Weinviertler Pilgerweg: Wer aufbricht kommt auch heim © ar

Die letzte Etappe des „Weinviertler Pilgerweges“ führte in diesem Jahr 250 Pilgerinnen und Pilger nach Santiago de Compostela, zum Grab des hl. Apostels Jakobus.
„Der Sonntag” bringt Impressionen von der Pilgerreise.

7.000 Gläubige sind in den vergangenen vier Jahren auf dem „Weinviertler Pilgerweg“ durch das Weinviertel und Marchfeld gezogen – haben Spritualität ganz neu erlebt, ein Netz des Glaubens und der Freundschaft geknüpft, viel Begeisterung für die Kirche erfahren und vieles mehr.
Die letzte Etappe führte in diesem Jahr 250 Pilgerinnen und Pilger nach Santiago de Compostela, zum Grab des hl. Apostels Jakobus.

„Unterwegs bleiben“

© Annette Rössner
Prälat Msgr. Dr. Mat­thi­as Roch, Bi­schofs­vi­kar

Große Dankbarkeit erfüllt mich, wenn ich an diese große Wallfahrt unseres Vikariates zum Abschluss des Weinviertler Pilgerweges denke, weil es durch die gemeinsamen Gottesdienste, das Gehen miteinander und die vielen Gespräche gelungen ist, eine Glaubensgemeinschaft zu erleben. Persönlich nehme ich die Erfahrung mit, dass es heute notwendig ist, „neue Wege“ des Zugehens auf die Menschen und Mitgehens mit ihnen immer wieder zu versuchen. Die oftmalige Rückmeldung: „Hier habe ich Kirche wieder anders und neu erlebt“ hat mir das    bestätigt.
Meinem alten Motto: „Zum Glauben braucht man Freunde“ entsprechend, durfte ich auch bei dieser Pilgerfahrt wiederum erfahren, dass wir immer als „pilgerndes Gottesvolk“ unterwegs sind. Gerade die neun gemeinsamen Tage mit den vielen Begegnungen, Gesprächen und den Betrachtungen der Texte in unserem Pilgerheft brachte bei mir – und ich denke bei vielen anderen – eine Vertiefung des Glaubens, die mich mit großer Freude erfüllt. In dieser Art des Unterwegsseins – Gehen, Beten, Sprechen miteinander und Feiern – wird auf vielfältige Art und Weise der eigene Glauben gestärkt und die Freude am Christsein durch das Zusammensein und das gemeinschaftliche Tun bekräftigt. Das empfinde ich auch als einen Auftrag für die Zukunft in unserem Vikariat, über die traditionellen Formen unseres Christseins hinaus, immer „unterwegs zu und mit den Menschen zu bleiben“.

„Der Weg ist nicht das Ende“

© Annette Rössner
Dechant Msgr. Willibald Steiner/ Hadres

 Voller Erwartung bin ich zu dieser Vikariatspilgerfahrt aufgebrochen. Wie würde es werden mit unterschiedlichen  Erwartungen der Menschen? Nach anfänglichen Fragen wurde deutlich, worum es in diesen Tagen ging! Die Erfahrung von glaubender Gemeinschaft, vom Pilgerweg des eigenen Lebens und vom „Nicht-Stehen-
Bleiben“ – weder im Glauben, noch im Leben. Die wunderbaren Erklärungen von P. Angel F. de Aranguiz SAC halfen, Geschichte, Kultur und Glaubensgut dieser nordspanischen Region mit ihren großartigen Domen und vielen anderen Sehenswürdigkeiten verstehen und lieben zu lernen. Achtung und Respekt konnten wir den Fußpilgern, denen wir begegneten immer neu zollen! Doch eines bleibt: Der Weg ist zu Hause, aber er ist nicht das Ende.

„In mir ein Gefühl der Unendlichkeit“

© Annette Rössner
Mag. Richard Tatzreiter / Subregens Wr.Priesterseminar

Der Blick schweifte in die Weite des Atlantik, der wie eine glatte, blaue Decke bis zum Horizont sanft ausgebreitet da lag und als großer Spiegel des Himmelsgewölbes in meiner Innerlichkeit ein Gefühl der Unendlichkeit aufsteigen ließ: Wir standen an diesem strahlenden Tag, dem 13. August 2007, gemeinsam an jenem Strand, den Menschen in Europa über Jahrhunderte als das Ende der damals bekannten Welt betrachtet und entsprechend „Finis terrae“ genannt hatten. Einige von uns hielten wohl die an diesem Strand gesammelten Jakobsmuscheln in ihren Händen.
Als bunt zusammen gewürfelte Gruppe waren wir als Menschen verschiedenster Herkunft und Biographie im Bus Nr. 4 nach dem Flug aus Wien zur Pilgerfahrt auf dem Jakobsweg von Pamplona aus aufgebrochen, nun lagen der Weg und sein Ziel schon hinter uns. Beides hatte uns gesammelt und geprägt – der Weg und das Ziel. Wir standen zweifellos verändert am Strand, an diesem äußersten Ort des Kontinents, der einen Wendepunkt markiert. Wir waren miteinander vertraut und einander näher gebracht, in die geschenkte Weite gesammelter Erfahrungen aus dem Wort der Heiligen Schrift und aus der geistlichen Beschäftigung mit dem eigenen Lebensweg vertieft.
In den Tagen des Unterwegsseins hatten wir viel gesehen und erlebt.  In Kürze würden wir also wieder nach Hause zurückkehren als Pilger, die zu diesem Abenteuer einer Wallfahrt gesammelt worden waren und die nun die bevorstehende Sendung in den Alltag als Weggefährten freundschaftlich miteinander verband. In neuer Weise schien sich hier am „Ende der Welt“ an uns zu erfüllen, was Jakobus mit den anderen Aposteln am österlichen Ursprung erlebte, als Jesus sie nach seiner Auferweckung von den
Toten sammelte und bis an die Grenzen der Erde aussandte, damit sie seine Zeugen seien (vgl. Apg 1,1-8). Damals und jetzt verschmolzen in diesen Augenblicken am Strand des Atlantik im endzeitlichen „Heute“, in dem jener gegenwärtig bleibt, der zu unserem Heil vom Himmel herabgestiegen und wieder hinaufgestiegen ist (vgl. Joh 3,13). In der Kathedrale von Leon und am Strand am Ende der Welt überkam mich innerlich eine Ahnung davon, wie das wohl einmal sein wird, wenn Gott uns für immer bei sich im Himmel versammelt.

