Ausgabe Nr. 20 - 20.05.2012
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Leserbriefe

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Thema: "Für viele" oder "für alle"?

16.05.12

Das Blut Christi ist für alle vergossen. Dieses Schriftverständnis sei wohlbegründet, meint Papst Benedikt XVI., doch er trete für die "reine Übersetzung" ein ...

Eine Änderung, die Fragen auslösen wird, was dem Papst offensichtlich bewusst ist, denn er bittet die Bischöfe um eine gründliche Katechese.

Laut "Sonntag" ist Kardinal Schönborn vom päpstlichen Schreiben sehr beeindruckt und Erzbischof Zollitsch findet den päpstlichen Wunsch detailliert und mit argumentativer Sorgfalt begründet.

Die eigentliche Katechese überlässt der "Sonntag" aber Professor Tück, einem ständigen Gast der Kirchenzeitung, der seine Erläuterungen der Neuen Zürcher Zeitung - nicht gerade ein Blatt für religiöse Fragen - anvertraut hat. Sie sind in der zitierten Form auch nicht sehr erhellend.

Tück meint es wäre maliziös, die geplante Änderung dahin zu interpretieren, dass die Grenzen der (katholischen) Kirche zugleich die Grenzen des Heils bedeuten.

Genau das aber werden die meisten Gläubigen - soweit interessiert - tun.

Als Menschen, die Johannes XXIII. noch erlebt haben, sind wir davon überzeugt, dass die geplante Änderung den Intentionen dieses Papstes völlig zuwiderläuft.

Anna Maria und Ulrich Schmotzer



Thema: "Für viele" oder "für alle"?

09.05.12

"Eh klar", dass man möglichst beim Urtext bleiben möchte! Das wurde im Beitrag über das Papstschreiben an die Bischöfe in deutschsprechenden Ländern ausführlich dargelegt.

Nicht wirklich erläutert wurde, warum man sich seinerzeit beim II.Vatikanischen Konzil für das Wort "alle" bei den Wandlungsworten entschieden hatte.

Denn das geschah damals sicher auch nicht unüberlegt und leichtfertig.

Im Internet lässt sich der Wortlaut des Schreibens nachlesen, und Papst Benedikt führt dort schon näher aus, warum man auf "alle" gekommen ist, dass man sich nämlich auf den hebräischen Text bei Jesaja beziehe, wo mit "viele" eben "alle" gemeint wären und Jesus ja dieser Sprache der Propheten näher gestanden sei.

Nun ahnt Papst Benedikt bereits "wie sehr muss ... eine Veränderung des Textes an einem so zentralen Punkt die Menschen beunruhigen."

Ob das höchste Kirchengremium da weise entschieden hat, gerade die Wandlungsworte in Frage zu stellen? Dies just zum jetzigen Zeitpunkt mit all den Debatten um den vorkonsiliaren Messritus und dem Hin und Her mit ihren Verfechtern.

Jetzt, wo Kritik an Konzilsentscheidungen und -texten trotz 50-Jahr-Jubiläumsaktivitäten laut werden, wo brennende Sorgen in der pastoralen Arbeit, zweifelhaftes Ansehen der Kirche als Institution etc. die Stimmung bereits genügend angeheizt haben, erscheint es mir als einfacher Gläubigen höchst unpassend.

Dr. Waltraud Fink



Thema: "Für viele" oder "für alle"?

09.05.12

"Mein Blut, das für euch und für ALLE vergossen wird zur Vergebung der Sünden."

Wer aufmerksam hinhört, könnte bei diesen Worten sich zurücklehnen, denn er weiß sich schon erlöst, seine Sünden sind ihm schon vergeben.

Er braucht sie nicht mehr zu bekennen, nicht mehr um Vergebung zu bitten, nicht einmal zu bereuen, und schon gar nicht umzukehren, sondern er wird munter dabei bleiben, braucht sein Leben in Sünde (z. B. Ehebruch) nicht aufzugeben.

In der Schule wussten wir eine Interpretation des Wortes TEAMWORK: Toll, ein anderer macht's!

Der Vermessene "sieht das ewige Leben als etwas im Grunde schon Erreichtes an, als etwas im Prinzip bereits Gegebenes." (Josef Pieper, "Lieben, Hoffen, Glauben"). Er meint gleichsam einen Rechtsanspruch auf die Gaben des barmherzigen Gottes zu besitzen, unabhängig davon, ob er sich ihnen öffnet oder nicht.

