Ausgabe Nr. 20 - 20.05.2012
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Heilige waren Persönlichkeiten
Was Selige und Heilige von Pop-Stars unterscheidet. Und warum wir Vorbilder brauchen. Ein Gespräch mit der Psychotherapeutin Brigitte Ettl.

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Der Ruhm von (Pop-)Stars verblasst oft schon nach wenigen Jahren.

Jugendliche mögen Pop- und Film-Stars. Sind die Seligen und Heiligen der Kirche – salopp gesagt – die „Pop-Stars” der Kirche?

Ettl:  So verkürzt würde ich die Frage verneinen.

Stars stehen für sich alleine. Sie erbringen auf einem Gebiet – sei es jetzt Musik oder Theater bzw. Film – eine herausragende Leistung. Dadurch erlangen sie Berühmtheit und faszinieren Menschen unterschiedlicher Altersstufen.

Selige und Heilige sind herausragende Persönlichkeiten der Glaubensgemeinschaft Kirche –  sie stehen vor allem für einen gemeinsamen Wertekatalog. Ihnen ist es gelungen, diese Werte und Haltungen in einer besonderen Weise zu leben, oft sogar unter sehr schwierigen Bedingungen.

Von diesen „Leistungen” haben zu Lebzeiten oft nur wenige gewusst – zum Vorbild vieler wurden etliche erst Jahrzehnte und Jahrhunderte nach ihrem Tod. Der Ruhm von Popstars verblasst hingegen oft schon nach wenigen Jahren.

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Dr. jur. Brigitte Ettl hat am Wiener Schwedenplatz eine Praxis für Psychotherapie, Wirtschaftscoaching und Mediation.

Die Pop-Stars haben auch eine Vorbild-Funktion – in guter wie schlechter Art und Weise. Warum?

Ettl: Ohne besondere Leistung auf einem Gebiet wird niemand zum Star. Dahinter steckt harte Arbeit, stundenlanges Üben – und damit auch viel Verzicht  auf andere Vergnügungen. Dieser enorme Einsatz für ein persönliches Ziel kann sicherlich gute Vorbildwirkung haben.

Immer öfter gibt es auch Menschen, die ihren Bekanntheitsgrad nützen, um auf gesellschaftliche Miss-Stände, auf benachteiligte Personengruppen oder Situationen aufmerksam zu machen, die mit ihrem eigentlichen Beruf nichts zu tun haben. Auch dies entfaltet begrüßenswerte Vorbildwirkungen.

Der Erfolg, die Aufmerksamkeit der Medien, die Notwendigkeit eines überzogenen Selbstmarketings wird aber auch immer wieder zu einer großen psychischen Belastung für den Menschen, der „hinter” dem Star-Gesicht steckt.

Daraus resultiert oft eine sehr (sehn-)süchtige Lebensweise – Berichte von Alkohol- und Drogenexzesse  lösen in den Medien Konzert- oder  Filmkritiken ab. Dies ist sicher ein wenig nachahmenswerter Weg für die Bewältigung persönlicher Krisen.
 
Warum brauchen wir überhaupt Vorbilder?

Ettl: Jeder Mensch hat das Bedürfnis zu wachsen, seine Persönlichkeit zu entwickeln. Da braucht es aber Orientierungshilfe für die Zielrichtung – und Vorbilder haben hier wegweisende Funktion.

Diese Menschen lösen mit ihren Verhaltensweisen, ihren Leistungen und Einstellungen bei uns Gefühle aus. Sie berühren uns und machen uns damit auch bewusst, welches Potential in uns schlummert, welche Fähigkeiten wir selber noch besser entfalten können.
 
Warum sind die Seligen und Heiligen der Kirche richtige Vorbilder?

Ettl: Diese Menschen waren Persönlichkeiten. Sie hatten Visionen, Vorstellungen davon, wie und was sie zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen in ihrer Umgebung beitragen konnten, wie sie die reale Welt einen Schritt mehr an die Idee vom Reich Gottes annähern konnten. 

Dafür haben sie oft nicht nur auf Annehmlichkeiten verzichtet – Franz von Assisi beispielsweise auf den Wohlstand seiner Familie, – sondern fast immer auch massive Anfeindungen, Verfolgungen,  ja sogar den Märtyrertod in Kauf genommen.

Und trotz all dieser Schwierigkeiten gelang es ihnen, sich den Glauben an die Liebe Gottes zu bewahren. „Trotzdem glauben” – für mich liegt darin die Vorbildwirkung als Kontrastprogramm zu Resignation und Gleichgültigkeit.

(Kron)

26.01.2012
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