Damit es in Wien nicht frostig wird © kathbild.at/Rupprecht

Wahlkampf: Nach dem Pastoralrat der Erzdiözese Wien meldet sich nun auch der Wiener KA-Präsident Rembert Schleicher zu Wort.

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Politik und Polarisieren ist ein Widerspruch in sich: Politik betrifft das Gemeinwesen – also alle. Polarisierungen ruinieren politisches Handeln.

Schon im weiteren Vorfeld der Wahlen hat der Pastoralrat der Erzdiözese Wien an alle politisch und medial Tätigen appelliert, in der politischen Auseinandersetzung die Worte mit Bedacht so zu wählen, dass niemand aus Gründen der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion, des kulturellen Hintergrundes oder der Weltanschauung in seiner persönlichen Würde verletzt wird.

Polarisierende Politik ist „Selbstbeschädigung”

Nun hat sich auch der Präsident der Wiener Katholischen Aktion (KA), Rembert Schleicher, zu Wort gemeldet. Eine auf Polarisierung ausgerichtete Politik laufe letztlich auf eine „Selbstschädigung” hinaus, weil sie das gesellschaftliche Klima zum Schaden aller vergifte, betonte Schleicher.

Angesichts mancher Auswüchse von Rechtspopulisten müsse an den Appell „Wehret den Anfängen!” erinnert werden, habe doch die Geschichte gezeigt, welch fatale Folgen eine Politik habe, die auf Vorurteilen und Sündenbockdenken basiert. Wer dazu schweige, mache sich an bedenklichen Entwicklungen mitschuldig, so Schleicher.

Statt die Chancen „positiver Politik” zu nützen, herrscht nach dem Eindruck des KA-Präsidenten Parteikalkül und Stimmenfang durch Herabwürdigung anderer vor. Von dieser Kritik nehme er keine der wahlwerbenden Gruppen aus, sagt Schleicher. Er erinnert an den in der Solidarnosc-Bewegung aktiven polnischen Philosophen und Priester Jozef Tischner, der eine konstruktive Politik mit dem Satz eingefordert habe: „Die beste Opposition ist die Proposition.”

Konstruktive Vorschläge zum Wohle aller statt gruppenegoistisches Streben nach Macht müsse auch Oppositionsparteien abverlangt werden, betonte Schleicher.

Scharfe Kritik an FPÖ-Plakaten

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KA-Präsident Schleicher kritisiert Parteikalkül und Stimmenfang.

Bereits am Mittwoch hatte eine Reihe österreichischer Katholiken und Theologen in einer schriftlichen Erklärung gegen die „Wiener Blut”-Plakate der FPÖ protestiert. Für Wahlkampfzwecke das eigene „Blut” dem „Fremden” entgegenzusetzen, sei aus ethischer Sicht obszön und auf das schärfste zu verurteilen, heißt es in der Erklärung. Die Unterzeichner wenden sich „gegen eine Politik, die mit Anspielungen auf das Rassedenken auf Stimmenfang geht”.

Unterstützt wird die Erklärung unter anderem von Luitgard Derschmidt, Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, dem Abt von Stift Altenburg, Christian Haidinger, dem Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Wien, Martin Jäggle, dem Rektor der Universität Salzburg, Heinrich Schmidinger, und dem Pastoraltheologen Paul Zulehner. 

Sie alle erinnern daran, dass das Argument des „Blutes” schon einmal zu Ausgrenzung, Diskriminierung und Vernichtung gedient habe. „Der Wahn des modernen Rassismus und Antisemitismus, der die ‚völkische Blutsreinheit’ gegen die Verunreinigung durch das fremde, ‚nichtarische Blut’ setzte, führte letztlich zum Massenmord an Juden, Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten. Gerade aus der historischen Verantwortung Österreichs dafür ergibt sich heute die Pflicht, einem solchen Denken entschieden entgegenzutreten und ihm keinen Platz zu gewähren”, heißt es in der Erklärung.

In seinem Appell im vergangenen Juni hat der Pastoralrat der Erzdiözese ausdrücklich vor der Gefahr der Polarisierungen gewarnt, die das friedliche Miteinander in der Stadt nachhaltig gefährden.

„Wir sehen in der Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern, die bei uns leben, eine Bereicherung. Es ist eine Chance, uns zu öffnen und zugleich unsere Werte glaubwürdig zu bezeugen”, wird betont.

Um dieses Ziel zu erreichen, häten die politisch Veranwortlichen die Voraussetzungen für ein gedeihliches Zusammenleben zu schaffen, damit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen in gegenseitigem Respekt miteinander leben können.

(red)

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