Intrigen und Arroganz in Rom? © KNA

Warum der Apostel Paulus den Römerbrief schrieb.

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Erst vor einem Jahr entdeckt: die angeblich älteste Darstellung des Apostels (spätes 4. Jh.) in der Thekla- Katakombe in Rom.

Ob an die Gemeinde in Korinth, Philippi oder an jene in Galatien: Die Briefe, die Paulus schrieb, hatten konkrete Anlässe. Der Apostel antwortete etwa in seinen Schreiben auf Fragen, die ihm Gemeinden offenbar im Briefkontakt zuvor schriftlich vorgelegt hatten, oder die ihm durch Boten mündlich mitgeteilt worden waren.

Nur vom Römerbrief dachte man lange, er habe in diesem Sinn keinen konkreten Anlass gehabt. Paulus wolle sich der Gemeinde in Rom, die er weder selbst gegründet hatte noch persönlich kannte, vor seinem Besuch brieflich „vorstellen”. Und Paulus tue dies, indem er seine theologischen Überzeugungen in einer Art „Traktat” darlege, so hatte man angenommen.

Doch es könnte anders gewesen sein: Die Neutestamentlerin Prof. Marlis Gielen (Universität Salzburg) vermutet, dass Paulus den Gegnern seiner Verkündigung zuvorkommen wollte („Bibel und Kirche”; 3/2010).

Paulus – das steht fest – wollte die römische Gemeinde auf seinem Weg nach Spanien besuchen (Röm 15,23-29). Warum aber breitet sich Paulus im Brief so über die Verkündigung des Evangeliums aus? Ebenso über die Rolle des Volkes Israel und seine bleibende Bedeutung in der Heilsgeschichte?

Diese Themen hat Paulus nicht zufällig gewählt, wenn er an die Christen in Rom schrieb, erläutert Gielen.

Paulus und seine Gegenspieler

Paulus trat – das ist als Hintergrund wichtig – mit seiner ganzen Autorität dafür ein, dass sich Heiden, die sich taufen lassen wollten, zuvor nicht beschneiden lassen mussten. Denn ohne Beschneidung waren Heidenchristen auch nicht verpflichtet, die Tora, das jüdische Gesetz, mit allen Einzelgeboten – etwa den Speisegesetzen – zu halten (was viele Judenchristen freilich weiterhin praktizierten).

Dies war ja von den Aposteln in Jerusalem auch so beschlossen worden (Apg 15,1-35). Jedoch gab es bald judenchristlich-konservative Kreise, die den Heidenchristen die Beschneidung und die genaue Einhaltung der Tora aufbürden wollten – und somit heidenchristliche Gemeinden stark verunsicherten. Paulus wendet sich im Galaterbrief scharf gegen diese „Gegenspieler” seiner auflagenfreien Evangeliumsverkündigung.

Gerüstete Gemeinde

Genau diese Verkündigung entfaltet Paulus im Römerbrief ausführlich. Der Apostel fürchtet offenbar, judenchristlich-konservative Kreise könnten noch vor ihm in Rom aktiv werden und die Gemeinde verwirren. So gibt Paulus der römischen Gemeinde, von der er über persönliche Kontakte gut informiert war (vgl. Röm 16), eine theologische Argumentation als Rüstzeug in die Hand, damit sie jenen entgegentreten kann.

Noch ein Anliegen verfolgt Paulus im Römerbrief: Nachdem durch ein Edikt des Kaisers Claudius 49 n. Chr. Juden, vor allem aber Judenchristen, aus Rom ausgewiesen worden
waren, bestand die römische Christengemeinde praktisch nur noch aus getauften Heiden.

Diese hatten ihre bleibende Verwiesenheit auf Israel vergessen und sahen sich selbstgefällig als legitime Erben der Verheißungen. Dieser Arroganz tritt Paulus entgegen und ruft der heidenchristlichen Gemeinde ins Bewusstsein: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.” (11,18)

(red)

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