Ausgabe Nr. 35 - 31.08.2014
Kardinal Franz König - Erinnerungsbilder


Schriftstellen zum Herunterladen als PDF-Datei


Lieblings-Gebet von ...


Busreise nach Polen, Deutschland und Tschechien


|
Ökumene: ohne Ziel?
Nach der Kritik von Kardinal Koch hat der „Sonntag” nachgefragt, ob die Ökumene nur ein Gesprächsthema für die Kirchenleitung ist oder die Bemühungen um die Einheit der Christen auch einen Sitz im Leben der Pfarren haben.

© kathbild.at/Rupprecht
Pfarrer Henk Landman (rechts) bei einem interreligiösen Gebetsabend in der Pfarre Namen Jesu.

„Die Feststellung von Kardinal Kurt Koch, Präsident des päpstlichen Einheitsrates: ,Wir haben in der Ökumene kein gemeinsames Ziel’, hat mich sehr enttäuscht, mehr noch erschüttert, betont Pfarrmoderator Henk Landman, Pfarre Namen Jesu.

„Dieses Resümee nach 100 Jahren ökumenischer Bemühungen ist doch niederschmetternd. Gott sei Dank sieht die Situation an der Basis anders aus: In unserem Dekanat, Wien 12 - Meidling, feiern wir seit Jahrzehnten ökumenische Gottesdienste. Die evangelische Pfarrerin nimmt regelmäßig an unseren Dekanatskonferenzen teil. Wir hatten auch schon ein gemeinsames Gebet mit den Moslems und den Sikhs, wohlgemerkt auf Initiative und mit Unterstützung unserer Bezirksvorstehung! Auch auf diesem Terrain wird die  Erneuerung von der Basis hinauf wachsen”.

Im Nachsatz meint Kardinal Koch: Wir müssen neu suchen, was das eigentliche Ziel ist. Dazu Landmann: „Ich will einige Ziele nennen: Viele Theologen sind der Meinung, dass es dogmatisch mit gutem Willen schon mehr Überseinstimmung geben könnte. Wir sehnen uns mit Christen anderer Konfessionen nach der gemeinsamen Eucharistie – Abendmahlfeier.  Und ein hohes Ziel soll doch sein, mehr Kontakt, Gespräch und Zusammenarbeit mit den anderen Religionen, vor allem auch im Hinblick auf den Weltfrieden zu pflegen.

Kardinal Koch sieht überdies in der starken Zunahme der Pfingstbewegung eine starke Herausforderung. Warum und woher diese Zunahme? Doch wohl, weil ihre Gottesdienste sehr lebendig und die Bewegung sehr nahe am Volk ist.

Von ganz unten möchte ich dem Herrn Kardinal versichern: Wir haben ein Ziel und werden uns weiter bemühen, diesem Ziel immer näher zu kommen.”

 

© kathbild.at/Rupprecht
Mag. Renate Trauner ist Pastoralassistentin in Retz.

„Warum singen die evangelischen Christen dieselben Lieder wie wir? Diese Frage einer Katholikin nach einem evangelischen Gottesdienst in der Rathauskapelle Retz war einfach zu beantworten: Das Lied ,Von guten Mächten’ verfasste der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer und das Magnifikat ist der Lobpreis Mariens aus dem Lukasevangelium.

Durch die Lesungen wurde vielen Gläubigen bewusst, dass Psalmen und NT der Einheitsübersetzung, weil von evangelischen und katholischen Theologen übersetzt, „ökumenisch” sind.  

In Retz sind es die konfessionsverbindenden Ehepaare, die uns die Ökumene näher bringen. Ihnen ist die Glaubensweitergabe wichtig und so unterstützen die einen ihre Kinder bei der Firmvorbereitung und andere beim Konfirmandenunterricht.

Außerdem wir wollen nicht über, sondern mit den Christen anderer Kirchen reden. So treffen sich die Teilnehmer des Ökumenekreises regelmäßig zur Gottesdienstvorbereitung. Nächster ökumenischer Gottesdienst in der Pfarrkirche Retz ist am 22. 1. um 10 Uhr.  

Im offenen und ehrlichen Dialog erfahren die Teilnehmer oft Neues über die eigene und die Schwesterkirche, was zur Stärkung und Bereicherung des eigenen Glaubens beiträgt. Ein Mitglied sagte: ,Im Laufe der Jahre wird die gegenseitige Wertschätzung immer wichtiger, die anfängliche Fokussierung auf konfessionelle Unterschiede tritt in den Hintergrund!’

In der Diskussionsrunde nach einem ökumenischen Gottesdienst mit dem evangelischen Bischof Michael Bünker antwortete er auf die Frage, was er uns Christen empfiehlt: ,Die Katholiken müssten katholischer und die Evangelischen evangelischer werden!’

Wenn wir Katholiken weltumspannend (= die ursprüngliche Bedeutung von katholisch) Jesus Christus, den Auferstandenen, verkünden und die evangelische Christen stärker das Evangelium in den Mittelpunkt rücken, erfüllen wir gemeinsam den Auftrag Jesu, das Wort Gottes den Menschen zu bringen.

Uns Christen verbindet auch das soziale Engagement für die Armen und für die Gemeinschaft. Evangelische Christen helfen zum Beispiel beim Zellerndorfer Pfarrflohmarkt mit und besuchen und unterstützen pfarrliche Feste.”

 

© Privat
Richard Seidel ist stellvertretender PGR-Vorsitzender in Pernitz.

„Ökumene ist sicher nicht nur Thema der Kirchenleitung! Gerade in den Pfarren erleben wir immer wieder, wie die Menschen verschiedener Konfessionen aufeinander zugehen, um miteinander zu feiern. Eines dieser  Beispiele, wo wir dieses Miteinander erleben können, ist die  ,Weltgebetswoche um die Einheit der Christen’. In den Pfarren bereiten wir uns gemeinsam auf diese Woche vor.

In meiner Pfarre Pernitz kümmern sich die Frauen – unter der Leitung einer Mitschwester der evangelischen Pfarrgemeinde – um die Vorbereitung. Mit viel Engagement, Toleranz und Liebe ist man bei der Sache. Man spürt den Wunsch nach Einheit und ist sich doch der Unterschiede der Konfessionen bewusst.

Dadurch, dass sich die ,Ökumene’ bei mir persönlich quer durch unsere große Familie zieht, ist es für mich vielleicht einfacher, gegenseitiges Verständnis füreinander aufzubringen. So passiert bei uns Ökumene nicht zufällig, sondern bewusst, in dem wir auf diese Verschiedenheiten der Konfessionen Rücksicht nehmen und sie nicht hervorheben, sondern das Gemeinsame suchen.

Wir wissen uns von den jeweiligen Anderen zum gemeinsamen Feiern eingeladen.”

(red)

12.01.2012