 Die Großfamilie Martic mit Pater Dragan Antunovic (4. von rechts).
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Liebe und Disziplin, beides ist notwendig, um in einer Familie mit acht Kindern zwischen 18 Jahren und fünf Monaten gut miteinander auszukommen.
Teamwork ist gefragt, denn hier müssen alle mithelfen, um den gemeinsamen Alltag zu meistern. „Unsere Kinder sind sehr selbständig”, meint Suzana Martic darauf angesprochen, wie viele Jausenbrote sie am Morgen streichen muss.
Für sie, ein Einzelkind, war immer klar, dass sie mehrere Kinder haben wollte – dass es dann so viele werden würden, war anfangs noch nicht geplant. Der Vater Stipo Martic, der in Kroatien mit zehn Geschwistern aufgewachsen ist, kennt das Leben in einer Großfamilie.
Mehr Solidarität„Natürlich gibt es auch Tage, wo es wirklich schwer ist, wo man überhaupt nicht mehr weiß, was ist vorne und hinten”, meint Stipo. Doch das ist nicht die einzige Seite im Leben einer Großfamilie.
„Inmitten einer so großen Kinderschar bewahrt man sich selbst noch ein bisschen Kindlichkeit und kann diese auch ausleben”, schmunzelt er. Fußball, Basketball oder Tischtennis im Keller, Verstecken mit den Kleinen – neben den vielen alltäglichen Pflichten bleibt auch Zeit zum Spielen. Zu den schönsten Erlebnissen zählen die gemeinsamen Campingurlaube am Meer.
„Wir persönlich leben anders, aber man bekommt oft das Gefühl vermittelt, Familien mit mehr als zwei, drei Kindern sind nicht erwünscht”, berichtet Stipo. Was schmerzt, sind die oft gehässigen Kommentare und Bemerkungen in der Straßenbahn.
„Man sieht uns an, zählt und reagiert”, meint Suzana. Das harmloseste seien noch die Witze, die die Runde machen. Selbst in der eigenen Familie und bei Freunden herrsche nicht immer Verständnis für eine Lebensform, die in der heutigen Zeit als „altmodisch” gelte, wie sie erzählt.
Beide wünschen sich mehr Solidarität, vor allem aber Verständnis und nicht Ausgrenzung und Spott. Die Kinder erleben oft Verwunderung und Staunen von Seiten ihrer Freunde, wenn sie von ihrer großen Familie erzählen.
Ein wahrer FreundUnterstützung bekommen sie von einem langjährigen Freund der Familie, dem 88-jährigen Pater Dragan Antunovic, der sie fast täglich besucht. Er, der selbst kroatische Wurzeln hat, blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück: Nach Studium und Arbeit in der Tschechoslowakei, Zwangsarbeit im Bergwerk, Flucht vor dem kommunistischen Geheimdienst und einem Aufenthalt in Rom gelangte er 1968 nach Österreich, wo er seither als Priester wirkt.
Als „väterlicher Freund und (Deutsch-) Lehrer wurde er zum Wegweiser und Helfer in allen Lebenslagen”, lächelt Stipo. „Es ist ein Geben und Nehmen”, bestätigt P. Antunovic, „diese Familie gibt mir viel Liebe und das brauche ich; ohne sie wäre ich vielleicht sehr melancholisch oder unglücklich.”
Konkrete HilfeStipo Martic, der viel zum Thema Familie liest, macht sich Gedanken, wie man ein familienfreundlicheres Klima in der Gesellschaft schaffen könnte. „Wie unterstützen wir Menschen, die vielleicht auch gerne mehr Kinder haben möchten, wie können wir Anreize schaffen, die Ehepaare ermutigen, auch ungewöhnliche Wege zu gehen? Unterstützen wir doch die Familien, die sich für mehrere Kinder entscheiden, ganz konkret”, wünscht sich der achtfache Familienvater mehr Anerkennung für Großfamilien.
„Eine Glückwunschkarte oder eine Gratulation seitens der Kirche bei der Geburt eines Kindes wäre eine Aufmerksamkeit, über die sich jeder freuen würde.” Gleichzeitig wäre es ein Zeichen, dass den Familien nicht nur theoretische Schriften gewidmet, sondern auch ganz praktische, kleine Symbole des Willkommens gesetzt werden.
Auch eine stärkere Vernetzung und mehr Austausch zwischen Familien, vor allem solchen, die mehrere Kinder haben, könnten hilfreich sein.
„Nur wenige Menschen kennen das Leben in einer Großfamilie”, meint auch seine Frau Suzana. Täglich müsse die Liebe im Alltag buchstabiert und gelebt werden, Theorie allein helfe da kaum weiter.
Den Eltern sei es wichtig, dass die Kinder lernen, „nicht nur an sich selbst zu denken, sondern ein Gefühl dafür bekommen, wo ein anderer in Not ist, wo man einem bedürftigen Menschen helfen kann”.
Das Abend-GebetAuch in einer Großfamilie ist es nicht selbstverständlich, dass die Kinder gerne teilen, diese Einstellung muss eingeübt werden. Den Tag beschließt das gemeinsame Gebet.
„Das ist der Punkt, wo wir alle zusammen kommen, versammelt um den Tisch im Wohnzimmer”, erzählt Suzana. Daraus entwickeln sich dann immer wieder gute Gespräche, die Erlebnisse des Tages kommen zur Sprache.
Stipo: „Hier ist alles drinnen, was zu einer Familie gehört: Freude, Streit, Versöhnung, das gemeinsame Lösen von Problemen, unterschiedliche Meinungen. Es gibt keine perfekte Familie, nur einen Weg in diese Richtung.“
(red)
11.03.2010 |