"Er hofft auf Vergebung ohne Reue, auf Hilfe ohne Gebet, auf ewiges Leben ohne Kampf" (ebenda). Wenn nun die Originalworte Jesu "für Viele" (hyper pollon) aus den griechischen Urtexten sowie der lateinischen Übersetzung Neovulgata (pro multis) des Neuen Testaments in die eucharistischen Hochgebete der heiligen Messe wieder eingesetzt werden, bedeutet das für jeden von uns, dass wir uns darum bemühen müssen, zu den Vielen zu gehören, für die Jesus sein Blut vergossen hat zur Vergebung der Sünden.

Ohne das von Jesus eigens dafür eingesetzte Bußsakrament, also ohne Reue und Umkehr, werden wir das nicht schaffen!

Mag. Helge Schöner



Thema: Hauptschauplatz: Osterbotschaft!

25.04.12

Vielen Dank für das wunderschöne Titelbild vom Ostersonntag Christus schauen, Christus glauben, Christus nachfolgen (Wandfresko, Pfarrkirche St. Martin).

Angesichts der lebensbejahenden, überwältigenden Botschaft von OSTERN (Auferstehung) macht es mich schon ein bisschen traurig, dass von den Medien der Fokus immer auf Nebenschauplätze gelegt wird wie Zölibat, eingetragene Partnerschaft und vieles mehr.

Das lateinische Wort credere (glauben) leitet sich von COR DARE ab, das heißt entscheidend ist, wohin ich mein HERZ GEBE. Und wenn ich mein Herz, meine Gefühle und meinen Verstand auf JESUS richte, dann verblassen solche Diskussionen um die Gesetzesmäßigkeit und ich schaue auf das Evangelium und auf das Handeln Jesu, z.B. auch wie er der Ehebrecherin das Leben rettet, aber zu ihr auch sagt: Frau gehe hin und sündige fortan nicht mehr.

Irgendwo steht auch geschrieben: Der Buchstabe des Gesetzes tötet, der Heilige Geist aber macht lebendig.

Alle Menschen haben das Bedürfnis nach dieser unendlichen, bedingungslosen Liebe Gottes, unabhängig von ihrer Lebensweise und geschlechtlichen Orientierung.

Der Gehorsam dem Evangelium gegenüber bleibt aber das Entscheidende.

Mag.a Rosemarie B. Hoedl



Thema: Österreich und Deutschland

21.04.12

Thema: Österreich bis 1806/66 (k)ein Teil Deutschlands?

In seinem Leserbrief in der Nr. 12 vom 25. 3. 2012("Jesus in Damaskus?") wendet sich Prof. Johannes Zopp auch gegen die Auffassung, dass Österreich
"jahrhundertelang ein Teil Deutschlands" gewesen sei. Außerdem meint er, der Ausdruck "deutscher Nation" sei der Bezeichnung "Heiliges Römisches Reich" erst nachträglich im 19. Jh. hinzugefügt worden. Anscheinend kennt er die einschlägigen Geschichtsquellen nicht.

Das Gebiet der jetzigen Republik Österreich zählte (mit Ausnahme des zum Königreich Ungarn gehörigen Burgenlandes) vom Hochmittelalter bis 1806 und darüber hinaus bis 1866 nicht nur zum deutschen Sprach- und Kulturraum, sondern auch zu Deutschland im staatsrechtlich-politischen Sinne. Mit dem preußisch dominierten Deutschen Reich (1871 bis 1945) und der jetzigen Bundesrepublik Deutschland hatten das "regnum Teutonicum" bzw. das auch als "Teutsches Reich" bezeichnete
"Königreich Germanien" und der "Deutsche Bund" natürlich nichts zu tun.

Der lange Reichstitel "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" entstand schon in der Zeit von 1442 bis 1512. Einerseits war damit nur das
"engere Reich" ("Germanien", "Teutschland") gemeint, andererseits das ganze von der deutschen
Nation getragene Kaiserreich einschließlich des Königreiches Italien. Die habsburgischen Erblande von Vorder- bis Niederösterreich, das Fürsterzbistum Salzburg und die Grafschaft Hohenems samt dem Reichshof Lustenau waren auf jeden Fall darin inbegriffen.

Dr. Anton Karl Mally

Dr. Anton Karl Mally



Thema: Stützenhofen

18.04.12

Von einer kleinen Pfarrgemeinde können Impulse weit ausstrahlen.

Von Stützenhofen holt sich die Öffentlichkeit derzeit nur das Negative, obwohl bis vor kurzem die wenigsten wussten, wo Stützenhofen liegt.