„Ein erhebendes Gefühl vor der Kathedrale zu stehen“

© Annette Rössner
Mag. Franz Brandstötter, Religionslehrer / Obritz

Die sechs Weinviertler im Bild wollten den „Weinviertler Pilgerweg“ zu Fuß in Santiago beenden: Hans und Karin Stift, Franz und Maria Brandstötter, Franz Kerbler, Erwin Ruf.
„300 km vor Santiago de Compostella, starteten wir. ,Pilgerleben‘ das heißt: Nächtigung in einfachen Herbergen, mitunter auch im Freien unterm Kornspeicher, am ,buen camino‘ immer wieder die Begegnung mit Mitpilgern, darunter auch 2 weitere Pilgerinnen aus dem Weinviertel;  spanische Pilgermessen miterleben und feiern,  durchschnittlich 25 km Fußweg, mit 8 bis 10 kg Gepäck im Rucksack, Verständigung oft nur mit Händen und Füßen, Und schließlich das erhebende Gefühl müde und verschwitzt vor der Kathedrale in Santiago zu stehen und dann langsam hineinzugehen. Besonders herzlich dann die Begegnung mit den vielen Pilgern aus dem Weinviertel.“

„Kraft und Energie“

© Annette Rössner
Michaela Schaden, Sachbearbeiterin / Seefeld-Kadolz

Die Pilgerreise nach Santiago de Compostela war für mich faszinierend und bereichernd. Es war beeindruckend so viele Menschen an einem Ort zu sehen, die den Glauben an Gott in sich tragen und weitergeben. Es war eine unerklärliche Energie und Kraft zu spüren.
Wir sollen immer in Bewegung bleiben und unseren eigenen Weg
gehen, aus der Vergangenheit lernen und mit Zuversicht in die Zukunft schauen.
Mit Hilfe des Glaubens fällt uns dies in vielen Situationen leichter und der Glaube bestärkt uns immer wieder in unserem Tun.
Ich habe auf dieser Pilgerreise Menschen kennengelernt, die respektvoll miteinander umgehen und für den anderen da sind, obwohl sie sich schon Jahrzehnte kennen. Diese Werte gehen in unserer heutigen Zeit leider viel zu oft verloren.Die mächtigen Bauwerke mit den vielen Facetten und Details machen deutlich, wie stark und wichtig der Glaube war und dass scheinbar Unmögliches möglich ist. Dass der Glaube auch heute noch wichtig ist, sollten wir uns Tag für Tag bewusst machen.
Es war sehr interessant auf den Spuren des heiligen Jakobus unterwegs zu sein.„Buen Camino

„Über die eigene Kirchturmspitze hinaus schauen“

© Annette Rössner
Cäcilia Kaltenböck, DInsp.a.D. Hollabrunn

Voll Dankbarkeit schaue ich auf die mit 250 Pilgerinnen und Pilgern des Weinviertels verbrachte Zeit und Wegstrecke zurück.
Dankbar dafür, dass ich mitgehen und – fahren konnte – am Beginn des Weinviertler Pilgerweges vor 5 Jahren sagte eine aus physischen Gründen verhinderte engagierte Mitchristin zu mir: „Glücklich jene, die gehen können“. Dankbar dafür, dass ich miterleben darf, dass wir in unserem Vikariat immer mehr „über die eigene Kirchturmspitze“ hinaus schauen. Dankbar dafür, dass wir uns nach den 4 Jahren des gemeinsamen Unterwegsseins auf den Pilgerweg nach Santiago begeben haben um miteinander diese für ein geeintes Europa so wichtige Wegerfahrung zu machen. Dankbar dafür, dass ich an mir selbst erleben darf: „Wer aufbricht, kommt auch heim“ und dass ich auch nach Santiago weiter üben darf: „ …denn der Weg ist zu Hause“ – wie mir unser spanischer Busbegleiter P. Angel de Aranguiz SAC in das gleichnamige Buch geschrieben hat.

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