 Der Moraltheologe Friedrich Spee wurde als Kritiker der Hexenprozesse berühmt.
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Er war eine vielschichtige Persönlichkeit von außergewöhnlicher Begabung: Friedrich Spee war begnadeter Dichter und fähiger Lehrer, umsichtiger Seelsorger und scharfsinniger Theologe – in einer Zeit, die schwieriger kaum sein konnte: Der Streit der Konfessionen tobte mit Vertreibungen und Enteignungen, verband sich mit machtpolitischen Interessen zum Dreißigjährigen Krieg, der Tod und Verwüstung brachte. Epidemien und Missernten mit Hungersnöten taten ihr Übriges.
In dieser Zeit kam – nicht zuletzt, um „Schuldige” für diese Nöte zu finden – eine Massenhysterie zu ihrem Höhepunkt, die gerne dem Mittelalter angelastet wird, obwohl sie nachweislich ein Phänomen der frühen Neuzeit ist: Hexenverfolgungen. Bis ins späte Mittelalter zog sich sogar schwere Kirchenstrafen zu, wer jemanden der Hexerei beschuldigte.
Erst um 1500 griff eine Hysterie um sich, die regelrecht zur Volksbewegung aufflammte – angeheizt durch den „Hexenhammer”, eine 1486 vom Inquisitor Heinrich Kramer verfasste Hetzschrift.
Spee sah und hörte zuFriedrich Spee gilt als einer der mutigsten Kritiker des Hexenwahns: „Es muss gänzlich mit der Hexeninquisition aufgehört werden – so ein Verfahren ist immer ungerecht und rechtswidrig.”
Es war in jener Zeit auch für geistliche Personen gefährlich, zu dieser Überzeugung zu kommen. Spee hatte sich selbst ein Bild gemacht: Er ging in die Gefängnisse.
Als Beichtvater begleitete er „Hexen”, die sich ihm im Angesicht des Todes anvertrauten, auf ihrem Weg zum Scheiterhaufen. Der Jesuit studierte Akten, Verhörprotokolle, und sprach mit den Richtern. Durch all dies gelangte er zur Gewissheit der Unschuld der angeklagten Frauen.
In seiner 1631 anonym erschienenen Schrift „Cautio criminalis” wandte sich Spee an alle Personen und Institutionen, die an der Durchführung der Hexenprozesse beteiligt waren. In einer zweiten Auflage (1632) verschärfte er seine Argumentation.
Der Erfolg der Schrift gegen den Hexenwahn war groß. Die Verfolgungen ebbten nach der Veröffentlichung der Streitschrift tatsächlich ab.
Der Querdenker, der im August 1635 starb, folgte nicht allgemeinen Überzeugungen, sondern sah genau hin, prüfte, erwog seine Entscheidungen im Gebet. Spee blieb seinem Gewissen treu – aus tiefem Glauben an Christus. Darin bleibt er Vorbild bis heute.
(red)
19.08.2010 |