Ein Wunder kann jeden treffen © APA

Regisseurin Jessica Hausner erzählte bei den Theologischen Kursen über die Entstehungshintergründe zu ihrem preisgekrönten Film „Lourdes”.

„God‘s Eye” (Auge Gottes) nennt sich eine filmische Erzähltechnik, die das Geschehen und die Figuren eines Films aus einer gewissen Distanz „von oben” betrachtet. Genau diese Technik wendete die österreichische Regisseurin Jessica Hausner für ihren vielfach preisgekrönten Film „Lourdes” an: „Ich wollte eine Geschichte rund um ein Wunder wie ein allgemeines Schicksal erzählen, das jeden treffen oder nicht treffen kann.”

Jessica Hausner war am 26. Februar in der Reihe „Film und Gespräch” der Theologischen Kurse im voll besetzten Wiener Stadtkino zu Gast. Nach der Präsentation des Films erzählte die Regisseurin, die derzeit schwanger ist, im Gespräch mit Peter Zeilinger über die Entstehungsbedingungen des Films, die Erfahrung des Ortes Lourdes und die Frage nach dem Wunder.

Fragen des Publikums

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Jessica Hauser stand bei den Theologischen Kursen für Fragen zur Verfügung.

Hausner: „Die Ambivalenz des Wunders hat mich von Anfang an fasziniert. Einerseits dieser märchenhafte Aspekt, andererseits die Frage: Warum trifft es den und nicht einen anderen?”

Jessica Hausner hat für ihren Film umfassend recherchiert und war mehrmals in den französischen Wallfahrtsort gefahren: „Bei meinem ersten Besuch war ich sehr erschrocken über die vielen Krankheiten, die es gibt. Lourdes ist ein Ort, der uns vehement mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert”.

Für die Vorbereitung ihres Films gingen Hausner und Hauptdarstellerin Sylvie Testud in Selbsthilfegruppen für Patienten, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. „Ich habe versucht, mich in die Kranken hineinzuversetzen: ihre Wut, ihren Trotz, ihren Verlust an Intimität, wenn sie sich nicht mehr allein anziehen oder aufs Klo gehen können”.

Hausner wollte die Kranken nicht als Opfer darstellen – Hauptfigur Christine (Sylvie Testud) trägt ihr Schicksal mit lakonischem Gleichmut – und wird geheilt.

Die Frage, die das Publikum am meisten beschäftigte: Ist Christine am Ende wirklich dauerhaft geheilt? Jessica Hausner war es wichtig, dies bewusst offen zu lassen: „Wir befinden uns ständig im Zustand dieses Nichtwissens. Niemand weiß, was morgen kommt. Niemand hat das Glück in der Tasche. Das wollte ich verdeutlichen.”
 
Den Film „Lourdes”, bei dem Martin Gschlacht die Kamera lenkte, charakterisiert eine ganz eigene Bildsprache. Viele Szenen spielen in kahlen Innenräumen mit kühlen Farben. Erst gegen Ende gehen die Figuren in die Natur hinaus. Hausner: „Die Räume sind ein Spiegel des inneren, seelischen Zustandes. Jeder von uns ist eingeschlossen in sein Leben, steckt in bestimmten Umständen drinnen und hat das Gefühl, da nicht herauszukommen zu der Freiheit, nach der er sich sehnt.”

Heilungen könnten in Lourdes auf unterschiedliche Weise stattfinden, innere Kräfte mobilisiert werden, meinte Jessica Hausner. Ihren Film habe sie speziell für Leute gemacht, die nicht zu den typischen Lourdes-Pilgern zählen: „Ich wollte das aus der katholischen Religion erzählen, was uns alle angeht. Es ging mir um die Conditio Humana”.

(red)

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