|
Wie entstand das Projekt ”Apg2010“?
Geiger: Kardinal Schönborn hat es ”erfunden“ und eine Arbeitsgruppe
dafür eingesetzt: Pastoralamtsleiter Michael Scharf, Otto Neubauer (Leiter
der ”Akademie für Evangelisation“), Otmar Spanner und mich.
”Apostelgeschichte zweitausendzehn“ ist der Impuls zum konkreten Hinausgehen
aus unseren ”Mauern“.
Warum ist ein solcher Prozess jetzt notwendig?
Geiger: Vieles ist in Veränderung, es ist nicht mehr so einfach und
klar, katholisch zu sein. Das ganze Land ändert sich im Hinblick auf Werte
und Glaubensbasis. Es ist notwendig, in einer gewissen Regelmäßigkeit
darüber nachzudenken, was unser Auftrag und was das Verbindende ist. Es geht
auch um diese ”Face-to-Face Situation“, in der der Bischof mit allen
gemeinsam nachdenkt.
Das Sich-Versammeln – nicht allein das gemeinsame Beten und Feiern – ist
eine Grundverfassung der Christen, es gehört zur Grunddynamik des
Christseins. Dazu gehört auch die Orientierung am Auftrag, am Evangelium
selbst. Das tun wir zwar ohnedies ständig, aber nicht in der Gesamtheit der
Ortskirche. Das ist einzigartig und neu, in dieser Größenordnung gab es das
noch nie.
Was ist das Ziel des Prozesses?
Geiger: Sammlung und Sendung.
Der eigentliche Wert besteht in der Sammlung an sich, in der gemeinsamen
Auseinandersetzung, im gemeinsamen Austausch und im gemeinsamen Beten und
Feiern. Es bedeutet auch eine gewisse Klärung: Es wird klar, was da ist.
Eine Art Selbstvergewisserung und Bodenbereitung. Dass man sieht, wo wir
wirklich stehen, und nicht nur, wo wir stehen sollen. Und dass auch Raum da
ist für das, was neu aufbrechen will. Und dass wir dadurch ermutigt und
gestärkt werden.
Wie sehr stehen die Gremien der Erzdiözese hinter diesem Projekt?
Dechantenkonferenzen, Priesterrat, Pastoralrat...?
Geiger: Im Vorfeld haben sich alle damit beschäftigt. So hat
beispielsweise die Dechantenkonferenz im Nord-Vikariat auf einer Klausur die
sieben Themenbereiche des Hirtenbriefes von Kardinal Schönborn behandelt,
danach wurde in den Regionstreffen damit weitergearbeitet.
In der Dekanatskonferenz von Stockerau etwa ist das Thema Glaubenserfahrung
und die Frage der Glaubensweitergabe auf beeindruckende Art behandelt
worden.
Beim Nord-Vikariat zeigt sich übrigens eine Auffälligkeit bei den
Anmeldungen: Es hat als einziges Vikariat ein 50:50 Verhältnis der
Delegierten, es hat also gleich viele Frauen und Männer entsandt.
Was wird mit den ”Ergebnissen“ geschehen?
Geiger: ”Ergebnis“ ist in diesem Zusammenhang ein recht schwieriges
Wort. Es geht zuerst um die Fragen: Was nehmen wir wahr und was lernen wir
daraus? Wir können nicht von einem Tag auf den anderen alle Hindernisse
wegräumen.
Die Ergebnisse werden zusammengefasst, und wir wollen und werden uns alle
weiter damit beschäftigen. Es wird auch eine Kooperation mit dem Institut
für Pastoraltheologie angestrebt. Die Themen können und sollen dann auch in
diversen Arbeitskreisen, Räten und Gremien, auch in
Pfarrgemeinderatsklausuren, bearbeitet werden.
Interview: Elvira Groiss,
Stefan Kronthaler
15.10.2009 |