Ausgabe Nr. 37 - 12.09.2010
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Mehr als Rauschen in den Ohren
Die Weisheit der Wüstenväter und -mütter stammt aus dem 4. und 5. Jahrhundert – und hat nichts an spiritueller Kraft eingebüßt.

© KNA
In der Einsamkeit kann - muss - man wirklich still werden vor Gott.

Sie waren Aussteiger im wahrsten Sinne des Wortes: Die Zeit der Christenverfolgungen war vorbei, das Leben um sie herum war ihnen zu laut geworden, und so suchten sie neue Herausforderungen. Sie fanden sie in der Wüste Ägyptens.

Denn in der Wüste ist nichts – außer Sand und Felsen. Die Stille lässt das Blut in den Ohren rauschen und lockt in den Tiefen der Seele verborgene Gedanken und Gefühle hervor: Als „Kampf gegen die Dämonen” schilderten die Wüstenväter diese Erfahrung, und sie wussten: Wer sich selbst kennenlernt, kann sich besser für die Begegnung mit Gott öffnen.

Und im Licht Gottes erkennt man sich selbst noch besser: Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis hängen eng zusammen. Und das konnten die (drei uns heute bekannten) Wüstenmütter nur bestätigen.

Eine Kostprobe von Abbas Johannes Kolobos, der zum Fasten folgenden Vergleich brachte: „Wenn ein König eine feindliche Stadt einnehmen will, dann bemächtigt er sich zuerst des Wassers und schneidet die Zufuhr ab. Und wenn die Menschen in der Stadt dem Verhungern und Verdursten nahe sind, unterwerfen sie sich ihm. So ist es auch mit den schlechten Begierden: Wenn der Mensch mit Fasten und Hungern gegen sie zu Felde zieht, dann werden die Feinde gegenüber der Seele kraftlos.”

„Heilkraut” Gebet

Die Wüstenmutter Synkletia wusste wiederum: „Tiere, die Gift verspritzen, können nur durch schärfere Kräuter vertrieben werden. So vertreiben auch das Gebet und das Fasten schlechte Gedanken.”

Von Abbas Poimen ist unter vielen anderen dieses Wort überliefert: „Sich bewahren, auf sich achten und die Gabe der Unterscheidung: Diese drei Tugenden führen den Weg der Seele.”

Die „Apophtegmata Patrum” (Aussprüche der Väter) sind in zahlreichen Publikationen erschienen, jüngst vom ehemaligen Chefredakteur der Paderborner Kirchenzeitung „Der Dom”, Hermann Multhaupt.

Buchtipp

Hermann Multhaupt: „Worte der Stille. Weisheit der Wüstenväter”;
2010 im Sankt-Ulrich-Verlag, 143 Seiten mit Fotos illustriert, € 15,40.

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(red)

25.02.2010

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