Dabei haben wir schon aus der ersten Station des Kreuzwegs mitgenommen, dass Verurteilungen nie die Lösung von Problemen sein können.

Wer Stützenhofen kennt, weiß, dass dort ein lebendiges religiöses Leben stattfindet, für das manche Stadtpfarre froh sein könnte. Hier ist im eigentlichen Sinn "die Kirche im Dorf".

Als Gesamtkirche sollten wir den unmittelbar Beteiligten den Raum lassen, um alles, was schwelt, untereinander ehrlich besprechen zu können, und sollten diesen Prozess mit unserem Gebet begleiten.

Ich erhoffe mir, dass "Stützenhofen" in unserer Diözese dann zum Symbol für Dialog und zukunftsorientiertes Weiterdenken wird.

Heinz Kasparovsky



Thema: "Zum Grundwasser Gottes"

28.03.12

In der Fastenzeit - eine Zeit der Gnade - wird der Aufruf zur Umkehr verständlicher, wenn wir Gott, den "Vater", als "Urgrund ewigen Seins" verstehen.

Es wird klarer, dass man in sich gehen sollte - oder noch besser: zum Grunde gehen.

In unserer Tiefe vollzieht sich die geistige Wiedergeburt, die wir immer wieder in der "hochheiligsten Osternacht" als
Versöhnung mit der Ewigkeit Gottes feiern dürfen.

Irmgard Zehetner



Thema: Euthanasie

21.03.12

Der tragische Ski-Unfall des holländischen Prinzen hat auch die Diskussion betreffend Euthanasie wieder aufflammen lassen.

(Es ...) wird berichtet, dass es in den Niederlanden gar keine Klinik für Wachkoma-Patienten gibt, weil alle anderen Fälle euthanasiert werden (... und) dass der Prinz nach England geflogen wurde - und nicht in seine Heimat.

Offiziell, weil er schon bisher in England lebte, andererseits wohl auch, um in Holland die Diskussion zu vermeiden, warum einer "gleicher ist als die anderen".

Dr. Gottfried Hanel



Thema: Zum Volk oder nach Osten?

22.02.12

Das Interview über die Rahmenbedingungen der Eucharistiefeier muss aus biblischer Sicht ergänzt werden:

Benedikt XVI. sagt in seinem neuesten Jesus-Buch, dass das Abendmahl Akt der Kirchengründung war, die Jünger werden zur Gemeinschaft zusammengeschlossen.

Entscheidend ist daher die Bildung dieser Gemeinschaft mit dem Auferstandenen selbst, damit auch mit dem Vater, im Geist, und konsequent der Feiergemeinde untereinander. Das ist das Aussageziel der Wandlungsworte, als Einheit mit den Wandlungsgesten verstanden.

Wie soll man Gesten verstehen können, die man gar nicht sieht?

Wie soll man Worte verinnerlichen können, die man nicht hört, weil sie nur leise oder in einer unverständlichen Sprache gesprochen werden?

Wie soll man die lebenserhaltende Funktion der eucharistischen Gaben als für sich bedeutsam erkennen, wenn man sie nicht auch sinnlich wahrnehmen kann?

Wie soll eine Gemeinschaft entstehen, ohne sichtbares Zentrum?

Wozu hat Jesus eine sinnlich wahrnehmbare symbolische Handlung eingesetzt und als Gedächtnis aufgetragen, wenn man auf die eigene Vorstellungswelt beschränkt bleibt, weil man nichts sehen oder hören kann?

Ohne klar gemeinschaftsbezogenen Rahmen kann kaum die Fülle dieses Sakraments menschlich nachvollziehbar nahe kommen.

DDr. Josef Zemanek



Thema: Zum Volk oder nach Osten?

22.02.12

Da und dort haben sie den Altar schon wieder umgedreht, geht der Priester voran.

Manche hat das gefreut, manch heimatlos Gewordene gehen woanders hin. Die Erklärung des Univ.-Profs (Feulner) macht klar, dass beides möglich, berechtigt ist.

Das Foto über dem Artikel gibt mit dem Bildtext ein klares Statement - "Priester und Gläubige versammeln sich um Christus, den der Altar symbolisiert".

Wenn ich mich um jemanden versammle - nehme ich ihn dann in die Mitte oder ist es besser, ihn vorneweg gehen zu lassen?

Welche Form der Kommunikation entspricht unserem Lebensgefühl, welche Form hilft zum Selbstwertgefühl als geliebter Sohn / Tochter Gottes und Bruder Jesu?

GR Dr. Rainer Porstner



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