Ausgabe Nr. 31 - 02.08.2014
Kardinal Franz König - Erinnerungsbilder


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Ohne Umkehr keine Erneuerung
Im Buch „Risse im Fundament? Die Pfarrerinitiative und der Streit um die Kirchenreform” tragen 12 prominente Autoren zur Versachlichung der aktuellen Debatte bei.

© kathbild.at/Rupprecht
Jan-Heiner Tück, Helmut Schüller, Maria Moser (ORF) und Gregor Jansen diskutierten am 1. März im Wiener Thomas-Saal.

„Die Debatte um Strukturfragen darf allerdings nicht verdecken, dass die Krise wohl nur durch eine innere Reform des Glaubens selbst überwunden werden kann”, schreibt der Herausgeber des Buches „Risse im Fundament? Die Pfarrerinitiative und der Streit um die Kirchenreform”, der Wiener Dogmatikprofessor Jan-Heiner Tück, in seinem Vorwort.

Es bestehe „Einigkeit darin, dass der aktuelle Zustand der Kirche kritisch ist und Reformen dringend notwendig sind”, betont Tück: „Strittig ist allein der Weg, der aus der Krise herausführen soll.”

Tücks Fazit: „Ohne Umkehr aller Beteiligten keine Kirchenerneuerung!”

Helmut Schüller (Pfarrerinitiative) sieht in seinem Beitrag über die „Zukunft aus der Kraft des Konzils” als große Themen die „Communio als Leitwort für das Wesen von Kirche, die Berufung der Getauften und die Pastoral der Nähe zu den Menschen”.

So gelte es bei allem Reformstreben, nicht die zentrale Fokussierung des Glaubens auf die Eucharistiegemeinschaft zu unterschlagen: „Gemeinden ohne Eucharistiefeier zu lassen, bedeutet, ihnen die Seele und das Zielbild ihres Gemeindeseins zu nehmen.” Die Fusionierung von Gemeinden laufe diesem Grundauftrag entgegen und befördere den Trend der Seelsorgegroßräume zur Anonymität.

Fünf Aufmerksamkeiten

© Privat
Jan-Heiner Tück: „Risse im Fundament?”, Herder Verlag 2012, € 15,40.

„Es fällt auch der Kirche nicht leicht, den Weg zwischen dem unbedingt notwendigen Schutz für Ehe und Familie einerseits und der ebenso notwendigen Barmherzigkeit mit dem menschlichen Scheitern und Neubeginnen andererseits zu finden”, schreibt Kardinal Christoph Schönborn in seinem Beitrag über die – noch immer zu wenig bekannten – „Fünf Aufmerksamkeiten” zur Pastoral für wiederverheiratete Geschiedene.  

„Reform primär als geistlichen Prozess zu gestalten”, das sei der Ansatz zur Kirchenreform, ausgehend vom Prozess „Apostelgeschichte 2010, schreibt Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel in ihrem Beitrag.

„Ein bedeutender Mangel unserer Zeit ist der Mangel an Erfahrungen der Güte Gottes”, betont Prüller-Jagenteufel, „persönliche Umkehr” sei „das Drehmoment der Kirchenreform”. Das Ja zur Situation erfordere einen nüchternen Blick: „Wegschauen, Nicht-wahrhaben-Wollen, Vernebeln und das Hüten von unklaren Verhältnissen sind aber zu lange Zeit Teil der ,Unternehmenskultur’ der Kirche gewesen, als dass sie sich einfach und schnell auflösen ließen.”

Die Pastoralamtsleiterin erinnert an die starke „Zweigleisigkeit” des Reformprozesses: „Sowohl das Gewachsene so weiterzuführen, dass es weiterhin Frucht bringen kann, als auch Wege für ganz neue  Versuche und Ansätze zu eröffnen.” Es gehe darum,  „Kirche neu zu entwerfen angesichts sich verändernder gesellschaftlicher Bedingungen und aus ihren ureigenen Quellen heraus”.

Weitere Beiträge behandeln den „Modernisierungsstress” der Kirche und Priester (em. Univ.-Prof. Paul M. Zulehner), das „gemeinsame Priestertum der Gläubigen” (P. Elmar Mitterstieler SJ), die „Kirche als Versöhnungsgemeinschaft” (Univ.-Prof. Eberhard Schockenhoff), das „Reizwort Gemeindezusammenlegung” (em. Univ.-Prof. P. Medard Kehl SJ) und die „Pastoral im Umbruch” (Univ.-Prof. Johann Pock).

Univ.-Prof. Roman Siebenrock gibt Orientierungen aus dem Werk John Henry Newmans über „Konsens der Glaubenden, Gewissen und Autorität”, Univ.-Prof. Jozef Niewiadomski widmet sich dem Thema „Kirchenreform und Medien”. 

Weiters finden sich eine kleine Chronik der jüngeren Konfliktgeschichte, der „Aufruf zum Ungehorsam” und der „Hirtenbrief” 2011 des Kardinals in dem Buch.

(Kron)

08.03.2012
„Heilfroh über den Wiener Weg”

Beispielhaft für eine Kirchenreform sei der aktuelle Wiener Reformprozess „Apostelgeschichte 2010”, betonte Jan-Heiner Tück bei der Präsentation des Buches „Risse im Fundament?” am 1. März im Thomas-Saal (Wien 1).

Nicht ausgeschöpft sei bislang u. a. das Thema des „gemeinsamen Priestertums”. Heute gehe es darum, „Zeugnis abzulegen und mutig dazu zu stehen, dass man Christ ist”.

Er sei „heilfroh, dass wir in Wien einen anderen Weg gehen”, sagte Jugendseelsorger Gregor Jansen im Hinblick auf die radikalen Struktur-Reformen in den deutschen Diözesen Essen und Köln. Zwar sei der Wiener Reform-Weg „viel mühsamer, viel langwieriger, aber dafür viel zukunftsfähiger”.

Helmut Schüller erhoffte sich für die Pfarrerinitiative Unterstützung bei den Pfarrgemeinderäten. Er wolle die neuen „PGRs” für den Reformprozess gewinnen, um sich mit ihnen „um die Zukunft unserer Pfarren selbst  zu kümmern”.