 Die Schriften des Neuen Testaments bieten unterschiedliche Modelle von Gemeindestrukturen.
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Wie kam es zur Entstehung der Ämter im Neuen Testament?
Schwarz: Nach dem Tod Jesu bzw. der Zeugen des Anfangs, brauchten die jungen Gemeinden Führungskräfte und autorisierte Verkündiger. Zunächst wurden diese Dienste vielfach noch von unterschiedlichen Personen wahrgenommen.
Im Laufe der Zeit haben jedoch bestehende Autoritäten (z. B. Paulusschüler) in manchen Gemeinden Presbyter eingesetzt, die nicht nur organisatorische Leitungskompetenzen hatten, sondern gleichzeitig auch die Botschaft Jesu und der Erstzeugen gegen falsche Interpretationen schützen sollten (am deutlichsten ist dies im ersten Timotheusbrief nachzulesen).
Es ist auffällig, dass die Priester des Anfangs niemals mit Titeln der jüdischen kultischen Opferpriester im Tempel benannt werden. Die Bezeichnung Presbyter stammt zwar auch aus dem Judentum, diese Synagogenvorsteher hatten aber keine liturgischen Funktionen.
Die christlichen Presbyter werden im NT niemals vorrangig zur Sakramentenspendung eingesetzt. Dennoch erscheint es von ihrem Leitungsdienst her logisch, dass sie auch den Vorsitz bei den Gottesdiensten führten.
Im Neuen Testament gibt es unterschiedliche Priesterbilder, welche sind die vorherrschenden?
Schwarz: Im ersten Timotheusbrief finden wir das schöne Bild vom Priester als Hausvater, der für die Familie Gottes Sorge trägt (3,1-7.14f). Der Episkopos – hier noch eine andere Bezeichnung für einen Presbyter – soll nur dann der Gemeinde vorstehen, wenn er zuvor in der eigenen Familie Ordnung schaffen konnte.
Ein zweites Bild ist das des Hirten, der wie der gute Hirte Jesus bereit ist, sich mit ganzer Hingabe seinem kirchlichen Dienst zu widmen (vgl. 1 Petr 5,1-4; Apg 20,28). In manchen Gemeinden wurden die Vorsteher auch als Hirten bezeichnet (Eph 4,11).
 Pfarrer Dr. Roland Schwarz ist Leiter des Referates Bibelpastoral im Pastoralamt.
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Welcher Handlungsbedarf – schöpfend aus den biblischen Erfahrungen – ergibt sich für heute?
Schwarz: Die Schriften des NT bieten unterschiedliche Modelle von Gemeindestrukturen. Für uns sind dies wichtige Anregungen, die jedoch nicht sklavisch kopiert werden müssen. Die Kirche ist berechtigt, ihre Dienste den jeweiligen Notwendigkeiten anzupassen.
Ich persönlich denke, dass wir gerade in kritischen Zeiten starke und kompetente Führungspersönlichkeiten wie in den späten Briefen des NT brauchen. Wir sollten uns aber auch wie die frühen Gemeinden bewusst sein, dass Autorität und Einfluss immer auch die Versuchung zur Willkür in sich tragen (vgl. etwa 1 Tim 5,19-21; 1 Petr 5,1-4).
Deshalb meine ich, dass es kirchenrechtlich verbriefte Möglichkeiten geben müsste, wie einzelne Pfarren oder Diözesen sich gegen jene wehren können, die ein von der Bibel gefordertes „hörendes Herz” (1 Kön 3,9) durch engstirniges Beharren auf situationsfremde Prinzipien ersetzt haben.
Aus dem Bild des Hausvaters ergäbe sich auch die Notwendigkeit, dass den Priestern überschaubare Aufgabenbereiche zugeordnet sind. Wie ein Vater normalerweise nur in einer Familie wirklich mitleben kann, ist ein effektives Wirken der Hirtensorge auch bei kirchlich Verantwortlichen nur in begrenzten Einheiten möglich.
Speziell die Aufgabe authentischen Lehrens ist nur dann sinnvoll möglich, wenn Verantwortliche die geistigen Tendenzen bei den ihnen anvertrauten Menschen kennen. Deshalb erscheint auch ein ausschließlich auf die Sakramentenspendung beschränkter Kontakt zu den Gemeinden fragwürdig.
Am wichtigsten wären engagierte, offene, für das gemeinsame Erleben der Nähe Gottes begeisterte Christinnen und Christen, denen zu dienen für charismatische Gemeindemitglieder Anreiz und Freude bedeutet.
Eine wichtige Aufgabe der Priester besteht ja darin, die Begabungen der christlichen Geschwister zu fördern, sie zur Entfaltung zu bringen und sie mit ihnen zu leben (vgl. Eph 4,11-13).
(red)
04.03.2010 |