Staat, Familien und „coole Väter” in Karenz © BilderBox

Familienpolitik, Kindeserziehung und Rollenverteilung von Mann und Frau: eine abendliche Diskussion und ein politischer Schlagabtausch über Putzen und Wäschewaschen.

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Mütter und Väter in Kindererziehung und Hausarbeit: ein Thema, das in manchen Familien, aber auch in der Politik Wellen schlägt.

Eine „bestmögliche Unterstützung für die individuelle Lebenssituation der Familien” mit entsprechenden Service- und Beratungseinrichtungen steht für Familienstaatssekretärin und Wiener ÖVP-Chefin Christine Marek im Vordergrund: „Es geht mir um ein breites Angebot für Familien, das sich an christlich-sozialen Werten orientiert”, sagte Marek bei einem Diskussionsabend mit dem Präsidenten des Katholischen Familienverbands Österreich (KFÖ), Clemens Steindl.

Eine diskutierte „Ehe light” – ausgestattet „nur mit Rechten, aber mit reduzierten Pflichten” wie etwa in Frankreich – schloss die ÖVP-Chefin allerdings aus.

Zur aktuellen Obsorgediskussion sagt Marek: Was die Präsenz der Väter und deren Kontakt mit den Kindern nach einer Trennung betrifft, „haben wir viel zu tun”. Dies sei aber mit einer gemeinsamen Obsorge allein nicht zu lösen: „Es geht auch um andere Rahmenbedingungen.” Beispiel: „Ob es einen Pflegeurlaubsanspruch gibt, wenn der zweite Elternteil nicht mehr zu Hause wohnt.”

Kindererziehung nicht abgeben

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Christine Marek ist Familien-Staatssekretärin.

„Kindererziehung ist eine der größten Herausforderungen des Lebens überhaupt”, sagte Marek, die selbst alleinerziehend ist.

Sie appellierte, Eigenverantwortung wahrzunehmen und etwa Kindeserziehung nicht an Institutionen wie die Schule abzugeben. KFÖ-Präsident Steindl gab dazu zu bedenken, Familien stünden unter mehrfachem Druck und benötigten zur Bewältigung auch die Unterstützung durch öffentliche Institutionen.

Die Wiener ÖVP-Chefin will Eltern „Stärkung” auf freiwilliger Basis bieten: „Hilfe zur Selbsthilfe” und Elternbildung seien zentrale Punkte der Familienpolitik, so Marek.

Zweifel an „Regierungswillen”

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Clemens Steindl ist Präsident des Katholischen Familienverbandes.

Scharfe Kritik äußerte KFÖ-Präsident Steindl an der mangelnden Honorierung der Leistungen von Familien: „Jedes Budget ist in Zahlen gegossener Ausdruck des Regierungswillens”, erklärte Steindl. „Österreichs Eltern fühlen sich zu wenig wertgeschätzt. Sie sind ein volkswirtschaftlicher Leistungsfaktor, der in dieser Funktion nicht ausreichend gewürdigt wird.”

Es gehe hier nicht um Zuwendungen, sondern um Entschädigung für eine erbrachte Leistung.

Marek dagegen sieht in Österreich Familienleistungen „in einem Ausmaß honoriert, wie es selten in einem Land der Fall ist” – und verweist etwa auf das Kinderbetreuungsgeld und den pensionsbegründenden Anspruch von Kindererziehungszeiten. Weitere Möglichkeiten sieht die Staatssekretärin in Steuervergünstigungen.


Kontroverse um Väter

Zur Rolle der Väter meldete sich auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek zu Wort.

Sie präsentierte die „Zeitverwendungsstudie 2010”, wonach sich zwar  immer mehr Väter an Hausarbeit und Kindererziehung beteiligen, allerdings dort, wo es „soziale Anerkennung” gebe: Einkaufen, Kochen und „mit den Kindern Spielen” stehen demnach bei Männern hoch im Kurs, kaum jedoch Aufräumen, Putzen, Waschen oder Bügeln.

„Ich will nicht, dass sich Männer nur die Rosinen herauspicken”, sagte die Ministerin, die zugleich für die Väterkarenz wirbt: „Es soll cool und schick werden, dass Väter in Karenz gehen.”

Marek konterte auf den „Rosinen-Sager” umgehend per Aussendung und vermutet in den Aussagen der Ministerin „das offizielle Väterbild der SPÖ”. Marek, die sich aktive Familienväter wünscht: „Zu glauben, dass wir die Männer ins Boot holen können, indem wir sie ständig anschütten, ist ein Irrglaube.”

(red)

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