| Selige der sozialen Tat | ||||||
| Die Seligsprechung Hildegard Burjans ist ein „Geschenk für die Kirche und für Österreich”, sagte Kardinal Christoph Schönborn. | ||||||
Hildegard Burjans Seligsprechung ist „ein großes Geschenk für die Kirche und für unser Land”, betonte Kardinal Christoph Schönborn in seiner Predigt zur Seligsprechung der Sozialpionierin und Gründerin der Caritas Socialis am 29. Jänner im Stephansdom. Tausende waren zu dem Festgottesdienst in den Dom gekommen, den der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, Kurienkardinal Angelo Amato, geleitet hatte. Aus Burjans deutscher Heimatstadt Görlitz feierte eine große Abordnung mit Bischof Wolfgang Ipolt und Altbischof Rudolf Müller an der Spitze mit, ebenso der Apostolische Nuntius in Wien, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen. Von politischer Seite waren Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, der zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer, Vizekanzler Michael Spindelegger, Finanzministerin Maria Fekter, Klubobmann Karlheinz Kopf und Volksanwältin Terezija Stoisits gekommen. Das „Gewissen”
Zum Auftakt des Seligsprechungsaktes hatte die Vizepostulatorin des Seligsprechungsverfahrens, Prof. Ingeborg Schödl, die Lebens- und Glaubensgeschichte Hildegard Bujans verlesen. Am 30. Jänner 1883 im damals schlesischen Görlitz geboren, studierte sie in Zürich Literatur und Philosophie und in Berlin Sozialwissenschaft. Im Jahr 1907 heiratete sie Alexander Burjan. Nach der Heilung von einer schweren Krankheit konvertierte Burjan zur katholischen Kirche und ließ sich taufen. Burjan setzte sich entschieden für die Gleichberechtigung der Frau, für die Bekämpfung der Kinderarbeit und für die Überwindung sozialer Missstände ein. Viele soziale Rechte für Frauen und Kinder, die heute selbstverständlich sind, gehen auf ihre Initiative zurück. 1912 gründete Burjan den „Verband der christlichen Heimarbeiterinnen” und 1918 den Verein „Soziale Hilfe”. Als Frauen 1919 erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten, zog Burjan als erste christlich-soziale Abgeordnete in das österreichische Parlament ein. Am 4. Oktober 1919 gründete sie die Schwesterngemeinschaft „Caritas Socialis”, mit dem Auftrag, soziale Not der Zeit zu erkennen und zu lindern. Obwohl sie nur kurze Zeit als christlich-soziale Abgeordnete dem Parlament angehörte, galt sie schon bald als dessen „Gewissen”. Hildegard Burjan starb am 11. Juni 1933 an einem schweren Nierenleiden. Bei der Seligsprechungsfeier verlas der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, Kurienkardinal Angelo Amato, das Seligsprechungsdekret des Papstes. Nach der Verlesung des Dekretes wurde im Altarraum des Stephansdomes ein 5,5 mal 4 Meter großes Porträt Hildegard Burjans aufgezogen. Dann trug die Generalleiterin der Caritas Socialis, Sr. Maria Judith Tappeiner, eine Glasstele mit der Reliquie Hildegard Burjans in einer Prozession zum Altar. Neben einem Knochensplitter der Seligen enthielt das Reliquiar auch deren Ehering sowie jene Caritas-Socialis-Brosche, die bei der Öffnung ihres Sarges 2005 gefunden wurde. Die Lebensschule Jesu
