „Mitleben, mitarbeiten, mitbeten” lautet das Motto des „maz-Projektes” des Salvatorianerordens, an dem die Wienerin Justyna Okolowicz teilgenommen hat.

„maz” steht für „Missionar auf Zeit”. Die Theologie-Studentin arbeitete zunächst in einer kleinen Schwesterngemeinschaft in Lukuleli, dann mehr als 350 Kilometer Luftlinie weiter nördlich am Salvatorianischen Institut für Philosphie und Theologie in Morogoro.

Christus in den Menschen begegnen

Die christliche Mission in Tansania ist noch jung – etwa 100 Jahre, schätzt Okolowicz. Mit den Augen des Glaubens hat die Studentin die ganz andere Kultur wahrgenommen – mit ihren positiven und negativen Seiten. 

Spirituell sei sie in diesem Jahr sehr gewachsen. Noch wichtiger sei ihr das Gebet geworden – als Quelle der Kraft für die Arbeit – und ebenso, „Christus in den anderen zu begegnen”.

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Diakonenweihe in Morogoro.

Das Gespräch habe in der tansanischen Kultur einen ganz hohen Stellenwert: „Die Menschen lesen dort nie in ihrer Freizeit oder zum Vergnügen, aber alle sprechen miteinander. Das persönliche Gespräch ist die wichtigste Form der Kommunikation dort”, berichtet Okolowicz.

„Wenn dagegen bei uns fünf Leute auf einer Parkbank sitzen, die einander nicht kennen, ist jeder nur für sich, liest jeder ein Buch oder eine Zeitung.” Bei der Begrüßung sei es in Tansania üblich, gleich nach der Familie zu fragen, nach dem Namen, der Verwandtschaft, dem Wohlbefinden, der Arbeit – auch wenn man den Gesprächspartner gar nicht kenne. „Bei uns würde das als aufdringlich gelten.”


Beeindruckend sei, dass alten Menschen hoher Respekt gezollt werde – unabhängig davon, ob jemand bereits senil oder sehr gebrechlich sei. „Auch behinderte Menschen sind voll in die Dorfgemeinschaften integriert, da wird niemand ausgegrenzt.”

Zugang zu Bildung

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Justyna Okolowicz bei der Medikamentenausgabe.

Frauen hingegen „haben in Tansania wenig bis nichts zu melden”, sagt Okolowicz: „Sie stehen unter dem Schutz des Mannes, und Kinderreichtum ist das Wichtigste.” Das sei für die Frauen selbstverständlich.

„Wichtig wäre ein besserer Zugang zu Bildung”, vor allem für Frauen, aber auch für Männer: Im Dispensary, einer Art Krankenstation mit Medikamentenausgabe in Lukuleli, seien nicht nur die hygienischen Zustände verbesserungswürdig, sondern auch die Kompetenz des Personals. „Zum Teil habe ich mich besser ausgekannt als der Arzt”, sagt die Nicht-Medizinerin Okolowicz.

Sex, Treue, Zölibat

Ein weiteres Problem sei die Treue in Beziehungen: Dass Männer sexuelle Kontakte zu mehreren Frauen haben, sei durchaus üblich – und nicht zuletzt ein Problem bei der Bekämpfung von AIDS. „Hier muss erst eine Beziehungskultur wachsen, in die christliche Werte eingestiftet sind.”

Das betreffe auch den Zölibat: „Wer ehelos und enthaltsam lebt – um des Himmelreiches willen – muss hier gegen den Strom schwimmen”, sagt die Theologin.

Durch Erfahrungen in Tansania habe sie biblische Texte neu verstehen gelernt: „Seit ich erlebt habe, wie wichtig den Massai, einer halbnomadischen Volksgruppe,  ihre Kühe sind – sie sind die Lebensgrundlage –, verstehe ich, wie konkret das Gleichnis Jesu von den 99 Schafen und dem einen verlorenen ist.”

In den nächsten Monaten wird Justyna Okolowicz in einer Kolumne im „Sonntag” auf ihre Erfahrungen in Tansania zurückblicken.

(red)

09.09.2010

Kurz notiert

Putin als Baby getauft

Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin ist als Baby gegen den Willen seines Vaters heimlich getauft worden.

Seine Mutter habe ihn im Alter von eineinhalb Monaten in der Christ-Verklärungs-Kirche in Sankt Petersburg taufen lassen, in deren Nähe sie wohnten, sagte Putin nach dem Besuch des dortigen Weihnachtsgottesdienstes nach Angaben der Regierung.