Ausgabe Nr. 37 - 12.09.2010
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Als Vater gefordert: Das Seil und die Religion
In unserer Väter-Serie: Josef Weidner über Erziehung, Glaube und Väter.

© Privat
Josef Weidner, hier mit seiner Tochter Barbara, ist Diakon in den Pfarren Sitzendorf, Frauendorf und Niederschleinz.

Kindererziehung ist an sich schon eine schwierige Sache, die religiöse Erziehung überfordert die Eltern dann manchmal zur Gänze. Meine Frau und ich haben uns nach der Geburt der Kinder sehr bemüht, sie in unsere religiöse Praxis mit einzubeziehen.

Unsere erstgeborene Tochter Barbara, jetzt 23 Jahre alt, hat, was für unsere kleine Weinviertler Pfarre damals noch durchaus nicht üblich war, eifrig ministriert. Auch unser Sohn Lukas, 18 Jahre alt, hat sich in der Ministrantenschar wohl gefühlt und die Ministrantenlaufbahn nicht – wie bei vielen üblich – mit der Firmspendung beendet, sondern erst später.

Vorbild im Glauben

Und doch ist bei unseren Kindern irgendwann die Entfernung zum Glauben größer geworden. Zum einen haben andere Interessen Priorität bekommen, zum andern spricht unser religiöser Jahresablauf Jugendliche und junge Erwachsene nicht immer an.

Wir haben immer versucht, unseren Kindern im Glauben ein Vorbild zu sein. Sie zu nichts zu drängen, sondern die Berührungspunkte, die sie mit Religion haben, als schöne und tiefgehende Erlebnisse zu erhalten. Es soll ihnen etwas bedeuten, wenn sie Feste im Jahreskreis entsprechend feiern. Sie zu etwas zwingen wäre wohl der falsche Weg.

Berufung zum Diakon

Ich habe immer den Vergleich mit einem Gummiseil beim Bungee-Jumping vor Augen. Das Seil – die Verbindung zur Religion – ist einmal länger und einmal kürzer. So soll auch die Beziehung der Kinder zur Religion sein. Sie dürfen in ihrer eigenen Lebensfindung einmal weiter entfernt von Gott und ein andermal ihm näher sein.

Wichtig ist nur, dieses Seil, diese Verbindung nicht reißen zu lassen, sodass die Verbindung an sich nicht abreißt. Eine spannende Auseinandersetzung mit Religion hat sich in unserer Familie ergeben, als ich die Berufung zum Diakon verspürt habe und dieser auch gefolgt bin.

Manchmal habe ich mich vor der Ausbildung schon etwas ängstlich gefragt, was gerade die Kinder zu diesem Schritt sagen werden. Aber sie haben diesen meinen Weg vom Anfang an respektiert und mitgetragen. Sie haben diesen Schritt durchaus positiv gesehen. Ich kann mich noch an eine Aussage von Barbara erinnern. Sie hat gesagt: „Es ist schon cool, wenn man einen Papa hat, der Diakon wird, das hat schließlich nicht jeder.”

Wo sind die Väter?

Kindererziehung braucht die Vorbildwirkung der Eltern. Gerade Väter sind dabei vor allem in religiöser Hinsicht gefragt. Wir Männer tun uns manchmal schwer, unsere Religionspraxis so zu gestalten, dass sie auch dieses Beispielhafte für unsere Kinder hat.

Wie viele Tischväter in der Erstkommunionsvorbereitung gibt es eigentlich oder wie viele Männer stellen sich für die Firmvorbereitung zur Verfügung? Für die religiöse Entwicklung unserer Kinder wäre aber gerade auch eine aktive religiöse Vaterrolle wichtig.

Ich kann alle Männer dazu nur ermuntern. Wenn wir die Verbindung unserer Kinder zum Glauben nicht abreißen lassen, dann haben wir für ihr Leben einen wichtigen Beitrag geleistet.

(red)

25.02.2010
Was Barbara, 23, sagt

Wenn ich meinen Vater beschreiben soll oder unsere Beziehung zueinander, dann ist das ganz einfach. Wir verstehen uns eigentlich immer gut.

Ausgenommen sind vielleicht die Stunden, in denen er mir versucht hat, Mathematik beizubringen und dies nicht immer wirklich zum Erfolg geführt hat, was er aber nie so streng gesehen hat wie meine Mutter.

Auch wenn ich abends weggehen wollte, war er schneller davon zu überzeugen als Mama.

Über seinen Entschluss, Diakon zu werden hat sich Mama sehr gefreut, und für uns ist es eigentlich auch etwas Besonderes, denn es hat ja schließlich nicht jede/r einen Diakon zum Vater!