Ausgabe Nr. 35 - 31.08.2014
Kardinal Franz König - Erinnerungsbilder


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Merkmal der Lebensfähigkeit
Am kommenden Sonntag, dem 18. März, finden zum 6. Mal österreichweit in allen Pfarren die Pfarrgemeinderatswahlen statt. Dann wird sich zeigen, wie wichtig den Menschen ihre Pfarrgemeinde ist.

© kathbild.at/Rupprecht
Nächsten Sonntag ist Wahltag!

Der Countdown nähert sich dem Ende, die Kandidatensuche ist längst beendet und die Listen in den aktuellen Pfarrblättern und Webseiten veröffentlicht. Für Pfarrgemeinderatsreferent Wolfgang Müller ist die zentrale Frage jedoch nicht die nach der Struktur.

Wichtiger ist für ihn das Wecken von noch schlummerndem Potenzial zur Verlebendigung der real existierenden Kirche vor Ort. Die PGR-Wahlen seien jedes Mal auch eine Probe aufs Exempel, ob hinter der Verwaltungseinheit Pfarre tatsächlich immer noch eine lebendige Gemeinschaft der Glaubenden steht.

Der Wahlvorgang sei eine Anfrage nicht nur an den Pfarrer, sondern auch an den bisherigen PGR, die Gottesdienstgemeinde und die mit der Pfarre in Kontakt stehenden Menschen, ob die Gemeinde tatsächlich ihren Handlungsspielraum ausnutzt, „ob tatsächlich eine Aufmerksamkeit da ist für die Menschen, die Gottes Geist mit Talenten beschenkt zum Aufbau der Gemeinde”, so Müller.

Das gelte insbesondere für Pfarren ohne Priester vor Ort. Das Zustandekommen eines eigenen Pfarrgemeinderates sei gewissermaßen ein Parameter für die Lebensfähigkeit einer Gemeinde vor Ort.

Der PGR werde auf die Pfarrgemeinde und nicht auf den Pfarrer hin gewählt: „Wo Pfarrgemeinde allein vom Priester her gedacht wird, werden die Grenzen der Gemeinde und ihres Milieus von der Kommunikationsfähigkeit des Pfarrers bestimmt. Es ist aber Gott, der sein Volk zusammenruft, nicht der Pfarrer. Die Entwicklung des Bewusstseins für das Priestertum aller Getauften sollte daher Vorrang haben gegenüber einer an der Zahl der Priester orientierten Wegrationalisierung.”

Talente hervorlocken

© Privat
Dr. Wolfgang Müller ist PGR-Referent in der Erzdiözese Salzburg.

In jeder Gemeinde gebe es noch unentdeckte Begabungen, erinnert Müller: „Diese Menschen wollen sich einsetzen, müssen aber angesprochen werden.” Und dazu böten die Wahlen alle fünf Jahre eine „wichtige Chance”.

Der Theologe empfiehlt, ein Zuwenig an Kandidaten – was Realität in vielen kleinen Pfarren ist – kreativ aufzunehmen. In dieser Situation gelte es, die Talente hervorzulocken.

Der Wahlvorgang zwingt gewissermaßen dazu, auf Leute zuzugehen: „Wenn wir österreichweit bei den vergangenen Wahlgängen eine Erneuerungsrate von 45 Prozent hatten, zeigt das, wie heilsam dieser ,Zwang’ ist. Denn eigentlich suchen wir doch immer Menschen, die mitmachen. Ich bin von Wahl zu Wahl mehr und mehr ein Anhänger des händeringenden Suchens geworden. Denn erst in der ultimativen Verzweiflung, nur Tage vor dem vorgeschriebenen Abgabetermin der Listen, gehen wir über den Kreis der üblichen Verdächtigen hinaus”, berichtet Müller aus vielfach gemachter Erfahrung.

Oft gelingt es erst dann, bisher unbeachtete Personen in die Weggemeinschaft PGR hereinzurufen. Da erinnerten sich dann manche daran, dass Pfarre mehr ist als eine sonntägliche Feier. Das Motto der PGR-Wahlen „Gut, dass es die Pfarre gibt”, bringe das gut zum Ausdruck.  

„Wir brauchen Getaufte, die die vorhandenen Handlungsspielräume aufnehmen. Bevor ich da an meine Grenzen stoße, gibt es eine Menge, das ich tun kann”, so Müller. Niemand könne heute seriös voraussagen, „wie Kirche in 20 Jahren bei uns aussehen” werde.  

Die Menschen hätten zu Recht Angst, „dass im Pfarrhaus das Licht ausgeht”, betont der bundesweite PGR-Verantwortliche: „Dabei darf aber nicht aus dem Blick geraten, dass es viel wesentlicher ist, ob das Licht beim Tabernakel ausgeht. Es kommt darauf an, ob es vor Ort Menschen gibt, die sich zusammenrufen lassen und denen es wichtig ist, ihren Glauben zu leben und weiterzugeben – auch in Zeiten von Stürmen und Umbrüchen.”

In dieser Situation werde Getauften dann bewusst, welche Verantwortung sie hätten. „So werden Pfarrgemeinderäte zunehmend Kundschafterinnen und Kundschafter des Evangeliums sein müssen.”

Auch auf Facebook

Das kirchliche Wahlrecht bei der Pfarrgemeinderatswahl räumt den Wahlberechtigten mehr Mitsprache ein als bei politischen Wahlen. So können die Wähler bereits auf die Auswahl der Kandidatinnen und Kandidaten Einfluss nehmen.

In den Diözesen, etwa der Erzdiözese Wien, haben auch Kinder bei den PGR-Wahlen eine Stimme, wobei sich die Eltern absprechen und ein Elternteil pro Kind eine ganze Stimme abgibt.

Einhellig wurde auch von der Österreichischen Bischofskonferenz die Bedeutung der Pfarrgemeinderäte für die Vitalität des Pfarrlebens hervorgehoben. Denn die „PGRs” bilden das Rückgrat des ehrenamtlichen Engagements in den mehr als 3.000 Pfarren Österreichs.

Pfarrgemeinderäte sind ein Stück gelebte Demokratie in der österreichischen Kirche. Wahlberechtigt sind dabei alle Katholikinnen und Katholiken, die (je nach Diözese) das 14. bzw. 16. Lebensjahr vollendet haben.

Den Pfarrgemeinderäten gehören österreichweit ca. 45.000 Personen an, davon 30.000 gewählte Mitglieder. Dazu kommen noch die freiwilligen Mitarbeiter in den „Fachausschüssen”.


Viele weitere Infos unter www.pfarrgemeinderat.at.

(lin)

08.03.2012