Burjan habe in sozial schwerer Zeit Großes geleistet, unterstrich Kardinal Schönborn in seiner Predigt: „Nichts Frömmelndes, sondern das Sehen der Not, das Hinschauen, das Zupacken, das vernünftige soziale Handeln: das hat ihr über Parteigrenzen hinweg hohe Anerkennung eingebracht.” „Gott gibt uns den Verstand, damit wir die Not einer Zeit, die Ursachen der Not, die Mittel, die zur Abhilfe führen, erkennen”, zitierte der Kardinal die neue Selige. Die Kirche stelle Burjan nun ausdrücklich als Vorbild vor. Ihrem Vorbild nachzueifern, heiße „in die Schule Jesu” zu gehen. Dies sei auch das „Reformprogramm” für die Erzdiözese Wien. „Die selige Hildegard Burjan hat gezeigt, dass dieser Weg in der Lebensschule Jesu wirklich die Welt verändern kann”, unterstrich der Erzbischof. Seligsprechung heiße nach kirchlicher Überzeugung auch, die Selige um Hilfe zu bitten, sie anzurufen und ihre Fürsprache zu suchen. „Heute dürfen wir sie um ihre Fürsprache bitten, diese große Frau der sozialen Tat”, sagte der Kardinal. Heiligkeit sei „mehr” als soziales Engagement. Das „Mehr” sei „eine innere Quelle, ein Feuer, eine Kraft, die aus einer innersten Mitte heraus ein Leben verändert, umgestaltet, im Guten radikalisiert, ein nicht mehr erlahmender Impuls”. 1908/1909 sei ein Wendepunkt in Burjans Leben, nach einer schweren Erkrankung sei sie dem Tode nahe gewesen. „Am Ostermorgen 1909 ist sie geheilt. Die Ärzte und sie selber sehen es als Wunder. Ihr langes Suchen nach Sinn, ihr Sehnen nach Gott, hat das Ziel erreicht: Sie kann glauben. Gott hat sie geführt.” Schönborn: „Es war nicht eine reine menschliche Energie, die sie von jetzt an bewegte, unermüdlich für Menschen in Not dazu sein, eine Ehe zu führen, und gleichzeitig eine Schwestergemeinschaft zu gründen. Da war eine andere Kraft am Werk.” Burjan habe das Wort des Apostels Paulus „Die Liebe Christi drängt uns” als Motto für die Caritas Socialis gewählt. Die „Predigt der Tat” war ihr wichtig. Die Fürbitten wurden u. a. von Joachim Paulick, Oberbürgermeister von Görlitz, der Geburtsstadt Burjans, Maria Hampel-Fuchs, früherer Wiener Landtagspräsidentin, einer Ärztin des CS Hospizes am Rennweg und von Veronika Prüller-Jagenteufel, Wiener Pastoralamtsleiterin, gesprochen. Dass die Caritas Socialis am Anfang und am Ende des Lebens aktiv ist, zeigte die Gabenbereitung. Zwei besondere symbolische Gegenstände brachten Vertreterinnen der Caritas Socialis zum Altar: eine Kleinkindwaage, auf der Kinder in der Kinderpastoral in Brasilien gewogen werden, und einen Hebegurt aus dem Wiener CS Hospiz Rennweg, mit dem Patienten in die Badewanne gehoben werden. Kardinal Amato bezeichnete am Ende des Gottesdienstes die Heiligen und Seligen als „den wahren Schatz der Kirche in Österreich”. Hildegard Burjan sei eine „starke und mutige Frau” gewesen. Schon beim Angelus-Gebet am Petersplatz hatte Papst Benedikt XVI. die neue Wiener Selige gewürdigt. Hildegard Burjan habe aus der Liebe Gottes gelebt. „Als Gründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis hat sie Frauen um sich geschart, die bis heute Quelle dieser Liebe sein wollen, um den notleidenden Menschen Hilfe und Trost zukommen zu lassen”, sagte der Papst: „Nach dem Beispiel von Hildegard Burjan versuchen auch wir, Boten der helfenden Liebe Gottes zu sein.” (Kron) 02.02.2012 |
Schwerpunkt Hildegard Burjan |
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Erste Selige aus dem Parlament - über Hildegard Burjan als Vorbild für die Erzdiözese. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit” - was heutigen Politikerinnen an Hildegard Burjan imponiert. „Warum geht ihr nicht in die Politik?” - Univ.-Prof. Gisbert Greshake über die prophetische Vorreiterrolle Hildegard Burjans. „In vielem die Erste” - Leitartikel von Elvira Groiss „Heilige waren Persönlichkeiten” - ein Gespräch mit der Psychotherapeutin Brigitte Ettl. |


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