Ausgabe Nr. 37 - 12.09.2010
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Ärzte dürfen nie töten
Bischof Klaus Küng: Gegen die Zulassung der aktiven Sterbehilfe in Österreich und für die unantastbare Würde des Menschen.

© kathbild.at/Rupprecht
Sterbebegleitung heißt: Nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines Menschen sterben.

Der St. Pöltner Bischof Klaus Küng warnt vor einer Zulassung der aktiven Sterbehilfe in Österreich.

Ohne Zweifel würden manche Situationen eine große Herausforderung für die ärztliche Verantwortung mit sich bringen, schrieb Küng, der selbst ausgebildeter Arzt ist, in einem Gastkommentar für „Die Presse”.

Mediziner müssten die Verhältnismäßigkeit mancher Therapien deshalb sehr wohl abwägen, so der Bischof; niemals aber dürften Ärzte töten. Letzten Endes gehe es bei all diesen Fragen immer um die unantastbare Würde des Menschen und den Grundsatz: „Das menschliche Leben hat seine Würde von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod.”

Anlass für den Beitrag des Bischofs war eine aktuelle Umfrage der Grazer Medizinuniversität, in der 62 Prozent der Befragten die Möglichkeit zur aktiven Sterbehilfe durch einen Arzt befürworten. Das sind 13 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Leid nicht ausblenden

Er verstehe die Haltung von Menschen, die fast unerträgliche Qualen leiden müssten und selbst entscheiden wollten, wann es „genug” sei, so Küng, aber: „Die Zulassung der aktiven Sterbehilfe würde eine Straße eröffnen, die in eine verhängnisvolle, verkehrte Richtung führt.”

Hinter der Diskussion um aktive Sterbehilfe stehe letztlich die Frage nach dem Anblick des leidenden und sterbenden Menschen in der Gesellschaft, erinnert der St. Pöltner Bischof.

„Ist noch Platz für diese Realität des Lebens, die aus Werbung, Film und öffentlichem Bewusstsein ganz verdrängt wird – und doch jeden von uns immer wieder einholt?”.

Dieser Tage hat sich auch der frühere anglikanische Bischof von Rochester, Michael Nazir-Ali, in Großbritannien gegen eine Lockerung der Sterbehilferichtlinien  ausgesprochen. Wichtiger für die Patienten sei „die richtige Unterstützung durch Familie, Freunde und Mediziner”, betonte Nazir-Ali.

Der Gesetzgeber solle sich nicht von medienwirksamen „Extremsituationen” leiten lassen, sondern durch das „jüdisch-christliche Menschenbild”, so der Bischof.

(red)

25.02.2010

Kurz notiert

Menschen verschärften Flut

Die Flut in Pakistan ist von Großgrundbesitzern verschärft worden, die zur Rettung ihrer Ländereien Dämme durchbrochen haben.

Das hat die Ordensfrau und Lepra-Ärztin Ruth Pfau gegenüber dem „Sonntag” bestätigt. Einen Großgrundbesitzer habe die Bevölkerung von diesem Vorhaben abbringen können: Große Teile der Stadt Badin (35.000 Einwohner, Provinz Sindh) wären sonst überflutet worden, sagt Pfau.