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Die eigene Lebensgeschichte nennt Franz Welser-Möst, ab September Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, als Grund für sein Engagement in der Augustinerkirche. „Die Kirchenmusik ist das Fundament, auf dem mein musikalischer Lebensweg gebaut ist.”
Zwischen seinem 14. und 20. Lebensjahr habe er kaum einen Sonntag verbracht, ohne in einer Kirche zu musizieren, sei es singend, sei es spielend oder dirigierend. „Große Komponisten haben mit ihrer Kirchenmusik ein Kulturerbe hinterlassen, das nicht nur in den Konzerthäusern immer wieder gewürdigt, sondern gerade auch in jenen Stätten zum Leben erweckt werden muss, für die solche himmlischen Werke wie das Mozart-Requiem, Schuberts Deutsche Messe oder Haydns Mariazellermesse ursprünglich geschrieben wurden”, so Welser- Möst.
Er erhoffe sich durch die Patenschaft St. Augustin, dass „wir alle wieder sensibler werden für die Kunst der Musik im Gottesdienst” und dass „die Musik in dieser altehrwürdigen und besonderen Kirche auch für kommende Generationen erklingt.”
„Tatsächlich sind die Kirchenmusikpaten für den Fortbestand dieses lange tradierten Kulturerbes ,Kirchenmusik’ in St. Augustin essentiell”, betont Margarete Strassnig-Bachner, die für die Patenschaft St. Augustin mitverantwortlich ist: „Wir sind auf die Hilfe möglichst vieler engagierter Personen angewiesen. Jeder Beitrag hilft.”
Ab einer Spende von € 35.- ist man bereits Förderer, ab € 300.-Teilpate. Als Pate oder Patin sponsert man eine komplette Messaufführung. Zum Dank gibt es unterschiedliche Urkunden und Ermäßigungen.
Kirchenmusik-Patenschaften für St. Augustin wurden bereits durch viele musikliebende Personen übernommen, denen die lebendige Musikkulturtradition der Augustinerkirche ein Anliegen ist und die persönliche Schicksalstage oder Feste – wie Taufen, Geburts- und Hochzeitstage, Priester- und Firmenjubiläen, Gedenktage mit dieser Kirche verbunden haben möchten oder die ihren Verstorbenen mit einer Kirchenmusik-Aufführung ein geistiges Denkmal setzen.
„Besonders berührt hat uns etwa eine Mutter, die eine Patenschaft für ihre verstorbene 18-jährige Tochter übernommen hat, um mit ihr hier stets spirituell verbunden zu sein”, erzählt Margarete Strassnig-Bachner. „Oder eine Großmutter, die den vorbildlichen Ministranten und sozial engagierten Enkel mit einer Patenschaft belohnt hat.”
Groß ist die Freude der Organisatoren auch über die prominenten Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft, die Patenschaften übernommen haben: darunter der Apostolische Nuntius, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, der polnische Historiker, Publizist und Politiker Wladyslaw Bartoszewski oder Pro-Oriente-Präsident Johann Marte.
Mitte August haben auch Otto Habsburg-Lothringen und Karl Habsburg-Lothringen eine Patenschaft übernommen.
Die Augustiner sehen es aber nicht nur als ihre Aufgabe Gottesdienste mit weltberühmten Sakralkompositionen zu feiern, sondern auch diese Musikstücke zu bewahren und zu erhalten.
„In St. Augustin gibt es ein vielbeachtetes und großes Musikarchiv”, sagt P. Matthias Schlögl OSA, Leiter der Kirchenmusik von St. Augustin. „Bedeutende Komponisten haben für St. Augustin geschrieben. Die handschriftlichen Noten sind aber oft in schlechtem Zustand, brüchig und schwer leserlich. Deshalb haben die Augustiner seit einigen Jahren dafür gesorgt, dass diese Werke neu übertragen wurden und im Hochamt wieder aufgeführt werden können.” Einige Werke wurden im letzten Jahr sogar auf CDs eingespielt.
„Da sich auch Franz Welser-Möst für das Notenarchiv der Augustiner sehr interessiert, wählen wir, wenn er bei uns dirigiert, jeweils mindestens ein Werk aus unserem Archiv für ihn aus”, erzählt P. Matthias. „Bisher hat er Werke von Luigi Cherubini, Carl Czerny, Florian Leopold Gassmann und Joseph Edler von Eybler dirigiert.”
Am 12. September wird es wieder soweit sein: Unter der Leitung von Franz Welser-Möst wird „Ad te levavi animam meam”, ein Werk von Benedict Randhartinger (1802-1893) aus dem Musikarchiv der Augustiner zusammen mit Mozarts „Krönungsmesse” gespielt.
(red)