 „Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet” (Koh 1,2).
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Es war im 3. Jh. vor Christus in Israel: Die Entwicklung machte vielen Angst und rührte an die Identität des jüdischen Volkes, andere wiederum sahen in der „Globalisierung” „die Zukunft” schlechthin. Unter ptolemäischer Herrschaft zog das griechische Denken in Palästina ein, das einen neuen Individualismus als Ideal pries.
Die hellenistische Kultur – und Religion – demonstierte ihre Überlegenheit in neuen Städten, die mit beeindruckenden öffentlichen Gebäuden, breiten Straßen und Plätzen wie Schwammerl aus dem Boden wuchsen. Ein Jahrhundert später führt diese Entwicklung zu einer schweren Krise, die sich in den Makkabäer-Büchern widerspiegelt.
Die Verunsicherung vieler Juden im 3. Jh. war der heutigen Situation globaler Pluralität ähnlich: Schnelllebigkeit, die Erfahrung der Kürze des Lebens und die Gier, jetzt alles zu haben, waren neue Lebensherausforderungen. Wie darauf reagieren?
Das Buch Kohelet versteht sich als ein Antwortversuch auf diese Herausforderungen. Die Zeitschrift „Bibel heute” (1/2010) zeigt in ihren Beiträgen die aktuellen Bezüge des biblischen Buches auf.
Kohelet gehört zu den Skeptikern der hellenistischen „Globalisierung”: Nur „Windhauch” sei das angeblich „Neue”, das die Griechen gebracht haben, „es war längst schon einmal da” (Koh 1,10).
Seiner Analyse entgeht es nicht, dass die Rechtspflege korrupt ist, ein Konkurrenzkampf tobt, bei dem die unteren Gesellschaftsschichten unterdrückt werden, dass die Bürokratie verfilzt ist: „Ein Mächtiger deckt den anderen, hinter beiden stehen noch Mächtigere” (5,7b). Es gibt keine letzten Sicherheiten in dieser Welt.
Das klingt resignativ, lässt Kohelet aber noch intensiver danach fragen, wie Glück im Leben gefunden werden kann.
Frustration – und was dann?Er findet es nicht im Tätigsein, weil nicht alles „machbar” ist, wie die neue Zeit glauben machen will. Auch das Streben nach Weisheit frustriert ihn, weil weise Menschen nicht automatisch glücklicher sind: „Viel Wissen, viel Ärger” (1,18), weiß Kohelet. Schließlich treibt ihn auch der Genuss des Lebens für sich alleine in die Frustration.
Dass man meinte, bei Kohelet eine stark depressive Neigung erkennen zu können, hat also durchaus Anhaltspunkte: Schließlich ist es die Todesgewissheit, die Vergänglichkeit von allem Geschaffenen, die ihn zur Erkenntnis führt, alles sei letztlich „Windhauch”.
Eine lebendige Hoffnung auf ewiges Leben nach dem Tod kannte Kohelet noch nicht – sie erwachte im Volk Israel erst ein Jahrhundert später zu vollem Bewusstsein. Was andererseits bedeutet: Die Ewigkeit als Vertröstungsideologie zu missbrauchen, war für Kohelet kein Thema.
Er nimmt das von Gott geschenkte Leben hier und jetzt ernst – auch im Genießen des Augenblicks. Denn die Todesgewissheit führt für Kohelet zu einer tieferen Lebensfreude: Für alles gibt es eine Zeit, aber nicht immer ist Zeit für alles, lautet eine der wichtigen Einsichten Kohelets: Tag für Tag dankbar aus Gottes Hand annehmen, was er schenkt; mit Achtsamkeit im Hier und Jetzt vor Gott leben.
Dieser Halt im Glauben an Gott, den das Schlusswort des Buches hervorhebt, gibt auch Gelassenheit gegenüber Dingen, die für sich Unverzichtbarkeit beanspruchen, und letztlich doch nur „Windhauch” sind.
Kohelet und der „Kulturschock”Das Buch Kohelet („Versammler”) wurde im 3. Jahrhundert vor Christus in Palästina, vermutlich in Jerusalem verfasst. Der Autor nennt sich „Sohn Davids” sowie „König von Jerusalem” und stellt sich dem Leser somit als Weisheitslehrer im Sinne Salomos vor.
Kohelet setzt sich vor dem Hintergrund des neuen hellenistischen Einflusses und ihrer philosophischen Strömungen kritisch mit der Frage auseinander, was Glück bedeutet und wie Freude am Leben zu finden ist: Was manche von Kohelets Zeitgenossen unter der ptolemäischen Herrschaft als „Kulturschock” erleben, preisen andere als „die Zukunft” schlechthin.
Das Buch lehrt – auf dem Boden der Überlieferung des Gottesvolkes – in großer Nüchternheit, dankbar von Gott entgegenzunehmen, was er an jedem Tag schenkt.
LesetippDie Zeitschrift „Bibel heute” erscheint 4x pro Jahr; Einzelpreis: € 7,20; Abo: € 26,30 (exkl. Versandspesen).
Erhältlich beim Österreichischen Katholischen Bibelwerk:
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(red)
11.03.2010 |