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Völkerkunde – heute spricht man von Ethnologie bzw. Kultur- und Sozialanthropologie – ist ein faszinierendes Sachgebiet, das auf vielen Universitäten gelehrt wird, in Österreich lediglich an der Universität Wien. Dort ist sie ein Schwerpunkt der Lehrtätigkeit. Dies zieht immer wieder Studenten aus benachbarten Ländern an, und es erscheinen hier auch immer wieder Publikationen zur Weltregion Ozeanien.
Ein jüngst erschienenes Werk trägt den Titel „Mission in Ozeanien”. Der Autor, Univ.-Prof. Dr. Hermann Mückler, ermöglicht dem/r Leser/in die Geschichte und Arbeit der christlichen Missionare aus dem Blickwinkel des Ethnologen zu betrachten.
Die Idee dieses Buch in Angriff zu nehmen – alle Unterlagen zusammenzutragen, dauerte Jahre – kam Mückler, als er auf einer kleinen Südseeinsel auf die Grabsteine von Missionsangehörigen stieß, deren kurzer Text ihm bewusst machte, was für Schicksale dahinter stehen.
Beschränkt hat sich der Autor auf die Entwicklung der protestantischen und katholischen Missionierung von deren Beginn bis zum 2. Weltkrieg. Ein Folgeband wäre wünschenswert.
Deutlich kommt zum Ausdruck, dass vielfach Gesundheit und Leben für die Verbreitung des Christentums eingesetzt wurden, dass die Missionsgesellschaften für die Entwicklung der Pazifischen Inselwelt durch Errichtung und Betreibung von Schulen, Spitälern, Straßen und Landeplätzen oft mehr Ressourcen eingesetzt haben als staatliche Stellen.
Mückler spart aber auch nicht mit Kritik und nennt konkrete Beispiele: etwa die enge Kooperation mit den Kolonialmächten auf Kosten der Indigenen, das Unverständnis gegenüber den Bedürfnissen der Einheimischen und die Teilnahme an Strafexpeditionen. Dass heute Katholiken, Lutheraner, Methodisten und Anglikaner im Pazifischen Raum eng zusammenarbeiten, ist erst eine Errungenschaft der letzten Jahrzehnte. Davor herrschte oft Gegnerschaft statt christlicher Nächstenliebe.
Der zweite Teil des Buches bringt kurze Lebensläufe von gezählten 831 Missionaren und Missionarinnen aus der Pionierzeit bis heute. Dieser Buchabschnitt ist wegen der beschriebenen Schicksale lesenswert – und beweist Akribie und Ausdauer des Autors.
Für jeden, der an Missionsgeschichte und Ozeanien interessiert ist, ein empfehlenswertes Buch.
(red)